Neuer Rettungsplan für Fiat

Neuer Rettungsplan für Fiat

— 07.01.2003

Muss die Agnelli-Familie weichen?

Bewegung in der Fiat-Krise. Eine Investorengruppe könnte die Agnelli-Familie verdrängen. Und den Autobauer retten.

Die Position der Familie Agnelli bei Fiat scheint schwächer zu werden. Italiens Industrieminister Antonio Marzano wertete einen möglichen Rettungsplan des Finanzinvestors Roberto Colaninno für den angeschlagenen Autobauer als "positiv". Colaninnos Plan sei eine gute Ausarbeitung, weil er sowohl die Stärkung der Fiat-Finanzen berücksichtige wie auch einen Industrieplan, erklärte er. Marzano sagte der Wirtschaftszeitung "Il Sole", er hoffe, dass der Plan so schnell wie möglich in die Praxis umgesetzt werde.

Eine italienische Investorengruppe um Colaninno hatte am Wochenende bestätigt, dass sie bei Fiat einsteigen will. In den kommenden Wochen will der Finanzier aus Mantua, der durch die Übernahme der Telecom Italia vor knapp drei Jahren Schlagzeilen gemacht hatte, einen Plan vorlegen, wie dem hoch verschuldeten Turiner Konzern geholfen werden soll.

Die Gruppe um Colaninno strebt einen Anteil von 30 Prozent bei Fiat an. Damit würde sie die Gründerfamilie Agnelli als größten Aktionär ablösen. Fiat hat den Vorstoß Colaninnos zurückgewiesen. Die Turiner halten an ihrem Rettungsplan fest, der den Abbau Tausender Stellen und Werksschließungen vorsieht. Industrieminister Marzano machte deutlich, dass General Motors weiter in die Sanierung einbezogen werden muss. "Es ist fundamental, dass General Motors weiterhin Teil des Automobilprojekts ist", sagte Marzano weiter. Colaninno hatte mitgeteilt, er prüfe einen "freundlichen" Plan, der seine direkte Beteiligung an Fiat vorsehe.

Laut Medienberichten sieht sein Konzept vor, dass GM 1,5 Milliarden Euro in Fiat investiert. Dafür soll der US-Konzern von der Option befreit werden, zwischen 2004 und 2009 die restlichen Anteile an Fiat Auto kaufen zu müssen. Zudem soll GM seine Anteile an Fiat Auto von 20 auf 40 Prozent erhöhen und der Fiat-Konzern reduziert seinen Anteil auf 40 Prozent. Die verbleibenden 20 Prozent an Fiat Auto sollen die Gläubigerbanken und Colaninnos Konsortium übernehmen. Insgesamt will der Finanzier acht Milliarden Euro in Fiat investieren. Neben den 1,5 Milliarden Euro von GM soll das Geld durch Beteiligungsverkäufe und von Colaninnos aufgebracht werden.

Gefahr für die Dominanz der Agnellis droht auch durch die Gläubigerbanken. Unicredito, Intesa, Capitalia und Sanpaolo Imi gaben Fiat im Sommer vergangenen Jahres einen Kredit über drei Milliarden Euro mit der Maßgabe, dass der Konzern seine Nettoschulden von 5,8 auf 3,6 Milliarden Euro bis März 2003 senkt. Sollte der Schuldenabbauplan scheitern, können die Banken ihren Kredit in Fiat-Anteile umwandeln.

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