Neues vom Kfz-Gewerbe

Der Auto-Supermarkt Der Auto-Supermarkt

Neues vom Kfz-Gewerbe

— 25.04.2006

Der Auto-Supermarkt

Im Autohaus der Zukunft stehen Konkurrenz- modelle unter einem Dach. AUTO BILD hat sich beim Skoda-Mazda-Volvo-Citroën-Händler umgesehen.

Wie eine kleine Automesse

"Enduro matt" ist kein Motorrad, sondern die offizielle Volvo-Fliese. Hellbeige, 60 Zentimeter im Quadrat, leicht glänzend, kühle Anmutung. Eine Kachel wie gemacht für das Markenimage der Schweden. Aber unpassend für Skoda, Mazda und Citroën. Die Innenarchitekten dieser Firmen stehen auf andere Fußböden.

Und wenn man wie Thomas Koch alle vier Marken unter dem gemeinsamen Dach eines einzigen Autohauses vereinen will, können Farbe und Art des Fußbodens durchaus zum Problem werden. "Jeder Hersteller bestand am Anfang auf seinen eigenen Untergrund", sagt der 43jährige Firmenchef. Doch Koch hat es geschafft, die Fliesen-Fehde beizulegen: "Das Ganze ist jetzt eine kleine Automesse."

So viele Marken wie er hat kaum ein anderer deutscher Vertragshändler im Programm. Doch das könnte sich bald ändern. Denn den Opel- oder den Ford-Händler wird es in Zukunft nicht mehr geben. Schon jetzt hat sich ein Drittel aller Vertragshändler von der Einmarkenstrategie verabschiedet, Tendenz steigend. Rechnet man die Werkstätten hinzu, widmen sich schon 70 Prozent aller Unternehmen mehr als einer Marke.

Vier Marken, vier Charaktere

Begonnen hat dieser Trend vor vier Jahren. Seitdem erlaubt die neue Gruppenfreistellungsverordnung (GVO) den Händlern, ohne Zustimmung des Herstellers Werkstätten zu eröffnen, seit Oktober 2005 sogar weitere Verkaufsstellen. Von der neuen Freiheit profitiert auch der Kunde: "Die Auswahl ist größer, Preise und Produkte lassen sich besser vergleichen. Wir erwarten mehr Wettbewerb", sagt Udo Sieverding von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Im Berliner Vier-Marken-Haus ist der Kampf um den Kunden bereits in vollem Gange. Ein Rentner läßt Volvo-Verkäufer Gerald Brendel keine Ruhe. Unentschlossen streicht der altere Herr um einen Volvo S60 herum, wandert dann langsam in Richtung Citroën ab. Brendel springt auf und stoppt den Kunden mit einem "Schönen guten Tag!".

Nur ein paar Zimmerpflanzen und eine tragbare Milchglaswand weiter sitzt der frühere Schuhverkäufer Henry Oswald zwischen seinen Citroën. Anders als sein Volvo-Kollege sieht der 39jährige aus wie ein gemütlicher Bilderbuch-Franzose: etwas längere Haare, ein gemütlicher Schnauzbart, strahlende Augen, den oberen Hemdknopf leger geöffnet.

Der Berliner streicht mit der Hand über den Lack eines Berlingo. Auf den Kleintransporter fahren vor allem Handwerker ab. "Denen kann ich nicht so schnieke hallo sagen", sagt er. Neulich erst hat er einen Kunden ziehen lassen – zu Skoda. "Der wollte ein Taxi. Da ist Skoda besser", sagt Oswald gelassen. Was er auch sein kann, denn 60 Prozent der Verkaufsprovisionen bleiben bei dem Verkäufer, der den Kunden erstmalig angesprochen hat. "Das soll verhindern, daß zuviel Konkurrenz entsteht", sagt Firmenchef Koch.

Mehr Wettbewerb, weniger Konturen

Skoda-Mann Sven Griesbach ist weit davon entfernt, in nachbarschaftlichen Revieren zu wildern. Eine Magnettafel weist ihn als besten Verkäufer der Filiale aus. Gerade hat der dunkelhaarige Berliner einen Skoda Fabia an Annelies (73) und Jochen (74) Helms verkauft. Zufrieden sagen beide: "Das hier spart Zeit, wir werden unseren Kindern davon erzählen."

Die finden vielleicht bei Mario Trauzettel was. Der 33-jährige frühere Speerwerfer steht für Mazdas Image-Wandel: modern und jünger. "Wir haben unsere Leute zum Image der jeweiligen Marke passend ausgesucht", sagt sein Chef Thomas Koch. Trotzdem befürchtet Helmut Blümer vom Zentralverband des deutschen Kraftfahrzeuggewerbes: "Je mehr Marken unter einem Dach sind, desto stärker verschwimmen ihre Konturen."

Skeptisch ist auch Skoda: "Die Kunden sind am zufriedensten, wenn sich ein Händler hundertprozentig mit Herz und Hirn für Skoda engagiert", sagt Sprecher Christoph Ludewig. Gefragt sind Händler mit Herz. Typen wie unsere vier Männer aus dem Autohaus Koch.

Autor: Claudius Maintz

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