Nico Rosberg im Interview

Nico Rosberg im Interview Nico Rosberg im Interview

Nico Rosberg im Interview

— 15.01.2004

"Du musst versuchen, Spaß zu haben"

Seine Kindheit, sein zweiter Formel-1-Test für BMW-Williams, seine wachsende Popularität – Nico Rosberg (18) spricht Klartext.

"In Finnland schauen mir die Männer nach"

AUTO BILD motorsport: Im Dezember haben Sie zum zweiten Mal für BMW-Williams getestet. Wie ist es, ein Formel-1-Auto zu fahren? Nico Rosberg: Beim ersten Mal habe ich gedacht, wie lange brauchst du, um dieses Pedal auf der Geraden durchzudrücken. Da muss so ein höllisches Ding abgehen. Aber im Endeffekt gibt man sofort Vollgas. Alle Rennwagen sind ähnlich vom Fahrverhalten. Man muss sich nur an die Power gewöhnen. Das ist aber kein großes Problem. Was mehr Zeit braucht, ist die Geschwindigkeit zu realisieren. Es kommt alles so schnell auf einen zu. Das fordert Konzentration. Dann muss man noch ein Gefühl für die Bremse entwickeln. Wenn man da reintritt, ist das so, als ob man gegen eine Wand läuft. Es ist schwierig zu fühlen, wann die Räder blockieren.

Waren Sie nervös? Ja, weil ich wusste, dass es um etwas ging. Es ist eine riesen Chance. Zusätzlich hatte ich einen Konkurrenten (Nelson Piquet Jr.; d. Red.), den ich schlagen musste.

Wie sind Sie miteinander umgegangen? Am ersten Tag, als er gefahren ist, war alles o.k. Da haben wir überhaupt das erste Mal miteinander gesprochen. Am nächsten Tag bin ich schneller gefahren als er. Danach haben wir fast kein Wort mehr gewechselt.

Wie haben Sie sich auf diesen wichtigen Tag vorbereitet? Mein Vater hat mir einen einzigen Tipp gegeben: Du musst versuchen, Spaß zu haben und es kommt raus, was rauskommt. So habe ich es versucht zu machen.

Wenn Ihr Talent nur mittelmäßig wäre, würden Sie trotzdem weiter Rennen fahren? Erfolg ist schon ein großer Teil meiner Freude am Motorsport. Ich weiß nicht, wie lange ich weitermachen würde ohne Erfolg.

Hat sich Ihre Popularität in den letzten zwei Jahren verändert? Oh ja. Vor allem in Finnland ist es lustig geworden. Da bin ich sehr bekannt. Ich steige dort ins Taxi und der Fahrer sagt, "Hi Nico, ich habe meinen Sohn nach dir benannt, weil ich ein großer Fan deines Vaters war." Das ist schon ein schönes Gefühl, aber auch erschreckend. Wenn ich dort im Kaufhaus herumlaufe, schauen mir sogar die Männer nach. Und das, obwohl ich kein Finnisch spreche und ich mich als Deutscher fühle (Mutter Sina ist Deutsche, d. Red.).

Was war Ihre lustigste Begegnung mit Ihren Fans? Vor kurzem in Finnland, da waren drei Mädels, die habe ich in einer halben Stunde vier-, fünfmal im Kaufhaus gesehen. Dann kamen sie zu mir und sagten: "Hallo, wir sind Austauschschülerinnen aus Deutschland. Wir kennen dich aus dem Fernsehen, von VIVA." Das war der Hammer.

Glauben an die große Formel-1-Karriere

Wie hilft Ihnen Ihr Vater? Beim Rennen fahren hat er mir eher wenig geholfen. Das geht auch nicht wirklich. Von außen kann dem, der im Auto sitzt, keiner beibringen, wie man schnell fährt.

Wie sind Sie aufgewachsen – wie der Sohn des Ex-Formel-1-Weltmeisters Keke Rosberg oder wie ein normales Kind? Ich hatte das Glück, dass ich in einer gut situierten Familie aufgewachsen bin. Und: Wir haben in Monaco gewohnt. Das macht vieles anders. Aber sonst bin ich wie ein normales Kind aufgewachsen. Ich bin zur Schule gegangen, danach musste ich Hausaufgaben machen. Dann bin ich an den Strand gegangen, zum Fußball spielen.

Sie sind auf eine internationale Schule gegangen, nicht wahr? Ja, das ist der Vorteil, wenn man in Monaco lebt. Deutsch ist meine Muttersprache. Englisch und Französisch habe ich in der Schule gelernt. Meine ganzen Freunde waren Italiener, dadurch habe ich auch diese Sprache gelernt.

Warum sprechen Sie kein Finnisch? Mein Vater war ja nie da (lacht), deswegen konnte er nicht drauf achten. Ich verstehe auch kein Wort.

Waren Sie schon als Kind gut im Sport? Ja, vor allem in Ballsportarten, im Fußball und Tennis. Das hat mir viel Spaß gemacht. Wenn ich als Zehn-, Elfjähriger gegen meinen Vater beim Tennis verloren habe, bin ich in Tränen ausgebrochen. Das war grausam. Danach haben wir zwei Tage nicht miteinander geredet. Dann haben wir wieder gespielt – mit dem selben Ergebnis. Auch heute bin ich noch total ehrgeizig. Mich darf keiner schlagen. (lacht) Manchmal regen sich Freunde auf, weil ich da echt ein bisschen extrem bin.

Seit acht Jahren fahren Sie Rennen und verpassten viele Schulstunden, waren aber dennoch ein guter Schüler ... Weil ich in allem, was mir wichtig ist, das Beste geben will. Meine Eltern mussten nie viel sagen. Das kam immer von mir selber. Ich weiß nicht, ob es am Wettbewerbsgedanken liegt. Auf jeden Fall war ich sehr gut in der Schule.

Haben Sie je daran gezweifelt, den an den Namen Rosberg geknüpften Erwartungen gerecht zu werden? Es ist keine leichte Aufgabe, dem Namen gerecht zu werden. Aber ich glaube, dass ich es schaffen kann, soweit zu kommen wie mein Vater damals.

Haben Sie eine aggressive Seite? Ja. Die sieht man besonders, wenn ich Fußball spiele. Da gehen alle rechts und links fliegen. (lacht) Ich bin eher der Verteidiger, obwohl ich gerne Stürmer spielen würde. Aber Tore schießen kann ich nicht so gut.

"Man sollte Gegner nicht loben"

Was braucht ein Rennfahrer? Intelligenz. Das ist heutzutage sehr wichtig. Nicht nur beim Fahren, sondern auch bei der Abstimmung und Entwicklung des Autos. Mein Eindruck war, dass es dort fast unbegrenzte Möglichkeiten gibt.

Was halten Sie von Kimi Räikkönen? Er ist ein sehr guter Fahrer. Was ich an Kimi gut finde: Wenn man ihn nach seinem Gegner fragt, nennt er keinen Namen. Das ist ihm so völlig egal, welcher Gegner das ist. Das versuche ich jetzt auch ein bisschen so zu machen. Das fand ich echt gut. Man sollte Gegner nicht loben. Da ich aber von der Formel 1 noch weit weg bin, kann ich sagen, dass er wirklich gut ist.

Hatten Sie schon schwere Unfälle? In Macau beim Formel-3-Grand-Prix hatte ich zum ersten Mal zwei große Unfälle. Einmal bin ich mit 110 volles Rohr in die Barrieren geflogen. Das zweite Mal stand Pierre Kaffer quer vor mir. Ich konnte nicht ausweichen, bin über ihn geflogen und auf dem Dach gelandet. Ich hing da drin wie ein Affe, kopfüber, hörte das komplette Feld an mir vorbeirasen. Da habe ich schon ein bisschen Muffe gekriegt. Ich dachte nur, wenn da jetzt einer in mich reinfliegt ...

Wie ist Ihr Verständnis für Technik? 2002 im Formel BMW habe ich mich reingesetzt, Gas gegeben, bin ausgestiegen und habe die Zeit genossen. Seit dem ersten Formel-1-Test (Dezember 2002; d. Red.) habe ich mich verändert. Ich bin erwachsener geworden, habe gesehen, dass man noch mehr dafür tun kann. Jetzt weiß ich, wie sehr ich das möchte.

Was haben Sie privat für Interessen? Ich habe jetzt eine Freundin in Hamburg. Dann bin ich ein Sportfreak. Ich musste einfach Sportler werden. Hätte es mit dem Rennfahren nicht geklappt, wäre ich wohl Fußballer geworden.

Interessiert sich Ihre Freundin für die Rennfahrerei? Sie hat keine Ahnung davon und wusste gar nicht, dass ich das mache. Wir haben uns auf Ibiza kennen gelernt. Ich finde das auch besser so. Früher haben mich meine Mitschüler nach jedem Rennwochenende gefragt, wie es denn war. Selbst wenn sie keine Ahnung vom Motorsport hatten. Sie haben mich mit dem Rennfahren identifiziert. Das hat mich geärgert.

Sie sind sehr begeisterungsfähig. Müssen Sie sich manchmal beim Jubeln bremsen oder ist der Rest der Welt Ihnen dann egal? Völlig egal sogar! Man müsste mich mal im Auto hören, wenn ich gewonnen habe. Das ist der Hammer. Ich kann mich nicht zurückhalten. Ich bin nur am Schreien. Ich kann mich so über Siege freuen. Erfolg im Motorsport zu haben ist eines der schönsten Dinge für mich. Aber dann gibt es Momente, die sind grausam. Du bist langsam und weißt nicht warum. Es können Fehler sein, die man erst nach Wochen findet. Es ist dann wichtig, dass man nicht an sich zweifelt. Das ist nicht immer einfach. Darauf könnte ich verzichten.

Nico Rosberg im Kurzporträt

Nico Rosberg im Kurzporträt • Geboren: 27. Juni 1985 • Geburtsort: Wiesbaden (D) • Wohnort: Monte Carlo (MC) • Nationalität: Deutsch • Familienstand: ledig • Erlernter Beruf: Rennfahrer • Hobbys: Fußball, Tennis, Snowboard, Jetski

Start im Kart-Zweisitzer Angefangenen mit Kart fahren hat Nico Rosberg schon, bevor er zur Schule ging. In einem Zweisitzer zusammen mit Papa Keke (F1-Weltmeister 1982). Mit zehn bekam Nico sein erstes Kart und fuhr Rennen. "Mein Vater war mein Mechaniker, aber das war eine Katastrophe. Wir hatten das Kart ein Jahr und er hat nie die Kette geölt", erinnert sich der 18-Jährige heute. Sein viertes Kart-Rennen, der erste Sieg. "Da habe ich richtig Blut geleckt", sagt Rosberg Junior.

1997 gewann er die französische Meisterschaft. 1998 dann der Wechsel nach Italien (Gesamtdritter). In den folgenden beiden Jahren fuhr er in der Kart-EM (P 4 und Vizemeister), 2001 in der WM (P16). 2002 dann das erste Jahr im Formel BMW ADAC: Meister (neun Siege). Belohnung: erster F1-Test für BMW-Williams (Dezember 2002). Im Premierenjahr der F3 Euro Serie gelang dem Deutschen (Mutter Sina ist aus Wiesbaden; d. Red.) ein Sieg. In der Gesamtwertung wurde er Achter.

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