Neuer Rückruf-Rekord

Neuer Rückruf-Rekord

Neuer Rückruf-Rekord

— 02.05.2002

Immer öfter Ärger mit neuen Autos

113 offizielle Rückrufaktionen in einem Jahr. Das ist Rekord. Seit 1995 hat sich die Zahl der Rückrufe mehr als verdoppelt.

Kaum gekauft, schon in der Werkstatt

Moderne Autos werden technisch immer perfekter, aber auch anfälliger. Immer öfter müssen Automobilhersteller nachbessern. Mit 113 offiziellen Herstelleranfragen im vergangenen Jahr meldet das Kraftfahrtbundesamt (KBA) einen neuen Rückrufrekord. Innerhalb von sechs Jahren hat sich die Zahl damit mehr als verdoppelt: 1995 waren es gerade mal 50 Rückrufe.

Und die Dunkelziffer ist weitaus höher: Denn wenn sich die Hersteller an das KBA wenden, um die Halter zu ermitteln, liegt in der Regel schon ein erhöhtes Sicherheitsrisiko vor. Die Zahl so genannter "stiller Rückrufe" dürfte nach Schätzungen weitaus höher liegen. Nahezu alle Hersteller müssen sich mit Problemen an ihren Produkten herumschlagen. Die Liste ist lang. Aktuellste Beispiele: Fiat muss den Punto zurückrufen, weil an den Bremsleitungen unter Umständen Bremsflüssigkeit austritt. Wegen fehlerhafter ABS-Steuergeräte bessert VW die Modelle Golf, Bora und New Beetle nach. Betroffen sind nur Fahrzeuge des Bauzeitraumes März bis Juli 2001. Beim Fiat Seicento und Lancia Y kann es zu Aussetzern in der Kraftstoffpunpe kommen. Beim Punto der ersten Generation wurden korrodierte Bremsleitungen und ein Kühlmittelkreislauf-Leck festgestellt. Und auch Chrysler ruft in den USA mehr als 1,1 Millionen Jeep zurück, weil aufgrund ungünstig verlegter Ansaugrohre Feuergefahr im Motorraum besteht.

Gründe für die Schwachstellen beim automobilen Produkt gibt es viele: Die Autos werden technisch immer anspruchsvoller. Vor allem die Elektronik bleibt Pannenursache Nummer Eins, wie die Pannenstatistik des ADAC zeigt. Hinzu kommt eine Modell- und Ausstattungsflut. Immer weniger Entwicklungszeit steht zur Verfügung, Fehler schleichen sich schnell ein.

Sind die Entwicklungszeiten das Übel?

Kein Hersteller kann es sich mehr leisten, neue Technik ausgiebig zu testen. Manche Probleme werden erst festgestellt, wenn der Kunde schon im Neuwagen sitzt. Und die Zulieferer unterliegen einem enormen Kostendruck. Die gelieferten Produkte könnten durchaus von besserer Qualität sein, aber nicht zu dem geforderten Preis der Hersteller. Eine Aussage, die Professor Ferdinand Dudenhöfer von der Fachhochschule Gelesenkirchen bei einer Befragung von Zulieferern herausfand. Erst wenn die Technik deutlich robuster wird, verringert sich die Zahl der Rückrufe, so die Experten.

Beim US-Hersteller Chrysler ist man sich in Deutschland aufgrund des sensiblen Heimatmarktes der Problematik besonders bewusst. Schlampigen Herstellern drohen Schadensersatzklagen in Millionenhöhe. Doch Chrysler gibt sich zuversichtlich: "Alles in allem ist die Bilanz nicht dramatisch. Für uns ist das auch nichts Peinliches oder Anrüchiges, dass wir lieber verschweigen würden," so Chrysler-Pressesprecher Markus Hauf. Die Anlässe für Rückrufe seien in der Regel eher harmloser Natur und nicht Modellzyklus-gebunden. Einen signifikanten Anstieg an Mängeln will Hauf in den letzten fünf Jahren nicht festgestellt haben. Vielmehr "trifft es meistens Teile, die schon länger auf dem Markt sind und nicht extra neu entwickelt wurden".

Einen Anstieg der Rückrufequote schließt Hauf zumindest für sein Unternehmen aus - gleichwohl räumt er ein, dass "bei dem komplexen Gebilde Auto eben nicht immer alles 100-prozentig perfekt laufen kann." Ein schwacher Trost für Neuwagenkunden, die sich mit den Problemen herumschlagen müssen. Ansprüche über die Garantiezeit hinaus hat der Käufer grundsätzlich nämlich keine. Die Hersteller wickeln im Fall eines Rückrufs die Reparaturen aus Imagegründen meist kulant ab.

Eine allumfassende gesetzliche Regelung gibt es jedoch nicht. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte deshalb auf Modelle zurückgreifen, die schon länger im Markt sind. Vorteil: Sie basieren auf bewährten Bauteilen. Nachteil: Sie bieten nicht den aller neusten Stand der Technik.

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