Nick Heidfeld bester Deutscher in der Formel 1

Nick Heidfeld bester Deutscher in der F1 Nick Heidfeld bester Deutscher in der F1

Nick Heidfeld bester Deutscher in der F1

— 11.04.2007

Auf dem Weg nach vorn

Nach acht Lehrjahren behauptet sich BMW-Pilot Nick Heidfeld als Schumi-Nachfolger in der Königsklasse des Motorsports.

Als Kronzeuge darf Felipe Massa dienen. Der Ferrari-Pilot wird das nicht als besondere Ehre empfinden, doch keiner konnte am Wochenende in Sepang besser die Qualitäten Nick Heidfelds beurteilen. Der Brasilianer Massa, von der Poleposition losgefahren, fiel schon beim Start hinter den späteren Sieger Fernando Alonso zurück und später, nach einem Überholversuch in Runde sechs, der im Kiesbett endete, auch noch hinter den Deutschen Heidfeld (29) auf Position fünf. Aus exklusiver Perspektive musste Massa anschließend ein ganzes Rennen der Branche eine neue Erkenntnis erarbeiten: Wie Heidfeld im weniger leistungsstarken BMW den Ferrari in Schach hielt, zeigte, dass er in seiner achten Saison in der Formel 1 endlich auf dem besten Wege ist, sein ihm seit Jahren nachgesagtes Talent zu beweisen. Trügen die ersten beiden Saisonläufe nicht, so bahnt sich im Jahr nach Michael Schumacher eine neue eindeutige Hierarchie unter den deutschen Piloten in der Königsklasse an: Erst irgendwo hinter Heidfeld finden sich Ralf Schumacher im Toyota, Nico Rosberg im Williams und Debütant Adrian Sutil im Spyker wieder. "Nick kann im BMW Weltmeister werden", schwärmt Mario Theissen, sein Motorsportchef.

Kann Heidfeld seine vierten Plätze bestätigen?

In Malaysia hatte Felipe Massa in seinem Ferrari keine Chance gegen den von Heidfeld gesteuerten BMW.

Grundsätzlich soll das heißen: In dieser Saison werden sich der Chef und sein Angestellter noch gedulden müssen. Zu überlegen zeigen sich bisher die Autos von McLaren-Mercedes und Ferrari. Gespannt beobachtet die Branche aber schon, ob Heidfeld auch am Wochenende in Bahrain die beiden vierten Plätze bisher bestätigen kann. Heidfeld selbst strahlte in Malaysia: "BMW hat seine Position als dritte Kraft behauptet." Dabei neigten beinahe zwischenzeitlich sogar Fachleute dazu, Heidfeld abzuschreiben. Ähnlich wie der nun als Debütant im Mercedes verblüffende Brite Lewis Hamilton war der Formel-3000-Europameister Heidfeld vor sieben Jahren im Prost-Team als "Quick Nick" in der Formel 1 empfangen worden. Doch in den folgenden Jahren verpufften seine Fähigkeiten in den allenfalls durchschnittlich ausgestatteten Teams von Sauber, Jordan oder Williams. Dass McLaren 2002 sogar den mit Heidfeld einst bei Sauber fahrenden Finnen Kimi Räikkönen statt des von Mercedes protegierten Deutschen verpflichtete, versetzte sogar Heidfeld einen gelegentlich noch bis heute empfindlich nachwirkenden Dämpfer.

Toyota stagniert, BMW marschiert

Nick Heidfeld kann zuversichtlich auf das nächste GP-Wochenende in Bahrain am 13. und 14. April schauen.

Umso mehr respektiert die Fachwelt nun Heidfelds Qualitäten: das Selbstbewusstsein, die Kunst, sich zu motivieren, die Fähigkeit, Rückschläge wegzustecken und neben dem fahrerischen Talent natürlich die jetzt bei BMW zum Tragen kommende technische Ausbildung von Mercedes, wenn Heidfeld mit seinen Technikern die Abstimmung des Autos stetig zu verbessern versteht. Der regelmäßige Aufwärtstrend in der Konstrukteurswertung beruht auch auf den Kommunikationsfähigkeiten und der Expertise des Fahrers: Während die finanziell üppig ausgestatteten Fachleute Toyotas mit dem jüngeren Schumacher etwa seit Jahren stagnieren, landete BMW im letzten Kooperationsjahr mit Sauber auf Rang acht, im vorigen Jahr auf Position fünf und in dieser Saison könnte es für Platz drei reichen, obwohl nach der Restrukturierung noch immer 20 bis 30 Mitarbeiter an Personal fehlen und neben Heidfeld der unerfahrene Pole Robert Kubica das zweite Cockpit besetzt.

Das Interesse an Heidfeld wächst

Heidfeld vor Kubica – die BMW-Hierachie. Der polnische F-1-Pilot ist zwar schnell, aber nicht konstant genug.

Wie sehr die Szene Heidfelds Leistungen honoriert, darf der Mönchengladbacher an den erwachsenden Begehrlichkeiten festmachen. Kaum dass er BMW dazu verholfen hat, näher an die Topteams des Metiers heranzurücken, sollen erste Vertragsangebote der Konkurrenz bei ihm eingetrudelt sein. Bei Toyota gilt Heidfeld, der bisher bei BMW etwa 7,5 Millionen Dollar jährlich kassieren soll, angeblich als Alternative zu Ralf Schumacher, der doppelt so teuer aber weniger erfolgreich ist. Schumachers Dreijahresvertrag läuft nach dieser Saison aus. Auch Honda gilt als Interessent an Heidfeld, dessen Vertrag bei BMW bis zum Ende der Saison terminiert ist, allerdings mit einer Option für ein weiteres Jahr. Derzeit gibt sich Motorsportchef Mario Theissen gelassen: "Wir würden uns Ende der Saison zur Fahrerfrage äußern."

Autor: Burkhard Nuppeney

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