Gebrauchtwagen-Test Nissan 370Z

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Nissan 370Z: Gebrauchtwagen-Test

— 11.09.2015

Der ist kein Überflieger

Bei Nissans Tiefflieger 370Z bröckeln gebraucht eher die Schweller als die Preise. Ist er trotzdem ein Tipp? AUTO BILD klärt's.

Tief eingeschlossen in seiner kleinen Kapsel pfeift der Nissan-Pilot über den Asphalt, die Tachonadel nähert sich der 200. Der Sechszylinder brüllt, doch er hebt nicht ab. Anders der Eurostar-Leichtflieger nebenan, der sich längst in die Lüfte erhoben hat. Dafür reichen dem 300-Kilo-Leichtgewicht 80 Sachen, während der 1,6-Tonnen-370Z selbst bei Höchstgeschwindigkeit nicht die Bodenhaftung verliert. Bereits seit 2008 verdreht Nissan den Leistungshungrigen unter uns mit dem 370Z erfolgreich den Kopf. Für 33.000 Euro, den Preis eines gehobenen Kompaktwagens, bekommen Neuwagenkäufer Hinterradantrieb, einen Sechszylinder-Saugmotor mit 328 PS und rassiges Sportwagendesign. Frühe Exemplare stehen jetzt zu Kursen ab rund 18.000 Euro bei den Händlern. Ein moderater Wertverlust, gerade wenn man bedenkt, dass Nissan den Listenpreis im Zuge der Modellpflege im Juni 2013 um satte 5500 Euro gesenkt hatte. Der Schritt war notwendig geworden, um die schwächelnden Verkäufe anzukurbeln.

Das Fahrverhalten hält nicht, was die Optik verspricht

Der 3,7-Liter-Sauger verspricht gleichmäßige Drehmomententfaltung und kraftvollen Sechszylindersound. Doch die Realität ist ernüchternd.

Tatsächlich ist der 370Z kein so lupenreiner Sportler, wie er vorgibt. Bei schneller Kurvenfahrt benimmt er sich unerwartet sperrig und unhandlich, und auch der Motor enttäuscht. Verspricht der 3,7-Liter-Sauger gleichmäßige Drehmomententfaltung bis 7000 Umdrehungen und kraftvollen Sechszylindersound, wirkt er in der Realität ernüchternd. Untenrum ist er so zurückhaltend, dass der Fahrer nur Wind- und Klappergeräusche hört, oberhalb von 5500 Umdrehungen scheint ihm die Lust zu vergehen, und er schreit gequält. Auch der in unserem 2011er Testwagen verbaute Siebenstufen-Wandlerautomat verrichtet seinen Dienst etwas unentschlossen und halbherzig. Sportliche Ambitionen werden erst von den Schaltpaddles am Lenkrad bedient. Bei allen Unzulänglichkeiten sollten sich Interessenten aber immer in Erinnerung rufen, dass der 370Z im Revier der teuren Konkurrenz wildert: Vergleichbar motorisierte Porsche 911 kosten schnell das Dreifache.
Überblick: Alle News und Tests zum Nissan 370Z

Am viereinhalbjährigen Testwagen wütet bereits Rost

Eine wirklich unangenehme Angewohnheit vieler jüngerer Japaner ist die Rostanfälligkeit. Bei aller Freude an Retroelementen, die auch der 370Z bereithält, sollte die braune Pest endgültig der Vergangenheit angehören. Am viereinhalbjährigen Testwagen, der von Hanse Automobile Lübeck angeboten wird, werden nicht nur Auspuff, Differenzial und Ölwanne knusprig, auch Achsträger und Karosseriekanten sind bereits betroffen, Türgriffe und Scheibenrahmen unterwandert. Käufer sollten schnell handeln, bevor der Kampf gegen den Rost gänzlich verloren geht.

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Teile können teuer werden: Eine neue Automatik schlägt mit über 13.000 Euro zu Buche. Da ist der wirtschaftliche Totalschaden nicht fern.

Der Vorgänger 350Z war berüchtigt für teilweise exorbitante Teilepreise. So kosteten Scheiben und Klötze an der Vorderachse mal eben über 1300 Euro. Hier hat Nissan ein Einsehen gehabt und einige Preise nach unten angepasst. Doch noch immer kostet ein hinteres Rad über 1100 Euro. Die beiden am 370er-Testwagen angezählten Katalysatoren schlagen mit 1250 Euro zu Buche. Pro Seite wohlgemerkt! Sollte sich das Automatikgetriebe verabschieden, wäre mit mehr als 13.000 Euro der wirtschaftliche Totalschaden nicht mehr weit. Immerhin bleibt den Besitzern Zeit zum Sparen. Im AUTO BILD-Kummerkasten und in zahlreichen Internetforen werden immer wieder Klagen über die teilweise monatelangen Lieferzeiten für Ersatzteile laut. Dazu kommen hohe Kosten für Steuer und Versicherung. Spätestens hier hat man bei Nissan echtes Sportwagenniveau erreicht. Dafür kann der 370Z mit seinem zeit- und kompromisslosen Styling noch immer begeistern. Auch wenn sein Konzept in die Jahre gekommen ist. Interessenten sollten nicht zu knapp kalkulieren und lieber das jüngere, durchgewartete Fahrzeug nehmen und ausreichend Reserven für die Folgekosten einplanen. Sonst endet der Tiefflug als Bruchlandung.
Technische Daten: Nissan 370Z
Motor Sechszylinder/vorn längs
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2
Hubraum 3696 cm³
Leistung 241 kW (328 PS) bei 7000/min
Drehmoment 363 Nm bei 5200/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
0–100 km/h 5,6 s
Tank/Kraftstoff 72 l/Super plus
Getriebe/Antrieb Siebenstufenautomatik/Hinterrad
Länge/Breite/Höhe 4250/1845/1310 mm
Kofferraumvolumen 235 l
Leergewicht/Zuladung 1600/200 kg
Was bei unserem Testwagen aufgefallen ist, und auf welche Mängel Käufer beim gebrauchten Nissan 370Z außerdem achten sollten, erfahren Sie in der Bildergalerie. Den vollständigen Artikel mit allen Daten und Tabellen gibt es im Online-Artikelarchiv als PDF-Download.

Gebrauchtwagen-Test Nissan 370Z

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Autor: Malte Büttner

Stichworte:

Sportwagen

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