Nissan 350Z Roadster gegen Porsche Boxster S

Nissan 350Z Roadster – Porsche Boxster S Nissan 350Z Roadster – Porsche Boxster S

Nissan 350Z Roadster gegen Porsche Boxster S

— 20.07.2005

Ziel erreicht

Die Daseinsberechtigung von Nissan 350Z Roadster und Porsche Boxster S lautet schlicht: Fahrspaß bieten. Das erfordert keine weiteren Vorbereitungen als Dach auf und Gas geben.

Zwei Wege zur Lust

Der Weg ist das Ziel – die Gültigkeit dieser fernöstlichen Lebensweisheit einfach mal unterstellt, gehören Boxster S und 350Z Roadster definitiv zu den Volltreffern im Leben jedes Autofreundes. Denn was diese beiden Rasse-Roadster mit jeweils 280 PS unter der Haube auf Asphalt anstellen, wirkt auf ihre Fahrer wie ein Mix aus Aphrodisiakum und Aufputschmittel. Nein – besser.

Ein Fest für sämtliche Sinne und eine Herausforderung für die Nerven, die allerdings auf vollkommen unterschiedlichen Bahnen gereizt werden. Welcher Weg das Lustzentrum direkter trifft, bedarf einer genauen Analyse.

Optisch geht der knallgelbe (heißt bei Porsche "speedgelb") Boxster mit den klassischen Rundscheinwerfern klar in Führung. Der bullige Nissan wirkt zwar moderner, das Mausgrau steht einer Vertreter-Limousine aber deutlich besser. Und das geschlossene Verdeck stört die Linie des Japaners. Doch wer braucht bei diesen Autos ein Dach überm Kopf? Also weg mit den bei beiden recht stabil wirkenden Stoffkapuzen und her mit der Sonne. Leicht und lustvoll verschwindet das Boxsterverdeck in nur zwölf Sekunden hinter den Sitzen. Das ist verdammt schnell – der 350Z braucht einen Handgriff und immerhin drei Sekunden mehr.

Dem Gegner die Endrohre zeigen

Oben ohne bricht die Lebenslust in Form von Licht, Luft und Lärm dann mit voller Wucht ins Auto. Wobei Lärm hier absolut positiv gemeint ist – wer diese Musik leise hören will, sollte lieber ein Blockflötenkonzert besuchen. Da bleibt dann auch die Frisur in Form. Alle anderen lauschen mit Lust und Leidenschaft dem Sechszylinder-Konzert für zweimal zwei Endrohre.

Die Porsche-Partitur setzt dabei die akustischen Ausrufezeichen. Der 3,2-Liter-Boxer fräst uns ab Leerlaufdrehzahl das Hohelied der Leistung in die Gehörgänge, um bei 5000 Touren zum furiosen Höhepunkt anzuheben. Dann schnaubt und sägt der Vierventiler derart angriffslustig durchs Revier, als wolle er den 350Z von der Bühne blasen.

Doch der Japaner hält mit seinem 3,5-Liter-V6 tapfer dagegen. Dunkel und baßlastig sorgt der Nissan für "good vibrations" und Gänsehaut. Richtig zur Sache geht es dann im Motopark Oschersleben. Einfache Zielvorgabe: Dem Gegner die Endrohre zeigen. Doch leichter gesagt als getan, jedenfalls für den Nissan.

Eine Frage des Motoreneinbaus

Der Nissan müht sich wirklich redlich und gehört ganz bestimmt nicht zu den Langsamen – an der Führung des Porsche kann er dennoch nicht kratzen. Und das hat einen gewichtigen Grund: Der 350Z bringt fast 200 Kilo mehr auf die Waage, der Motor lastet schwer auf der Vorderachse.

Porsche kehrt die Achslastverteilung dank Mittelmotor um: 47 Prozent vorn, 53 Prozent hinten. So ausbalanciert, krallen sich die riesigen 19-Zoll-Räder des Boxster in die Piste wie Fußballstollen in den Rasen. Schon nach schlanken 5,4 Sekunden hämmert der Porsche mit Tempo 100 gen Horizont, nach 18,9 Sekunden liegt die doppelte Geschwindigkeit an, erst bei 268 km/h endet das muntere Treiben. Soweit die schon sehr beachtlichen Meßwerte, gefühlt geht der Boxster sogar noch besser. Mit Nachdruck werden wir in die guten, allenfalls etwas schmalen Sitze gepreßt, jedes Zucken im rechten Fuß katapultiert den Roadster wutschnaubend nach vorn. Fast schon süchtig fordert der Sechszylinder-Boxer vom Gasfuß immer mehr Drehzahl.

Mithalten kann der 350Z da nicht wirklich, Boxster-Fahrer sehen den Nissan vor allem im Rückspiegel. Schon bis Landstraßentempo verliert der Japaner die ersten 1,1 Sekunden, bis 200 km/h summiert sich der Rückstand auf ernüchternde 8,2 Sekunden, ab Tempo 250 kann der Nissan nicht mehr folgen. Und trotz eines eindeutigen Drehmomentvorteils sieht er auch beim Zwischenspurt keinen Stich. Also greifen wir öfter zur – wie im Porsche – exakt arbeitenden Sechsgang-Box. Klingt unterm Strich nach einer klaren Sache für den Porsche, doch auch der 350Z weiß zu begeistern. Auf seine Art und Weise.

350Z – übermütig, aber wohlerzogen

Dumpf grollend und wild brüllend reißt der Nissan uns in mittleren Drehzahlen nach vorn und läßt übermütig die Muskeln spielen. Auch wenn der 3,5-Liter-V6 lange nicht so locker und betont lustvoll ausdreht wie der Boxster: Langsam geht auf jeden Fall anders, schlafmützig sowieso. Dieser Roadster macht weniger auf perfekte Rennmaschine, sondern mehr auf hemdsärmeligen Halbstarken. Und das in keiner Weise peinlich und prollig, vielmehr durchaus überzeugend.

Gleiches gilt für das Fahrwerk. Mit gesunder Härte und trockener Konsequenz stempelt der 350Z das Profil seiner Bridgestone Potenza in den Kurs, ohne den Fahrer dabei allzu gnadenlos zu quälen. Sagen wir es mal so: Für echte Kerle reicht der Restkomfort allemal, alle anderen können im Mädchenpensionat bleiben.

Dank seiner angenehm präzisen Lenkung läßt sich der Nissan durchaus von leichter Hand dirigieren. Völlig unkompliziert und ohne zu zicken, findet er auf der Rennstrecke die Ideallinie, lenkt sauber in die Kurve ein und bollert ausgangs mit Wonne der nächsten Biegung entgegen. Ja, so muß ein Sportwagen sein.

Scharfe Kurvenshow im Boxster S

Aber es geht noch besser. Das beweist der Boxster S. Wie beim 350Z gibt es als Schleuderversicherung auch hier ein ESP, nötig scheint es im Porsche aber nur in absoluten Ausnahmesituationen. Wenn der Fahrer ein Profi ist und Spaß haben will, legt er die elektronische Straßenwacht per Knopfdruck still, streckt das rechte Bein vorzugsweise durch und klemmt sich ein breites Grinsen zwischen die Ohren.

Die Geraden pfeilt der Boxster anscheinend nur deswegen im Eiltempo entlang, um möglichst schnell zum nächsten Anbremspunkt zu gelangen (Spitzenwert: 34,2 Meter Bremsweg aus 100 km/h). Denn dort beginnt eine der prickelndsten und schärfsten Kurvenshows, die Sie derzeit buchen können – Tabledance ist dagegen gar nichts. Mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks fädelt sich der gelbe Schwabenpfeil in die Kurve, tastet ohne das geringste Anzeichen von Nervosität oder Unruhe die Ideallinie ab und schrammt am Ende wimmernd dem nächsten Scheitelpunkt entgegen.

In Oschersleben bedeutet diese beeindruckende Fahr-Vorstellung pro Runde immerhin fast vier Sekunden Vorsprung auf den Japaner. Die Porsche-Lenkung arbeitet dabei derart perfekt, als wären die Hände direkt mit den Spurstangen verbunden. Wer an dieser Stelle nicht nach der nächsten Runde schreit, sollte bitte lieber mit Wiking-Autos spielen.

Porsche – oder Nissan plus Zweitwagen?

Der Boxster S schlägt mit 51.304 Euro zu Buche, ohne die Optionsliste überhaupt angekratzt zu haben. Die Carrera-S-Räder in 19 Zoll stehen mit 1491 Euro in der Preisliste, für den Bose-Sound mit 325 Watt werden 1259 Euro fällig, die elektronisch geregelten Dämpfer kosten 1508 Euro (inklusive 10 Millimeter Tieferlegung). Von Leder, Klimaautomatik und Metallic-Lack einmal ganz zu schweigen.

Dagegen ist der Nissan 350Z Roadster ein echtes Sonderangebot. Schlanke 37.550 Euro rufen die Japaner auf – inklusive Klimaautomatik, Xenonlicht, CD-Wechsler und sattem 240-Watt-Bose-Sound. Macht fast 14.000 Euro Preisvorteil. Mit dem Geld kann man sich noch nebenbei einen praktischen Kombi, eine Weltreise oder Sprit für mehrere Jahre leisten. Keine leichte Wahl also – aber glücklich kann sich schätzen, wer vor dieser Entscheidung steht ...

Fazit und technische Daten

Fazit von Gerald Czajka Der Zündfunke springt bei beiden Roadstern schneller über, als die Stoffkapuze hinter den Sitzen verstaut ist. Dem Reiz dieser offenen Lustikusse kann sich kaum jemand entziehen. Der wahre Fan kniet angesichts der begeisternden Open-air-Show mit feuchten Händen und trockenem Mund vor diesen gutgemachten, aber deutlich verschiedenen Roadstern. Der Boxster S überzeugt mit dem präziseren Handling und dem giftigeren Motor, der 350Z gefällt besonders als brutaler Bollermann. Und natürlich auch als wahres Sonderangebot. Allerdings zieht der Japaner nur an der Kasse ganz locker am Pistenkönig Porsche vorbei.

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