Neues Gesetz für Youngtimer

Neues Gesetz für Youngtimer

— 27.04.2005

Stirbt eine ganze Auto-Generation?

Das Schicksal vieler Youngtimer hängt an der berühmten roten Nummer. Genau die soll nämlich bald abgeschafft werden.

Porsche 928, Opel Monza, BMW 732i – Kult-Karossen der frühen Achtziger auf dem Weg zu Klassikern. Werden sie 30 Jahre alt, sind sie am Ziel: Dann winkt die kostengünstige Oldtimer-Zulassung per H-Nummernschild. Doch viele der Youngtimer werden diese Weihen nicht erfahren, wie es aussieht.

Denn das rote 07er-Wechselkennzeichen, das einen zwar eingeschränkten, aber preiswerten Betrieb alten Blechs ermöglicht, ist in der aktuellen Form ein Auslaufmodell. Die Alternative: reguläre Anmeldung, reguläre Steuerlast – im Fall eines Kat- und relativ wertlosen Mercedes 500 SE über 1200 Euro pro Jahr. Für viele ein Todesurteil.

Es geht um die 49. Ausnahmeverordnung zur Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO). Sie wurde 1994 zur Pflege "kraftfahrzeugtechnischen Kulturgutes" geschaffen, wie es im Amtsdeutsch heißt. Seitdem kann das Rot-Schild an Halter eines oder einiger alter Fahrzeuge ausgegeben werden. Kann – es gibt weder einen Rechtsanspruch noch eine klare Altersgrenze, auch wenn vielerorts die 20-Jahre-Regelung gilt.

Der Gesetzgeber wollte diese Entscheidungen den Zulassungsämtern überlassen – und schuf so den Nährboden für allerlei Wildwuchs: Hier muß der Wagen zum TÜV, da hat der Eigner Fotos vorzulegen, dort genügt ein überzeugender Vortrag am Schalter. Die Folge: In manchen Bezirken hängen 07er-Kfz-Kennzeichen an maßlos modifizierten Mobilen, die von den Statuten der StVZO so weit entfernt sind wie ein Kettenlenkrad von der Prüfplakette.

Jetzt ist Schluß mit lustig. Auf der Grundlage der amtlichen Oldtimer-Definition (Alter: ab 30 Jahre), die seit dem Start der H-Nummer 1997 gilt, entschieden einige Verwaltungsgerichte jüngst gegen die rote Variante an jüngeren Vehikeln. Inzwischen liegt der entsprechende Gesetzesentwurf druckfrisch vor, ab 2007 könnte er zur Anwendung kommen.

Dabei geht es nicht um eine Reaktion auf Mißbrauch und Schadenbilanz mancher 07er-Nutzer, sondern um einheitliche Zuteilungskriterien für beiderlei Oldie-Kennzeichen. Derzeit einziger Lichtblick für die 07er-Gemeinde: der Vorstoß des DEUVET (Bundesverband Deutscher Motorveteranen-Clubs). "Wir streben eine Einheitslösung für die rote und die H-Nummer ab 25 Jahre an", sagt die Vizepräsidentin Ursula Busch.

Eine durchaus berechtigte Forderung angesichts des folgenden Zahlenspiels: Anfang 2004 waren 723.988 über 20 Jahre alte Pkw bundesweit registriert, 370.022 davon zählten mehr als 25 Lenze, wiederum 244.283 davon waren über 30. Heißt: 20 bis 25 Jahre alte Autos werden fast dreimal häufiger entsorgt als 25- bis 30jährige. Das zeigt tendentiell, ab welchem Alter die Youngtimer eher erhalten als entsorgt werden – und somit, wann sie die Oldtimer-Nummer wirklich verdienen.

Auf seiner Homepage sammelt der Verband Unterschriften gegen die geplante 30-Jahre-Neuregelung. AUTO BILD unterstützt diese Aktion. Trostpflaster für den Fall, daß es doch ganz dick kommt: Für die bisherigen 37.000 Halter der roten 07er und ihre 111.000 Fast-Klassiker (Schätzungen der Versicherer) soll es einen indirekten Bestandsschutz geben. Denn für die Aufforderungen zur Abmeldung der vielen Oldies, so hört man, fehlt es den Behörden schlicht an Personal.

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