Niki Lauda in AUTO BILD MOTORSPORT

Niki Lauda in AUTO BILD MOTORSPORT

— 21.06.2005

Das war Meuterei auf Befehl

Der Ex-Weltmeister hat im Motorsport alles erlebt auer einem GP-Start mit nur sechs Autos. Der geht auf die Kappe der zerstrittenen Drahtzieher.

Juristische Pistole auf der Brust?

Das ist die grte Farce der Formel 1, seit ich denken kann. Gut, da gab es mal einen abgesagten Lauf in Belgien, als ich selbst noch aktiv war. Da war der Asphalt aufgebrochen und wir fuhren Monate spter, als sie die Strecke wieder hergerichtet hatten. Aber das war im Mittelalter der Formel 1. Es gab gerade mal Faxgerte ...

Nun erleben wir, in der Neuzeit der technisch fortschrittlichsten Sportart der Menschheitsgeschichte, da ein Reifenwerk es nicht schafft, haltbare Gummis fr einen GP herbeizuschaffen. Also ein simples, technisches Problem zu lsen. Das macht mich fertig. Gut, 2005 mssen die Reifen 350 statt 80 Kilometer durchhalten, aber Michelin hatte Bridgestone bisher mit seinen immer besser werdenden Konstruktionen und immer weicheren Mischungen vorgemacht, wie das geht. Sie haben die Daten von sieben Teams gesammelt, verwertet und hochgerechnet; Bridgestone nur von Ferrari, seine anderen Partner testen ja nicht. Und die Japaner lagen in allen Belangen klar im Hintertreffen. Jetzt halten die Michelins pltzlich nur noch zehn Runden durch. Und Michelin macht die ganze Formel 1 zur Lachnummer. Nur, weil eine schnelle Kurve neu asphaltiert worden ist und der Verschlei nicht korrekt vorherberechnet wurde. Tut mir leid, Herrschaften, das kapier' ich nicht!

Der Schaden ist nicht in Worte zu fassen. Das ist schlimm genug. Und was noch schlimmer ist: Ich wette, Michelin hat seine Teams dazu gezwungen, auf den Start zu verzichten. Aus Angst vor einer Blamage, vor einem Unfall, einer Katastrophe. Ich denke, ohne da sie juristisch die Pistole auf die Brust gesetzt bekommen haben, htten sieben Formel-1-Teamchefs niemals soviel Geschlossenheit an den Tag gelegt, da sie ihre Autos alle gleichzeitig aus dem Rennen nehmen.

Notorische Zwietracht verhindert Kompromi

Aber ich mchte nicht wissen, was jetzt noch alles an Regreforderungen auf die Formel 1 zukommt. Sponsoren, die sich geleimt fhlen, Zuschauer, Unternehmer im Umfeld, vielleicht Fernsehanstalten, die Ausflle hatten und knftig womglich noch haben werden. Es ist ein globaler Rckschlag fr die Formel 1.

Streckenbesitzer und -betreiber Tony George hat allen Geprellten freundlicherweise die Adressen gegeben, wo sie sich beschweren knnen: die der FIA (Weltverband), der FOM (Formula One Management) und von Michelin. Man knnte sich auch bei den Teams beschweren, da sie es nicht geschafft haben, sich mit ihrer notorischen Zwietracht auf einen Kompromi zu einigen, der das Rennen gerettet htte. Gut, ich kenne alle Vorbehalte gegen die Schikane, die vorgeschlagen wurde oder die Ersatzreifen von Michelin, die durchgehalten htten. Aber zehn vernnftige Menschen, die Leiter moderner Unternehmen, htten es mit Bernie Ecclestone schaffen mssen, in Indy zu fahren und uns diese Schande zu ersparen egal wie, irgendwie.

Das Problem ist halt, da Ferrari, neuerdings auch Red Bull und die FIA den anderen Teams gegenberstehen. Und das geht nur, weil F1-Beschlsse nicht mit einfachen Mehrheiten durchgesetzt werden knnen, sondern nur einstimmig. Da gibt es immer einen, der Neues blockiert. Deshalb mu dieses depperte Prozedere gendert werden. Und zwar schnell. Vielleicht hat das ja jetzt auch der letzte Verantwortliche kapiert. Setzt euch an einen Tisch! Sonst macht ihr die Formel 1 kaputt.

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