New York

New York

— 09.04.2009

Nix Glanz

Wege aus der Krise? Nicht in New York. Viel altes Eisen, viele bekannte Konzepte, viel Unsicherheit. Für einen Neubeginn fehlt vielleicht der Mut. Oder Geld. Im schlimmsten Fall aber beides.

Was vom Glamour übrig blieb: Die Automesse in der unamerikanischsten aller amerikanischen Großstädte war schon immer etwas anders. Kleiner als Detroit. Feiner als Los Angeles. Mondäner als Chicago. Immer mit Preisschildern an den Autos. Und immer für eine Überraschung gut. Die Preisschilder sind geblieben. Die überschaubare Größe auch. Die Überraschungen nicht. Wenn man mal davon absieht, dass es die einst großen Drei (GM, Ford und Chrysler) immerhin geschafft haben, eigene, teilweise sogar recht große Messestände nach New York zu bringen. Klingt dramatisch. Und ist es auch. Dass da kaum Platz für Feines bleibt, versteht sich fast von selbst. Was da bei GM, Ford oder Chrysler im grellen Scheinwerferlicht nicht so recht funkeln mag, steht schon seit Jahren beim Händler – oder fast ebenso lange als Auto der Zukunft auf irgendwelchen Automessen. Chevrolet Volt, Dodge EV oder Chrysler 200C EV. Autos von morgen. Von gestern. Ganz schlimm sieht es im Zwischenbereich der Ebene drei des Javits Convention Center aus. Dort stehen Saab, Hummer und Pontiac im Schimmerlicht. Jede Trauerfeier ist hübscher arrangiert.

Ford bringt den Transit Connect von Europa nach Amerika

Die sparsamste Mittelklasse-Limousine Amerikas gibt es doppelt: als Ford Fusion Hybrid und als Mercury Milan Hybrid.

GMC, eine auf protzige SUV und Pick-ups spezialisierte GM-Tochter, zeigt den neuen Terrain. Ein Allrad-Fossil. Ford feiert den radikal überarbeitete Edge. Auch ein Fossil. Etwas flacher als ein BMW X5 – aber genauso lang. Jetzt mit neuem Design und Ecoboost-Biturbo-V6. 360 PS?. Wo bitte steckt das Eco? Nun ja, erzählt ein Ford-Mann auf dem Stand nicht ohne Stolz: "Ein ähnlich starker V8 hätte deutlich mehr verbraucht!" Downsizing auf amerikanisch. Wege aus der Krise sehen irgendwie anders aus. Wie der Ford Transit Connect Family One Concept, zum Beispiel. Ein sperriger Name für einen zum Familientransporter umgerüsteten Kastenwagen – den die Amerikaner sich in Europa besorgt haben. Start: im Sommer 2009. Mit den Vierzylinder-Motoren, die auch bei uns zur Verfügung stehen. Und ohne den Multimedia-Schnickschnack, den Ford in die Messe-Studie gepackt hat. Kleiner Aufreger am Rande: Chrysler-Chef Jim Press schnurrte mit einem blauen Fiat 500 auf die Bühne - nur um in Anschluss den Journalisten zum Stand der sich anbahnenden Ehe zwischen Chrysler und Fiat in die Blöcke zu diktieren: "Wir verkünden hier gar nichts!"

Auch ohne Party: Die Europäer treten selbstbewusst auf

P.U.M.A-Projekt heißt dieser elektrische Asphalt-Pickel, den Zweirad-Roller-Hersteller Segway und GM mit nach New York gebracht haben.

Sparen müssen auch die großen Autobauer aus dem alten Europa. Große Partys und pompöse Präsentationen sucht man 2009 rund um den Big Apple vergeblich. Das Wehklagen darüber hält sich in Grenzen. Viel wichtiger ist, dass die Europäer frische Auto-Ware mit über den großen Teich gebracht haben. Die sechste Generation des VW Golf, zum Beispiel, die künftig auch in Amerika wieder Golf – und nicht Rabbit heißen wird. Trotz 170 PS starkem Basis-Fünfzylinder in den Augen der Amerikaner ein kleines und sparsames Auto. Und damit durchaus ein potentieller Krisengewinnler. So wie der Mercedes ML 450 Hybrid, der künftig in Amerika gegen eine ganze Flotte bereits verfügbarer Hybrid-SUV antreten muss. 340 PS bringen die beiden Elektromotoren und der V6-Benziner gemeinsam auf die Waage und liegen damit im Leistungsbereich eines klassischen Achtzylinder-Motors – bei gut 60 Prozent weniger Verbrauch, wie Mercedes betont. Auch in New York aber nicht im offiziellen Messeprogramm: der Mercedes SLS und das Facelift der S-Klasse.

Mercedes macht auf sauber

Noch besser steht der E 250 BlueTEC da. Sein Vierzylinder-Diesel wird von einem SCR-Kat entgiftet und knackt so strengste Umwelt-Hürden. Das Problem: Er ist noch eine Studie. Thema E-Klasse: Die soll von New York aus ihren Siegeszug in den USA antreten. Ohne Hybrid und Super-Spar-Diesel – dafür aber mit Coupé-Unterstützung und der Power des E 63 AMG. Der ist zwar weder günstig, noch sparsam und schon gar nicht vernünftig – dafür aber schlicht ein ganz heißes Gerät. Und die haben immer Konjunktur. Auch neu: der überarbeitete GL. Mit dem konnten sich selbst die Amerikaner nicht so richtig anfreunden. Ob die neue Nase und die hochwertigere Ausstattung noch was retten können? Wir werden sehen. Deutlich besser steht Land Rover mit dem Range Rover da. Der Lord unter den Edel-SUV hat ein neues Mäntelchen bekommen und zeigt sich in New York damit erstmals in der Öffentlichkeit. In seinem Windschatten: der Range Rover Sport mit jetzt 510 PS.

Krise? Welche Krise? Die große PS-Show bei BMW

555 PS. Mehr M-Power gab es noch nie. BMW setzt trotz Wirtschaftskrise auf Leistung satt.

Dem Thema Faszination hat sich auch BMW verschrieben. Zwangsläufig. Denn mit den Zwölfzylinder-Dickschiffen 760i und 760Li (je 544 PS) und den Allrad-Monstern X5 M und X6 M (je 555 PS) ist in Sachen Umweltschutz kein Blumentopf zu gewinnen. Efficient Dynamics hin oder her. Wie es geht, zeigt Toyota. Die Japaner haben nicht nur die dritte Prius-Generation am Start, sondern mit dem Lexus RX 450h auch gleich noch die nächste Generation des Hybrid-SUV im Gepäck. Und mit dem HS 250h haben die Premium-Beauftragten von Toyota auch eine Nummer kleiner ein attraktives Hybrid-Paket geschnürt. Die teueren Hybrid-Modelle haben im Zuge der Wirtschaftsflaute zwar auch Federn gelassen – können sich aber immerhin den Sticker "zukunftsfähig" auf die Windschutzscheibe kleben.

Das Geld ist knapp. Da interessiert sich sogar ein der Sheriff für einen Smart. "Cute", so sein knappes Urteil.

Der wäre auch für den Hyundai Nuvis kein Problem. Der futuristisch in Form gepresste Kompakt-Crossover wird von einem Sechszylinder-Benziner und einem Elektromotor angeschoben. Eine Kombination, die bei den Koreanern "Hybrid Blue Drive" heißt und mit der neuen Sonata-Generation (ab 2010) in Serie starten soll. Soweit ist man bei Subaru noch lange nicht. Die Japaner haben aber immerhin den neuen Legacy mit nach New York gebracht. Der geht in den USA als Kompakter durch – und sollte deshalb auch ohne Spirtspar-Zauberei beim Publikum punkten können. Das gilt auch für den neuen Kia Sorento, der auf der NYIAS erstmals außerhalb Asiens zu sehen ist. Nicht klein, nicht sonderlich effizient und auch nicht wirklich günstig. Aber eben auch kein sinnfreier Spritvernichter. Nissan verzichtet übrigens auf einen teuren Messestand – und zeigt den neuen 370Z Roadster lieber in einem Zelt im Rockefeller-Center. Das ist nicht schick. Aber nah an der Zielgruppe.
Ralf Bielefeldt

Ralf Bielefeldt

Fazit

Was vom Glamour übrig blieb: Die Automesse in der unamerikanischsten aller amerikanischen Großstädte war schon immer etwas anders. Kleiner als Detroit. Feiner als Los Angeles. Mondäner als Chicago. Immer mit Preisschildern an den Autos. Und immer für eine Überraschung gut. Die Preisschilder sind geblieben. Die überschaubare Größe auch. Die Überraschungen nicht. Wenn man mal davon absieht, dass es die einst großen Drei (GM, Ford und Chrysler) immerhin geschafft haben, eigene, teilweise sogar recht große Messestände nach New York zu bringen.

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