Nissan GT-R Facelift (2016): Fahrbericht

Nissan GT-R Facelift (2016): Fahrbericht

— 06.06.2016

Ist Godzilla jetzt ein Weichei?

Nissan hat den GT-R überarbeitet. Der Allrad-Sportler leistet jetzt 20 PS mehr und soll komfortabler geworden sein. AUTO BILD klärt im Fahrbericht, ob's stimmt.

Irgendwie klingt das, was uns die Nissan GT-R-Jungs diesmal erzählen, fast schon ein wenig befremdlich. Er sei nun viel komfortabler, betonen sie stolz, ließe sich erstmals flüsterleise starten (sofern gewünscht) und wirke insgesamt um einiges hochwertiger als früher. Wie bitte? Japans Vorzeige-Nordschleifler macht plötzlich einen auf konziliant? Ja! Denn zum einen ist seine Basis in Form der ab 2017 wieder erhältlichen Nismo-Ausgeburt schon hinreichend ausgereizt, zum anderen war er in all den neun Jahren, die es ihn mittlerweile bald gibt, eigentlich stets zu knochig, um ein wirklich guter GT zu sein.

Nissan GT-R Facelift (New York 2016): Sitzprobe

Am Heck trägt das Facelift die Schürze vom Nismo-Modell. Die Abgasanlage ist aus Titan.

Genau das haben nun auch seine Schöpfer eingesehen – und ihn zum neuen Modelljahr entsprechend geschmeidiger verpackt. Allen voran im Cockpit, das nun erstmals einen ordentlichen Schuss Noblesse versprüht! Das Armaturenbrett ist mit samtigem Nappaleder bespannt, die Sitze wurden von Hand vernäht, die Mittelkonsole aufgeräumt, während sich dem Fahrer ein deutlich schlankeres Dreispeichen-Volant entgegenstreckt. Okay, gerade besagtes Lenkrad ist mit seinen etwas wirr geordneten Knöpfchen nun wirklich kein Vorbild an Übersicht, und auch das serienmäßige Navi illustriert die Route nicht ganz so feingepixelt wie manch modernerer google Earth-Ableger. Und ob die Kippschalter für Fahrwerk, Stabilitätselektronik sowie Antrieb direkt vor dem Getriebewählhebel ihren besten Platz gefunden haben, darf mit Sicherheit auch bezweifelt werden. Doch all das ist im Prinzip Rummäkeln an einem insgesamt doch deutlich charmanteren Ganzen.
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Das neue GT-R-Fahrgefühl ist leger

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Das modernisierte Cockpit wertet den GT-R deutlich auf.

Zumal auch der gesamte Rest zur gehobeneren Atmosphäre passt. Allen voran natürlich das Fahrwerk, das man allerdings auf denkbar unkonventionelle Weise erzogen hat. Denn im Gegensatz zu klassischen Komfort-Maßnahmen, die das Set-up ja meist eher weicher spülen, wurde die Peripherie des GT-R erst einmal ordentlich nachgezurrt. Steiferes Chassis, dickere Stabis, härtere Federn. Die große Frage nun: Woher kommt der Fahrkomfort? Antwort: Über die Dämpfung, die sich entlang der drei wählbaren Modi deutlich weiter spreizt. In "Comfort" rollt der Nissan so geschmeidig wie noch nie über malträtiertes Geläuf. Das hölzerne Poltern seiner geschmiedeten 20-Zöller ist ebenso passé wie das stellenweise doch recht plumpe Ansprechverhalten auf kurzen Stößen. Selbst in den schärferen Kennlinien dämpft das Fahrwerk deutlich aufmerksamer als früher. Dazu noch eine deutlich leichtgängigere Lenkung (mit gleich gebliebener Übersetzung) und fertig ist ein ungeahnt legeres Fahrgefühl, in das nicht zuletzt auch das optimierte Getriebe einzahlt.
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Nissan GT-R Nismo Facelift (2016): Sitzprobe

Verschliffenere Gangwechsel

In seiner Übersetzung bleibt sich der Doppelkuppler zwar nach wie vor treu: Er reizt den sechsten Gang lieber bis zur Drehzahlgrenze aus anstatt ihn zum Overdrive zu überdehnen. Die Gänge dazwischen jedoch sortiert er nicht nur gewohnt flink, sondern vor allem auch ein wenig geschliffener. Mehr noch: Im Gegensatz zu früher, wo man stets den Eindruck hatte, das Getriebe würde sich vollkommen übereilt in seinen höchsten Gang retten und selbigen nur auf ausdrückliches Volllast-Kommando wieder hergeben, liest es einem die gewünschte Drehzahl nun spürbar aufmerksamer von der Fußsohle ab.

Spontanere Gasannahme und 20 PS mehr

Dei 20 Mehr-PS spürt man de facto kaum. Denn der GT-R marschiert nach wie vor höllisch.

Und das spielt wiederum dem überarbeiteten Biturbo-V6 in die Karten, den die Ingenieure auf 570 PS und 637 Newtonmeter gekitzelt haben. Unter Zuhilfenahme originaler Nismo-Teile, wie es ein wenig irreführend heißt. Denn rein mechanisch ändert sich am 3,8-Liter im Prinzip nichts. Das besagte Nismo-Tuning findet eher auf Software-Ebene statt. Der Zündzeitpunkt kann nun für jeden Zylinder separat angesteuert werden, was einen noch früheren Zündwinkel erlaubt. Das Wastegate öffnet dagegen erst nach Erreichen des maximalen Ladedrucks, nicht, wie bisher, kurz davor und bewirkt somit eine spontanere Gasannahme, die so ziemlich die hervorstechendste Verbesserung des gesamten Antriebs sein dürfte. Denn die 20 Mehr-PS gehen schlicht in der bekannt taifunartigen Kraftentfaltung des Biturbos unter, der, sobald er die 2500 Umdrehungen einmal erreicht hat, Geschwindigkeit wie im Zeitraffer pulverisiert und dank aktiven Sounddesigns sowie einer neuen Titan-Abgasanlage auch deutlich eindrucksvoller faucht als früher.
Autor:

Manuel Iglisch

Fazit

Mit dem Nissan GT-R verhält es sich wie mit einem guten Wein. Er gewinnt im Laufe der Zeit immer mehr an Reife, ohne dabei jedoch an Reiz zu verlieren. Ambiente, Fahrwerk und Geräuschkomfort machen den Japaner erstmals zu einem richtig guten GT, nicht nur zu einem guten R.

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