Handel

Neuzulassungen Europa 11/2008

— 16.12.2008

Kriselnder Kontinent

Die Finanzkrise hat den europäischen Pkw-Markt fest im Griff. Im November 2008 rangierten die Verkäufe 26 Prozent unter Vorjahresniveau. Nur Polen und Tschechien fuhren im Plus.

Der Pkw-Absatz in Europa lag im November 2008 mit 932.500 Fahrzeugen rund ein Viertel (minus 26 Prozent) unterm Vorjahresniveau. Durch Finanzkrise und Konjunktureinbruch seien die Pkw-Märkte in Europa enorm unter Druck geraten, teilte der Verband der Automobilindustrie (VDA) mit. Die Verkäufe in Westeuropa gaben um 26 Prozent auf 854.700 Pkw nach. Insbesondere in Spanien (minus 50 Prozent), Großbritannien (minus 37 Prozent) sowie Italien (minus 30 Prozent) fiel der Rückgang besonders stark aus. Auch die Neuen EU-Länder konnten sich dieser Entwicklung nicht mehr entziehen; außer in Polen (plus elf Prozent) und in Tschechien (plus zwei Prozent) war der Absatz in den anderen Ländern teils deutlich rückläufig. In Rumänien kam es zu einem Nachfrageeinbruch von minus 53 Prozent. Insgesamt ging der Absatz in den Neuen EU-Ländern um 23 Prozent auf 77.800 Fahrzeuge zurück. In Frankreich wurden im November mit 145.900 Pkw 14 Prozent weniger Fahrzeuge zugelassen.

Konjunktur-Hilfe: Großbritannien senkt die Mehrwertsteuer

Im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise ist vor allem die Stimmung in der Industrie am Boden. Die Verkäufe der heimischen Pkw-Anbieter gaben um zehn Prozent nach. Deutlicher fiel der Rückgang bei den ausländischen Anbietern aus, die – ebenso wie die deutschen Hersteller – 19 Prozent weniger Pkw absetzten. Um die Binnennachfrage anzukurbeln, hat Frankreichs Präsident Sarkozy ein Konjunkturprogramm in Höhe von 26 Milliarden Euro angekündigt; darin enthalten ist eine Erhöhung der Verschrottungsprämie für Altautos von 300 auf 1000 Euro. In Großbritannien brach der Absatz im November mit 100.300 Pkw um 37 Prozent ein. Die private Nachfrage gab um 45 Prozent nach, der gewerbliche Absatz um 31 Prozent. Die britische Wirtschaft leidet unter der schwachen Konsumneigung der Verbraucher, deren Stimmung vor dem Hintergrund weiter fallender Immobilienpreise einen neuen Tiefpunkt erreicht hat. Auch London hat zum Ankurbeln der Wirtschaft ein Konjunkturpaket geschnürt, das eine Senkung der Mehrwertsteuer von 17,5 auf 15 Prozent bis Ende 2009 vorsieht.

In Spanien und Italien regiert die Rezession

Auf dem seit Monaten sehr schwachen spanischen Markt wurden im November mit 63.100 Pkw im Vergleich zum Vorjahresmonat nur halb so viele Pkw neu zugelassen. Die private Pkw-Nachfrage gab um 50 Prozent nach, der Absatz von Firmenwagen um 40 Prozent; das Mietwagengeschäft brach um 65 Prozent ein. Die Immobilienkrise hat die spanische Wirtschaft weiterhin fest im Griff: Banken vergeben Kredite entweder gar nicht oder nur zu teuren Konditionen. Die Arbeitslosigkeit stieg in Spanien zuletzt so stark wie in keinem anderen EU-Land. Im Kampf gegen den Wirtschaftsabschwung hat die spanische Regierung Konjunkturhilfen in Höhe von insgesamt elf Milliarden Euro angekündigt – davon sollen 800 Millionen Euro an die Automobilindustrie gehen. In Italien lagen die Pkw-Verkäufe im November mit 138.400 Fahrzeugen 30 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Die Wirtschaft steckt in der Rezession, trotz des zuletzt wieder nachlassenden Preisdrucks halten sich die italienischen Verbraucher mit Neuanschaffungen zurück. Die Regierung in Rom hat angekündigt, die Wirtschaft mit einem Hilfspaket im Umfang von 80 Milliarden Euro zu unterstützen. Das geplante Programm läuft über mehrere Jahre und wird zur Hälfte aus EU-Mitteln gespeist.

Rückgänge in neuen EU-Ländern

Der Pkw-Absatz in Westeuropa fiel im bisherigen Jahresverlauf (Januar bis November 2008) um acht Prozent rückläufig aus. Für die Neuen EU-Länder ergibt sich bislang noch ein stabiles Neuzulassungsergebnis. In Ungarn ( Prozent), Rumänien (minus acht Prozent) und den Baltischen Staaten (minus 21 Prozent) sind die Verkäufe im Zuge der abkühlenden Konjunktur deutlich rückläufig. Aufgrund der internationalen Finanzkrise ist das Auslandskapital, mit dem in der Vergangenheit das Wirtschaftswachstum in der Region zum großen Teil finanziert wurde, knapp geworden. Hinzu kommen Sondereinflussfaktoren wie der stark gestiegene Import von Gebrauchtwagen in Rumänien. Daraufhin hat die Regierung in Bukarest vor kurzem die Zulassungssteuer für Gebrauchte verdreifacht. Bereits im vergangenen Monat wurde die Zulassungssteuer für Neuwagen für ein Jahr ausgesetzt.

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