Neuer Vorstand, neuer Konzernbereich

Linde will im Autogeschäft Gas geben Linde will im Autogeschäft Gas geben

Neuer Vorstand, neuer Konzernbereich

— 23.04.2002

Linde will im Autogeschäft Gas geben

"Car guy" Wolfgang Reitzle, Noch-Chef der Ford-Luxus-Abteilung PAG, soll als kommender Linde-Boss den neuen Konzernbereich aufbauen.

Führend bei Wasserstoff-Tankstellen

Der weltgrößte Hersteller von Wasserstoff-Anlagen, die Wiesbadener Linde AG, will unter ihrem künftigen Vorstandschef Wolfgang Reitzle stärker auf das Automobil-Geschäft setzen. Wie Konzernsprecher Klaus Schönfeld im Gespräch mit der Berliner Morgenpost sagte, sei Linde gut positioniert, um das deutsche Tankstellennetz in Zukunft flächendeckend mit flüssigem Wasserstoff zu versorgen. "Wir sind der einzige Anbieter weltweit, der Wasserstoff nicht nur herstellt, sondern auch reinigt, verflüssigt und verteilt." Bei der Entwicklung von Wasserstoff-Tanks sei Linde heute bereits bevorzugter Technik-Partner von Automobil-Konzernen wie BMW, Opel, DaimlerChrysler und MAN, die auf die neue Antriebstechnik setzen.

Wie der Konzernsprecher sagte, wurden von den weltweit 19 existierenden Tankstellen für flüssigen Wasserstoff 18 von der Linde AG ausgerüstet. Darunter befinde sich auch die bislang einzige öffentlich zugängliche Wasserstoff-Tankstelle in Deutschland, am Münchener Flughafen. Beim schwierigen "Handling" des Kraftstoffs, der ständig auf einer Temperatur von minus 253 Grad Celsius gehalten werden muss, gelte die Linde AG als Systemführer. Erste Testfahrzeuge von Reitzles Ex-Arbeitsgeber BMW, Opel und MAN die mit wasserstofftauglichen Verbrennungsmotoren fahren, seien mit Linde-Tanks ausgerüstet.

Flüssiger Wasserstoff gilt in der Automobil-Industrie als einer der wichtigsten alternativen Kraftstoffe der Zukunft. Wie BMW-Sprecher Andreas Klugescheid bestätigte, plant der Münchener Autobauer bereits im Jahre 2010 etwa 2,5 Prozent der Neuwagen mit Motoren auszuliefern, die sowohl Benzin als auch Wasserstoff verbrennen können. Bis zum Jahre 2020 soll der Anteil auf 25 Prozent steigen.

Kooperation mit Magna Steyr

Zurzeit werde daran gearbeitet, Zulieferbetriebe mit den von Linde entwickelten Wasserstoff-Tanks und der Kühltechnik vertraut zu machen, sagte Klugscheid. Die Serienproduktion der künftigen BMW-Wasserstofftanks solle voraussichtlich der österreichische Automobilzulieferer Magna Steyer übernehmen. Die Linde AG hatte vergangene Woche mitgeteilt, dass der frühere BMW- und Ford-Manager Wolfgang Reitzle am 10. Mai 2002 in den Vorstand eintritt und vom 1. Januar 2003 an den Vorstandsvorsitz übernehmen soll. Aufsichtsratschef Hans Meinhardt sagte der Financial Times Deutschland, Reitzle werde "ein neues Geschäftsfeld aufbauen", nannte jedoch keine Details.

Branchen-Analysten, wie etwa Eggert Kuls, vom Bankhaus M.M. Warburg warnten davor, diese Aussage zu stark zu interpretieren. Das Zukunftsgeschäft mit Brennstoffzelle und Wasserstoff würden sich Autobauer und Mineralölwirtschaft "nicht aus der Hand nehmen lassen". So werde Linde sicherlich eine bedeutende Position als Technik-Lieferant einnehmen, doch fehlte dem nur "mittelgroßen Konzern" für das absehbare Massengeschäft mit dem Kraftstoff der Zukunft allein die nötige Kapitalbasis.

Linde ist eines der 30 Dax-Unternehmen. Der Wiesbadener Konzern stellt neben Industriegasen auch Gabelstapler her. Insgesamt verströmt das Unternehmen ein eher hausbackenes Image, das durch den weltmännischen Reitzle aufpoliert werden könnte.

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