Nissan Almera 1.8 Elegance

Nissan Almera 1.8 Elegance Nissan Almera 1.8 Elegance

Nissan Almera 1.8 Elegance

— 12.02.2002

Günstiger golfen

Mehr drin, mehr dran, aber kaum mehr zahlen - so soll der neue Nissan Almera sein Golf-Handicap verbessern.

Spürbar mehr Platz

Was FDP und Grünen immer wieder mal passiert, erwischte im Jahr 1999 auch den Nissan Almera: Er scheiterte in Deutschland an der Fünf-Prozent-Hürde, erreichte mit 15.502 Zulassungen nur noch 4,6 (1998: 6,9) Prozent der Verkäufe von Klassenprimus Golf (333.379). Ein klares Votum.

Das Nissan ab 16. März mit einem neuen Kompakt-Kandidaten korrigieren möchte. Komplett in Europa entwickelt und in England gebaut, soll Almera Nummer zwei alles besser machen, den Haushalt aber schonen. Wir analysierten, ob die günstige Golf-Alternative ihr Wahlversprechen hält.

Auf den ersten Blick weckt der dynamisch dreinschauende Dreitürer (auch Fünftürer, ab Juli 2000 Stufe und Van Tino) mit der eigenwilligen Welle im Dach jedenfalls deutlich mehr Vertrauen. Das markante Familiengesicht und die leichten Zugewinne bei den Abmessungen (Länge 4,18 m) lassen den Almera erwachsener wirken. Unterm Blech bleibt trotz unverändertem Radstand (2,54 m) spürbar mehr Platz als beim Vorgänger, der auf 355 Liter gewachsene Kofferraum schluckt noch ein paar Aktenordner mehr als Kollege Golf (330 l). Von einem Raumwunder bleibt der Almera allerdings so weit entfernt wie Politiker vom Bürger. Trotz hutfreundlicher Innenhöhe bleibt unterm Strich nicht mehr Platz als etwa im Audi A3. Zudem lässt sich das Lenkrad nur in der Höhe verstellen, klappt allein die Lehne der Vordersitze für Hinterbänkler höflich nach vorn.

Üppig ausgestattet

Den Familienrat überzeugt der Nissan trotzdem. Zahlreiche Ablagen und Fächer beenden die alltägliche Anarchie im Auto. Karten, Kekse, Kleinkram - hier findet (fast) alles ein sicheres Plätzchen. Sogar für Laptop und Regenschirm gibt es spezielle Halter, für die Sonnenbrille ein Extrafach im Dach, für Vertrauliches ein Versteck in der Mittelkonsole. Zustimmung finden zudem das funktionale Cockpit und die ordentliche Verarbeitungsqualität - auch wenn die Vielfalt der Plastikmaterialien und schrille Polsterfarben konservative Wähler eher abschrecken. Wiedergutmachung leisten die ergonomisch geformten Sitze, die Langstrecken den Schrecken rauben und bei denen allein die Oberschenkelauflage etwas zu kurz kommt.

Stärkere Komfort-Einbußen provoziert da die betont straffe Federung, die den Almera klar in den Sportausschuss verweist. Ein Fahrschemel an der Vorderachse und die Kompaktlenker-Hinterachse vom großen Bruder Maxima QX garantieren zwar sanftes Abrollen und eine gute Entkoppelung des Fahrwerks von der Karosserie, grobe Straßenschäden treffen die Insassen mitunter aber recht hart. Absolut mehrheitsfähig dagegen die Lenkung. Sie arbeitet präzise und nicht übertrieben direkt, vermittelt guten Kontakt zur Asphalt-Basis, den der Nissan auch in schwierigen Situationen wahrt.

Kurskorrekturen befolgt er sehr willig, schiebt nur leicht über die Vorderräder geradeaus und bleibt gut kontrollierbar.

Sicherheitskonzept und Preis

Im Ernstfall schützen vier Airbags, Gurtkraftbegrenzer und aktive Kopfstützen vorn die Insassen, stoppt das ABS mit mechanischem Bremsassistenten die Fuhre aus 100 km/h in guten 39,1 Metern. Auch der umgekehrte Weg bereitet dem Almera 1.8 keine Mühe. Der 114 PS starke Saubermann (schafft D4) mit variabler Verstellung der Einlassnockenwellen stammt aus dem Primera und hat mit dem 1240 Kilo schweren Japan-Golf natürlich leichtes Spiel.

10,8 Sekunden nach dem Start hakt der Almera Tempo 100 ab, teilt seine Anstrengung dabei aber durchaus vernehmlich mit und fordert immerhin 8,9 Liter pro 100 Kilometer. Die eher durchschnittliche Elastizität führt außerdem öfter zur Neuwahl der Übersetzung, was angesichts der unexakten Schaltung wenig Freude bereitet. Ohne Handicap dagegen die Preise (1.5/90 PS ab 25.300 Mark). Selbst der üppig ausgestattete 1.8 Elegance kostet mit 32.900 Mark gerade 600 Mark mehr als ein nackter Golf 2.0 mit 115 PS. Zusätzlich lockt Nissan mit drei Jahren Garantie. Womit der Japaner nicht nur VW, sondern auch FDP und Grünen etwas voraus hat.

Der Nissan Almera in Kürze

Karosserie und Innenraum Vernünftiges, nicht üppiges Platzangebot, Kofferraum und Zuladung ausreichend. Innenraum solide verarbeitet und durch zahlreiche Ablagen aufgewertet.

Motor und Getriebe Motor bietet dank 114 PS klassengerechte Fahrleistungen, zeigt sich etwas mürrisch und durchschnittlich elastisch. Schaltung schlecht geführt, Verbrauch etwas zu hoch.

Fahrwerk und Sicherheit Braver Fronttriebler mit mäßiger Neigung zum Untersteuern und exakter Lenkung. Die Bremsen zeigen sich zuverlässig, die Sicherheitsausstattung ist in dieser Klasse ausgesprochen ansehnlich.

Komfort Betont straffe, sportliche Federung mit Schwächen bei groben Schlägen, aber hohem Abrollkomfort. Bedienbarkeit und Sitze gut, Ausstattung großzügig.

Preise und Kosten Als Topmodell in der Kompaktklasse nicht billig, dank toller Ausstattung aber doch günstig. Dazu drei Jahre Garantie, Steuer nach D4, aber recht hohe Spritkosten.

Fazit: Nissan fährt den richtigen Kurs. Der neue Almera kommt spürbar gereift und nach wie vor günstig von der britischen Insel. Nur Motor und Federung fehlt Feinschliff.

Technik Hubraum 1769 cm3 • Leistung 84 kW (114 PS) • bei Drehzahl 5600/min • Drehmoment 158 Nm bei 2800/min • Getriebe 5-Gang manuell • Antrieb Front • Bremsen (vo./hi.) Scheiben/Scheiben • Testwagenbereifung 195/60 R 15 H • Serienbereifung 195/60 R 15 H • Kofferraum 355 l • Tankinhalt 60 l • Länge/Breite/Höhe 4184/1706/1483 mm • Wendekreis 4184/1706/1483 mm • Beschleunigung 10,4 m

Serienausstattung ABS plus Bremsassistent • vier Airbags • E-Fenster • E-Spiegel • Rücksitzlehnen geteilt klappbar • ZV fernbedienbar • Nebelscheinwerfer • Alufelgen • Radio mit Bediensatellit • Klimaanlage • drei Kopfstützen und Dreipunktgurte hinten

Extras Metalliclack 650 Mark • E-Schiebedach 1500 Mark • Vier-Stufen-Automatik 2200 Mark • Aufpreis Fünftürer 1000 Mark • 3D-Navigationssystem ca. 3200 Mark • Sechsfach-CD-Wechsler 749 Mark (über Händler, plus Einbau)

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