Neuheiten aus dem Fiat-Konzern

Neuheiten aus dem Fiat-Konzern

— 27.10.2008

Italienische Momente

Alfa MiTo, Fiat 500 Abarth, Lancia Delta, Maserati Gran Turismo S: Vier Schmuckstücke für die Seele und die Straße – ein ganzes Land meldet sich zurück mit neuen Ideen.

Es sind die italienischen Momente, wenn uns die Puccini-Arie "Nessun dorma" aus dem Stand zu Tränen rührt. Wenn der geliebte Alfa mal wieder Macken zeigt, die jeden Mechaniker in den Irrsinn treiben. Wenn einem in einer römischen Einbahnstraße Horden von Vespas entgegenkommen. Oder wenn man glaubt, im Duft einer Tasse Espresso oder eines Glases Chianti das Land, die Leute, das ganze Leben einzuatmen. Tutto bene? Das klingt vielleicht übertrieben, aber mit und von Übertreibungen hat das wunderbar chaotische Italien immer bestens gelebt. Deshalb liegen der Kollaps, der Fiat noch vor drei Jahren drohte, und die wundersame Auferstehung der Autobauer seit 2007 auch nur eine gefühlte Kaffeepause auseinander. Gerade erleben wir wieder italienische Momente – gleichzeitig erscheinen vom totgesagten Konzern Fiat 500 Abarth, Alfa MiTo, Lancia Delta und Maserati Gran Turismo S. Schieben wir also die Sonnenbrille hoch, schließen die Augen und inhalieren Italien.

Der MiTo verkörpert das Alfa-Markenkonzentrat: pur, klein, sexy

Den MiTo zum Beispiel muss man anfassen. An seinen Hüften, massiven Türgriffen und der Nase lässt sich begreifen, was Alfa ausmacht: Er ist pur, klein, sexy. Dieses Markenkonzentrat, das er vom Sportwagen 8C geerbt hat, wirkt beim MiTo trotz leichten Pummel-Ansatzes eigenständig und fesselnd. Die Italiener versprechen: So sollen die Modelle von morgen aussehen! Der Look taugt als Eintrittskarte in die Welt der rollenden Handtäschchen à la Mini, wo modische Extras manchmal mehr zählen als ein Knie-Airbag. Alfa strickt dazu das volle Marketing-Brimborium: endloser Zubehör-Katalog, Auftritte auf Mailands Laufstegen und – größter Schatz – das morbid-unzerstörbare Image des Namens Alfa Romeo. So startet eine Lifestyle-Karriere, die übrigens nicht Mini erfunden hat, sondern Smart. Sein größtes Kapital trägt der MiTo zweifellos im Blech – nicht darunter. Die Technik stammt vom Punto, der kleine Schönling kämpft ständig gegen das Vorurteil, er müffle nach Fiat. Wie unfair, das gilt doch für alle Alfa. Sicher, die Lenkung des MiTo arbeitet zappelig, und der 1,4-Liter-Turbo zeigt erst dann Alfatypischen Biss, wenn der DANN-Schalter an der Mittelkonsole auf "D" steht, der schärfsten Stufe. Was soll’s – der Armani-Mantel muss auch nicht der wärmste sein.

Fiat 500 Abarth: drollige Biestigkeit beim Kraftzwerg

Im Klub der kleinen Auto-Boutiquen hat sich der Fiat 500 längst etabliert. Passend zur Herbst-Saison 2008 rollt der "Abarth" ins Schaufenster: So heißt das aktuelle Sport-Jäckchen mit dem nostalgisch wiederbelebten Namen des früheren Werkstuners Carlo Abarth. Mit 135 PS und einem Frontspoiler wie ein vorgeschobener Unterkiefer bekommt der 500 eine drollige Biestigkeit – man schwankt zwischen Lachen und Ihn-ernst-Nehmen. Der dicke Schaltknüppel liegt gut in der Hand, die Ladedruckanzeige des Turbos heizt den Fahrerpuls an. Mit jedem Kilometer wächst der Respekt. Bremsen, Räder, Dämpfung – hier kommt kein husch, husch aufgemotzter Zwerg. Das Fahrwerk ist bissfest wie gutes Risotto und den 205 km/h Spitze gewachsen. Dass Leistung und Name zueinanderpassen, macht den "500 arrabbiata" so glaubwürdig wie seine historischen Vorbilder Fiat Abarth oder Autobianchi A112. Mit der jetzt wieder belebten Sportserie "Abarth" zeigt Fiat jenen Wagemut, den Renault beim Namen Alpine nicht besitzt. Na ja, die überholte Fünfgang-Schaltung und der dünne Auspuffsound Marke Kinderchor verraten, dass der 500 Abarth mit den Fingern an der Handbremse kalkuliert wurde. Kluges Marketing erkennt auch Preis- und Schmerzgrenze – hier liegt sie bei 18.100 Euro.

Glänzende Historie und klingende Vorbilder hat auch Lancia zu bieten. Delta – das klingt nach Rallye-Siegen und Turbo-Sprotzen! Doch der neue Delta möchte eine rollende Lounge sein. Außen extravagant, innen edel wie das Bedienfeld einer Alessi-Maschine. Silbrige Tasten scheinen auf der Mittelkonsole zu schweben, die Sitzbezüge wirken wie eine Kreation von der Mailänder Möbelmesse: schmale Streifen von Glattleder auf der Alcantara-Fläche – diesem edlen Stilmix möchte man gar keinen Hintern zumuten. Leider fehlt dem Rest ähnliche Klasse: Lenkung, Sitze, Federung, Qualität – no, no, no, großes Lamento. Dieses geräumige Wohlfühl-Auto ist gebaut für eine Zeit und ein Bewusstsein, die erst noch kommen. Oder nie. Der Delta ist der nächste Thesis, dessen Klasse stets übersehen wurde. Bis er inkognito starb.

Maserati: aufregende Schönheit ins Endrohr komponiert

Aber niemand übersieht einen Maserati Gran Turismo. Oder überhört die schärfere S-Version, sobald im Cockpit ein kleiner Schalter gedrückt ist, der im Auspuff eine Klappe öffnet: MADONNA, eine Motor-Arie, die schon im Leerlauf beglückt! Zum Anbeten. Und zum Angeben. Wieder gelingt es Italien, die Schönheit eines Maserati ins Endrohr zu komponieren. Wie kriegen die das durch den TÜV? Bloß keinen wecken. Erfreuen wir uns still am Comeback der Edelmarke, die Italiens Künste klug nutzt: verführerisches Design von Pininfarina, Technik von Ferrari, Geld und Strategie von Fiat-Chef Sergio Marchionne. Dass der Gran Turismo zu schwer ist und bei 250 auf der Autobahn tanzt – che importa! Wer Ruhe will, soll Bahn fahren und im Speisewagen "Expresso" probieren. Da liegen italienische Momente ganz weit weg.

Autor: Joachim Staat

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