Neues Reglement für Motoren

Verunsicherung unter den F1-Teams Verunsicherung unter den F1-Teams

Neues Reglement für Motoren

— 17.03.2005

F1-Teams verunsichert

Wann darf ein Aggregat gewechselt werden und wann nicht? Die FIA versucht, Schlupflöcher zu schließen und Trickser zu entlarven.

BAR-Honda riskiert Zurückstufung

Der Neue hat schnell begriffen, wie das Geschäft in der Formel 1 funktioniert. Nick Fry, seit Februar Teamchef bei BAR-Honda, befahl beim Saisonauftakt in Melbourne seinen Fahrern Jenson Button und Takuma Sato vor der Schlußrunde, die Autos in der Garage abzustellen. Fry und seine Rennstrategen legten das neue Motoren-Reglement – ein Triebwerk für zwei Rennen – so aus, daß es nicht für Autos gilt, welche die Ziellinie nicht passieren. Schlitzohr Fry wollte mit der Finte beim nächsten Grand Prix am Sonntag in Malaysia (8:00 Uhr MEZ, RTL und Premiere live) mit frischen Aggregaten vor die Startampel rollen.

Doch der Automobilweltverband FIA hat das Schlupfloch jetzt beseitigt und den Passus im Regelwerk präzisiert. Künftig werden die Rennkommissare unterscheiden, ob ein Fahrer ein Rennen "nicht beenden konnte" oder es "nicht beenden wollte". Nur im ersten Fall wird es künftig erlaubt sein, ohne zusätzliche Strafe für das zweite Rennen einen neuen Motor einzusetzen.

Ganz klar ist demnach immer noch nicht alles. Denn ob die "klärende Auslegung der Regel", wie sie die FIA anstrebte, sofort greift, ist offen. In den BAR-Boliden sind die neuen Honda-Triebwerke eingebaut, damit riskieren Button und Sato, am Sonntag um zehn Plätze in der Startaufstellung zurückversetzt zu werden. "Wir machen weiter wie geplant", sagte eine BAR-Sprecherin.

So viele Motorschäden wie noch nie?

Künftig werden die Rennkommissare nach einem Grand Prix von den Teams Erklärungen fordern. Nur wenn ein Fahrer havariert oder der Ausfall vom Fahrer nicht zu verantworten ist, wird der Motorwechsel erlaubt. Der Grat zwischen technischem Versagen und verdeckter Manipulation ist schmal. "Ein Fahrer, der aussichtslos zurückliegt, könnte seinen Wagen unauffällig strapazieren, daß er ausfällt und im nächsten Rennen einen neuen Motor zu Verfügung hat", warnt Ex-Champion Jackie Stewart.

Es ist nicht das erste Mal, daß im komplizierten Regelbuch nachgebessert werden muß – Folge einer immer mehr ausufernden Technokratie. "Wenn nicht mal Experten durchblicken: Wie soll das der normale Fan nachvollziehen?", wundert sich Stewart.

In Malaysia steht es nach Artikel 85 des Formel-1-Regelwerks Michael Schumacher und Nick Heidfeld frei, mit neuen Triebwerken ins Rennen zu gehen. Die beiden waren in Melbourne nach einer Kollision ausgeschieden. Unklar ist in der FIA-Regel allerdings, ob es bei dem Rhythmus vom Saisonbeginn bleibt oder in Malaysia ein neuer Zwei-Rennen-Zyklus beginnt. Der neue Turnus würde dann beim Großen Preis von Bahrain (3. April) enden, und Schumacher könnte den neuen F2005 (mit einem neuen Motor) bereits beim vierten WM-Lauf in Imola am 24. April ausfahren anstatt wie bisher geplant ein Rennen später in Barcelona am 8. Mai.

Unabhängig von Grauzonen im Reglement werden in Malaysia die ersten Motorschäden dieser Saison erwartet. "So viele wie wohl noch nie an einem Wochenende", glaubt Entwicklungschef Pat Symonds (Renault). Hohe Luftfeuchtigkeit und extreme Temperaturen von bis zu 43 Grad werden den Triebwerken zu schaffen machen. Motoren-Ingenieur Mattia Binotto (Ferrari) schwant: "Malaysia wird für alle schwer."

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