Nissan 350Z

Nissan 350 Z Nissan 350 Z

Nissan 350Z

— 11.07.2002

Schwer auf Zack

Der neue Nissan 350Z: eine gierige Fahrmaschine mit absoluter Suchtgefahr. Deshalb wurde aus der geplanten kurzen Testfahrt mal eben ein 3500-Kilometer-Trip von Michigan bis nach Tennessee. Georg Kacher hat´s erwischt.

Knusprige Chicken, schwitzende Bremsen

Es gibt Testwagen, die gibst du nach ein paar Tagen ohne Reue zurück wie ein x-beliebiges Mietauto. Immer frei nach dem Motto "Aus den Augen, aus dem Sinn". Es gibt aber auch Testwagen, von denen du dich partout nicht trennen magst, die dir später im Traum wieder begegnen. Frei nach dem Motto "Hol mich heim, da ist doch noch Platz in deiner Garage". Der neue Nissan 350Z gehört zur zweiten, viel selteneren Gattung. Grund genug, die als beiläufigen Wochenendausflug angelegte Probefahrt spontan und freiwillig zu einem 3500-km-Marathon durch sechs US-Bundesstaaten auszudehnen...

Schon die Form der jüngsten Z-Car-Generation macht neugierig. Die kompakten Proportionen verwandeln das in den letzten Produktionsjahren verweichlichte Coupé wieder in einen echten Hardcore-Sportwagen. Das Cockpit ist ein Musterbeispiel für ebenso schnörkellose wie stilsichere Funktionalität. Das Alu-Fahrwerk, die wuchtigen 18-Zöller und die (aufpreispflichtigen) Brembo-Bremsen versprechen Kurvenspaß ohne Ende. Und der 287 PS starke 3,5-Liter-V6 sorgt dafür, dass auch die Fahrdynamik nicht zu kurz kommt.

Die siebenstündige Freeway-Odyssee von Detroit nach Nashville stellt nicht nur meine Kondition auf eine harte Probe, sondern auch die Klimaautomatik (ausreichend), den Fahrkomfort (gut) und die mit einer Mischung aus Anton Bruckner und ZZ Top gefütterte Bose-Soundanlage (exzellent). Das eigentliche Fahrerlebnis beginnt allerdings erst auf den buckligen und winkeligen Nebenstrecken, die Virginia, West Virginia, Kentucky und Tennessee miteinander verbinden. Hier duftet es bald nicht nur nach schwarzgebranntem Whiskey und knusprigem Fried Chicken, sondern halt auch nach lautstark protestierenden Bridgestone-Gummis, gewürzt mit schwitzenden Bremsbelägen.

Eine Fahrmaschine reinsten Wassers

Wenn der 350Z richtig angast, muss sogar der als Fotoauto mitgeschleppte BMW M3 sein Bestes geben. Stärker als der BMW, ist der Nissan ein Front-Mittelmotor-Coupé mit einer beinahe idealen Achslastverteilung (53/47 Prozent) und mit einem entsprechend aufgeweckten Handling. Wir fuhren die betont sportlich abgestimmte Track-Version mit Mischbereifung, knackiger Feder-Dämpfer-Kennung, Sperrdifferenzial und Spoilerpaket.

Im Gegensatz zu früheren Z-Cars trüben diesmal keine Hinterachslenkung, keine aktiven Dämpfer und auch keine Mäusekino-Instrumente das Bild. Stattdessen gibt’s Fahrvergnügen in Reinkultur. Der 350Z lenkt so prompt ein wie ein Kugelblitz, verzögert so nachhaltig wie ein Fallbeil, hält so unbeirrbar die Spur wie eine Zahnradbahn. Achtung – Suchtgefahr! Mit ausgeschaltetem Stabilitätsprogramm und eingeschaltetem Bleifuß beschleunigt der Nissan in nur 5,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit wird bei 250 km/h abgeregelt, aber die Verbrauchsskala ist trotz langem sechsten Gang nach oben offen.

Unser Testwagen genehmigte sich im Schnitt 12,7 l/100 km – kein Ruhmesblatt für einen windschnittigen (cW-Wert 0,29) Zweisitzer, der mit 1450 Kilo etwas zu viel Speck auf den Rippen hat. In USA kostet der 350 Z zwischen 26.000 und 34.000 Dollar – je nach Modell bereits inklusive Leder, Musik, Automatik, Xenonlicht und Brembo-Stopper. Für Europa darf mit Preisen von 30.000 bis deutlich unter 40.000 Euro gerechnet werden. Es gibt nur zwei Extras: Seiten- und Fenster-Airbags sowie ein DVD-gestütztes Navigationssystem.

Fazit und Technische Daten

Nein, der 350Z ist kein Auto ohne Fehl und Tadel. Nach 3500 Kilometern stehen auf unserer Wunschliste unter anderem ein präziseres Getriebe, mehr Laufkultur, ein größerer Tank und ein weniger zerklüftetes Gepäckabteil. Doch trotz der Detailkritik überwiegt die Begeisterung, denn das neue Z-Car ist eine Fahrmaschine reinsten Wassers und zudem ein faires Angebot. Entsprechend schwer fällt die Trennung von der jungen Liebe. Aber wir kommen wieder – spätestens Anfang 2003, wenn der 350Z Spyder vorfährt.

Technische Daten V6-Motor • vier Ventile je Zylinder • variable Ventilsteuerung • Hubraum 3498 cm3 • Leistung 211 kW (287 PS) bei 6200/min • max. Drehmoment 380 Nm bei 4800/min • Heckantrieb • Sechsganggetriebe • Einzelradaufhängung • vorn und hinten Scheibenbremsen • Länge/Breite/Höhe 4307/1816/1318 mm • Radstand 2649 mm • Reifen v/h 225/50-245/50 ZR 18 • Leergewicht 1450 kg • Höchstgeschwindigkeit 250 km/h Preis ab 29.950 Euro

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