Glock und Manor GP

Niki Lauda über die Formel 1

— 17.11.2009

Mercedes clever, Glock mutig

Mercedes kauft BrawnGP, Glock unterschreibt bei Manor GP. Drei Wochen nach Saisonende purzeln die Entscheidungen in der Formel 1. Ex-Weltmeister Niki Lauda analysiert für ABMS.de, wer alles richtig und wer viel falsch gemacht hat.

Ex-Toyota-Pilot Timo Glock (27) wechselt in der kommenden Saison zu Manor GP. Das ehemalige Formel-3-Team mit Sitz im britischen Sheffield ist eines von vier Neulingen in der Formel-1-Saison 2010. Das Auto gibt es bislang nur im Computer und soll bis zur Präsentation im Januar 2010 keine Minute im Windkanal verbracht haben. Für den dreimaligen Formel-1-Weltmeister Niki Lauda steht hinter Glocks Entscheidung deshalb ein großes Fragezeichen: "Niemand kann wirklich beurteilen, was die neuen Teams nächstes Jahr leisten können", sagt der RTL-Experte zu autobildmotorsport.de. "Ich habe deshalb keine Ahnung, warum Glock nicht seine Möglichkeiten bei Renault oder dem Sauber-Nachfolgeteam Quadbak genutzt hat!" Nach Informationen von AUTO BILD MOTORSPORT stand Glock ganz oben auf der Wunschliste von Renault. Auch Sauber war interessiert. Lauda: "Vielleicht hat Glock ja einfach keine andere Möglichkeit gehabt. Renault will sich zu seiner Formel-1-Zukunft derzeit nicht äußern, Sauber hofft anscheinend auf Heidfeld. Vielleicht war ihm das alles zu unsicher und er hat Angst bekommen, am Ende ganz ohne Cockpit dazustehen." Die Schlussfolgerung des Österreichers: "Ich kann mir nur vorstellen, dass Manor GP seine letzte Chance war. Sonst war die Unterschrift ein Fehler." Glock selbst räumt ein: "Der Schritt wirkt vielleicht mutig. Es sprechen aber sehr viele Argumente für das Team. Für mich als Fahrer war es zum Beispiel wichtig, dass man mir zugesichert hat, dass ich die Entwicklungsrichtung klar mitbestimmen kann." Sein Manager Hansbernd Kamps betont: "Ich finde es klasse, dass sich Timo dieser Herausforderung stellt. Wir ziehen nun das typische Glock-Ding durch: kämpfen, arbeiten, entwickeln, kommunizieren und kräftig Gas geben!" Niki Lauda prophezeit dennoch: "Glock steht vor einer schwierigen Saison und einem Neustart seiner Karriere. Wenn er trotzdem Erfolg hat, hat er seine Klasse bewiesen."

"Mercedes hat die absolut richtige Entscheidung getroffen"

Nicki Lauda lobt Mercedes und sieht Timo Glocks Zukunft bei Manor GP kritisch.

Die Mercedes-Übernahme von BrawnGP sieht der Ex-Weltmeister dagegen durchweg positiv. "Das war eine Top-Entscheidung des Mercedes-Vorstands! Die Zukunft der Formel 1 basiert auf der Kostenreduktion. Nächstes Jahr sollen die Teams mit rund 100 Millionen Euro auskommen. Brawn war nach der Übernahme von Honda und einem geringen Budget schon in diesem Jahr so aufgestellt. Das war das Team, das mit dem wenigsten Geld den meisten Erfolg hatte." Von McLaren, wo Mercedes bisher jährlich rund 100 Millionen Euro investiert hat, ohne am Gewinn beteiligt zu sein, zu Brawn zu wechseln, sei deshalb absolut richtig gewesen. Lauda: "Mit dem geringsten Einsatz können sie so höchste Leistung erzielen. Gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise ist das die perfekte Lösung. Sie können das Marketingtool der Formel 1 weiter voll benutzen und müssen nun wesentlich weniger dafür bezahlen. Sehr clever!" Der Kauf kostete Daimler und deren Haupt-Anteilseigner Aabar Investment rund 120 Millionen Euro. Etwa 60 Millionen bekommt das Weltmeisterteam aber schon im kommenden Jahr aus Bernie Ecclestones Einnahmentopf zurück. Zudem soll bald ein großer deutscher Sponsor verkündet werden. Und Daimler-Vorstand Dieter Zetsche kündigte nach der Kritik des Betriebsrats intern schon an, die Gesamt-Ausgaben bis 2011 auf weniger als 60 Millionen Euro zu senken. Mercedes GP könnte dann sogar Geld verdienen. Dazu kommt laut Lauda: "Endlich hat Mercedes das Sagen. Das war bei McLaren ja immer so ein Problem, weil Ron Dennis stets das gemacht hat, was er wollte. Nun aber gehört ihnen das ganze Team. Da kann ich in jeder Richtung nur gratulieren!"

Heidfeld oder di Resta könnten Button bei BrawnGP ersetzen

Bald Teamkollegen? Noch diese Woche könnte Button (r.) bei McLaren unterschreiben und Mannschaftskamerad von Hamilton werden (l.).

Auch zur Fahrerwahl. "Nico Rosberg als deutscher Fahrer würde das Paket wunderbar abrunden", ergänzt Lauda. "Die Basis des amtierenden Weltmeisterteams mit Ross Brawn an der Spitze ist auch für 2010 die Beste. Ich rechne fest damit, dass Rosberg um Siege und die WM fährt." Wer das zweite Cockpit bekommt, ist dagegen weiter offen. Wie autobildmotorsport.de erfuhr, könnte Weltmeister Jenson Button schon Ende der Woche bei McLaren-Mercedes unterschreiben. "Da geht es nur ums Geld", ist Niki Lauda sicher. "Aber nüchtern analysiert müssen auch die Fahrergehälter sinken, wenn die Teams 2010 nicht mehr als 100 Millionen Euro ausgeben dürfen. Deshalb kann ich Mercedes und Ross Brawn verstehen, dass sie Buttons Forderungen nicht nachgeben." Lauda weiter: "Eins ist aber klar: Wenn Button zu McLaren geht, muss er sich gegen den dort etablierten Hamilton durchsetzen. Umgekehrt wäre er bei Brawn-Mercedes der Fahrer, der sich im Team auskennt und beliebt ist. Deshalb würde ich an Buttons Stelle bei Mercedes bleiben." Aber: Nick Heidfeld und Mercedes-DTM-Pilot Paul di Resta stehen schon in den Startlöchern.

Räikkönen 2010 auf Schotter

Wie ABMS erfuhr, ist Ex-Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen dagegen sowohl bei McLaren als auch bei Brawn kein Thema mehr. "Der will sein Leben erst einmal genießen und Rallye fahren", verrät ein Räikkönen-Insider. Außerdem kann er nur so bei Ferrari groß abkassieren und eine Abfindung im hohen zweistelligen Millionenbereich einstreichen. Ein Jahr Pause gilt deshalb als wahrscheinlich. Danach liebäugelt der Finne mit einer Formel-1-Rückkehr bei Red Bull als Teamkollege von Sebastian Vettel.

Autor: Bianca Garloff

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