Nissan GT-R/Porsche 911 GT3 RS 4.0: Test — 08.12.2011
Zeit für Spitzensportler
Der Nissan GT-R ist der Renner, der nach der Stoppuhr die schärfsten Porsche abhängt. Bezwingt er auch den rassigsten aller Elfer, den GT3 RS 4.0? Ein Vergleich der beiden Fahrmaschinen.
Überblick: Alle News und Tests zum Porsche 911 GT3
Nach einer überragenden Bilanz, in der er Porsche 911 Turbo und weitere Stuttgarter Hochkaräter abhängen konnte, muss er neuerdings einen Gegner fürchten: den letzten Elfer der noch aktuellen Baureihe 997, den GT3 RS 4.0. Der Extrem-Elfer hat nämlich ordentlich nachgelegt. Mehr Kraft, mehr Grip, mehr Tempo, weniger Masse – das ist die Botschaft des GT3 RS. Aber trotz ähnlicher Eckdaten – 500 PS bei Porsche, 530 PS bei Nissan – liegen die beiden sonst auf völlig unterschiedlichen Wellenlängen. Konkret: Turboaufladung, variabler Allradantrieb und reichlich regelnde Elektronik aus Japan treten gegen einen hoch drehenden Saugmotor, mechanische Hinterachssperre und reinrassiges Rennzubehör aus Zuffenhausen an. Hier prallen Welten und Ideologien aufeinander. Auch preislich: Der Porsche ist mit 178.596 Euro Grundpreis fast doppelt so teuer wie der GT-R. Uns interessiert dennoch nur eines: Wer ist schneller?Überblick: Alle News und Tests zum Nissan GT-R
Inzwischen ist die Oberfläche trocken, der Nissan wieder bei Puste und seine Technik per Tastenkombination im Cockpit sportlich scharf geschaltet – hier regeln drei Wippschalter Fahrwerk, Antrieb und Fahrhilfen. Scharf heißt: Das Doppelkupplungsgetriebe reißt die Gänge besonders schnell herein, das Fahrwerk ist auf knochentrockene Härte justiert, die elektronische Stabilisierungshilfe lässt Drifts oder leichte Abweichungen von der Ideallinie zu. Derart auf Angriff getrimmt, nimmt der Nissan das hohe Tempo der Proberunden sofort wieder auf. So viel vorab: Er schafft den Parcours in sensationellen 1:30,73 Minuten. Nur als Vergleich: Ein BMW M3 schießt auf der Contidrom-Handlingstrecke erst fünf (!) Sekunden später durchs Ziel. Der GT-R scheint dabei einer unsichtbaren Verzahnung im Boden zu folgen, so stabil bleibt er in der Spur. Anbremsen vor der schnellen Rechts, Herausbeschleunigen aus der Kehre, Korrekturen in der langen Links – der GT-R nimmt sich die einzelnen Sektionen vor wie programmiert. Dabei hat der Fahrer nicht einmal die optimale Rückmeldung aus der Lenkung, die Rückstellkräfte sind gering.Egal, der Japaner rennt hier äußerst effektiv, die Zeiten stimmen. Schade nur: Den zu hoch im Auto montierten Sitzen fehlt Seitenhalt, und für furioses Klangspektakel fühlt sich die früh in den Begrenzer stotternde Turbomaschine nicht unbedingt zuständig. Auf Drehen und Kreischen ist eben traditionell ein GT3 abonniert. Ein bis in die Achttausender tourender Saugmotor übernimmt die Sound-Aufgabe. Und das mit Inbrunst. Im Stand rasselt und rumort der Vierliter nervös und ungestüm, im mittleren Drehzahlbereich schlürft und sägt der Boxer furchteinflößend, um im hohen Tourenbereich schmerzhaft laut zu brüllen. Geil! Die extrem direkte Lenkung übermittelt kribbelnd den Asphaltzustand, starre Sitzschalen klemmen den Fahrer ein wie in einer Kirmesgondel – im RS reicht eine lockere Einstimmungsrunde, schon rauscht Adrenalin in Sturzbächen.
So aufgepeitscht starten wir zu gestoppten Runden. Trotz Hinterradantrieb verliert der mit einer mechanischen Hinterachssperre bestückte Porsche nur in einer engen, im zweiten Gang gefahrenen Kehre kurz die Haltung – ansonsten kleben die 325er-Hinterreifen bombenfest am Asphalt. Der Motor reagiert auf kleinste Gaspedalbewegungen mit brachialem Antritt, die wahnwitzige Seitenführung der breiten Räder treibt die Kurvengeschwindigkeiten hoch. Das Minus an Leistung kompensiert der GT3 durch weniger Gewicht, fehlenden Turbodruck durch Drehfreude, variable Dämpferhärte durch knallharte Federraten. Am Ende steht die Zeit. 1:29,30 – über eine Sekunde schneller als der GT-R. Eine Welt in dieser Klasse. Und eine neue Rangordnung.
| Fahrzeugdaten | Nissan | Porsche |
|---|---|---|
| Motor | V6, Biturbo, vorn längs | Sechszylinder, Boxer, hinten längs |
| Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/4 | 4 pro Zylinder/4 |
| Nockenwellenantrieb | Kette | Kette |
| Hubraum | 3799 cm³ | 3996 cm³ |
| kW (PS) bei 1/min | 390 (530)/6400 | 368 (500)/8250 |
| Nm bei 1/min | 612/3200 | 460/5750 |
| Vmax | 315 km/h | 310 km/h |
| Getriebe | Sechsgang-Doppelkupplungsgetr. | Sechsgang manuell |
| Antrieb | Allradantrieb | Hinterradantrieb |
| Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben | Scheiben/Scheiben |
| Testwagenbereifung vorn/hinten | 255/40 – 285/35 ZRF 20 | 245/35 – 325/30 ZR 19 |
| Radgröße vorn/hinten | 9,5 – 10,5 x 20" | 9 – 12 x 19" |
| Abgas CO2 | 279 g/km | 326 g/km |
| Verbrauch* | 17,3/8,9/12,0 l | 20,4/9,9/13,8 l |
| Tankinhalt | 74 l/Super plus | 67 l/Super plus |
| Vorbeifahrgeräusch | 70 dB (A) | 75 dB (A) |
| Grundpreis | 90.900 Euro | 178.596 Euro |
| *innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km | ||
| Messwerte | Nissan | Porsche |
|---|---|---|
| Beschleunigung | ||
| 0–50 km/h | 1,3 s | 1,6 s |
| 0–100 km/h | 3,2 s | 3,8 s |
| 0–130 km/h | 4,9 s | 5,8 s |
| 0–160 km/h | 7,2 s | 7,9 s |
| 0–200 km/h | 11,4 s | 12,0 s |
| Elastizität | ||
| 60–100 km/h | 3,5 s (4. Gang) | 3,7 s (4. Gang) |
| 80– 120 km/h | 6,4 s (6. Gang) | 6,4 s (6. Gang) |
| Leergewicht/Zuladung | 1774/426 kg | 1402/278 kg |
| Gewichtsverteilung v./h. | 55/45 % | 38/62 % |
| Wendekreis links/rechts | 12,4/12,4 m | 11,3/11,1 m |
| Bremsweg | ||
| aus 100 km/h kalt | 35,8 m | 35,1 m |
| aus 100 km/h warm | 33,7 m | 33,4 m |
| aus 200 km/h warm | 129,8 m | 122,7 m |
| Innengeräusch | ||
| bei 50 km/h | 66 dB (A) | 71 dB (A) |
| bei 100 km/h | 71 dB (A) | 78 dB (A) |
| bei 130 km/h | 78 dB (A) | 83 dB (A) |
| Testverbrauch – CO2 | 14,3 l SP – 338 g/km | 14,7 l SP – 349 g/km |
| Reichweite | 510 km | 450 km |
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das man trotz dieses gewichtsvorteils schlechtere beschleunigungswerte hat, ist merkwürdig,turbo und 30ps mehr hin oder her. vor allem, ist ausgerechnet die !elastizität! etwa gleich! das passt überhaupt nicht zusammen. vielleicht bringt der Porsche die kraft einfach nicht auf die straße. oder, der Nissan war in der höchstleistung etwas getunt......was bei einem turbo ja immer unaufällig möglich ist. und bei 3,1 sek sich auch danach anhört, meiner Meinung nach.
Bei 400 kg Mehrgewicht ist die Rundenzeit des Nissan daher aller Ehren wert und hat es kaum verdient hier mit plumpen Vorurteilen abgespeist zu werden.
Im übrigen war der GT-R in der Sport Auto nur eine Sekunde langsamer als der Porsche GT3-RS und lediglich 4 Sekunden über dem 4.0RS - und das auf der Nordschleife. Da brauch sich für 90 Tsd EURO wohl niemand mehr beschweren.
Irgendwie ergibt der Test für mich nur bedingt einen Sinn. Sollte man nicht nach dem Leistungsgewicht gehen und schauen das man dahingehend halbwegs vergleichbare Fahrzeuge zusammenbekommt??
Davon abgesehen muss man mal fragen, welche "Klasse" das hier sein soll. Der Porsche fährt als kompromissloser Sportwagen mit Straßenzulassung sicher mit einem anderen Anspruch auf als der Nissan der irgendwo eher als GT durchgeht (betrachtet man mal Fahrzeuggewicht und Ausstattung).
Zu den Motorschäden: Die schlechteste Literleistung der 100000 Fahrzeuge ist 83ps/ltr. Ich denke die meisten Schäden (wie ist die "Motorschaden" definiert in der Auswertung...Motormechanik oder Aggregate?!) hat man, sofern es um die Motormechanik geht, bei den Sportwägen, wo 97PS die kleinste Literleistung ist. Nimm aus der Nissanstatistik bei der "Bezugszahl verkaufte Fahrzeuge" alle Fahrzeuge unter dieser Literleistung raus, dann sieht die Statistik wieder völlig anders aus.
PS: Wieso ergibt das Konzept keinen Sinn für Porsche:
Panamera:völlig anderer Markt, Gleichteilkonzept zu anderen Baureihen
Mittelmotorsportwägen: müssen unterm 911 bleiben
911 ünerhaupt: Traditionsverplichtung
911 4WD: hat nicht vergl-bare Leistungen
911 4WD Turbo: Ist das einzige Fahrzeug das (nun mit neuem Radstand) an die Balance eines GTR ran kommen kann. Nur ist dieses Fahrzeug eigenständig auf das ausgelegt was die Kunden wollen, was sich bisher geschnitten hat mit rein dynamischen Erwartungen.