Nissan Leaf: Erster Fahrbericht

Nissan Leaf Nissan Leaf

Nissan Leaf: Erster Fahrbericht

— 13.09.2010

Nissan unter Spannung

Der Leaf beweist, dass man in einem modernen Elektroauto genauso bequem und flink unterwegs sein kann wie in einem Diesel oder Benziner. Die knappe Reichweite will er durch die positive Öko-Bilanz kompensieren.

Elektroautos werden derzeit hoch gehandelt. Nissan präsentiert jetzt das erste Großserienmodell, das rein für den Strombetrieb konstruiert worden ist. Auch im neuen Leaf klingt alles anders und ungewohnt, denn sein Elektromotor summt wie ein Drucker in Stand-by. Der Sound beim Bremsen erinnert an dezente Tieftöner. Der Radioklang hat Wohnzimmerqualität. Was man hört, sind Fahrgeräusche: Wind, Reifen, Aufhängung. Davon abgesehen trübt kaum ein Rascheln den Blätterwald des Nissan Leaf (zu deutsch: Blatt). Erstaunlicherweise freut sich auch der Fahrer, der abgesehen von der begrenzten Reichweite kaum Kompromisse fürchten muss. Im Gegenteil: Der Viertürer mobilisiert aus dem Stand wuchtige 280 Nm, die fast jeden Ampelstart gewinnen. Auch auf der Autobahn lässt es sich bequem mitschwimmen, weil das elektrische Schnurrwerk mit 109 PS ordentlich im Futter steht.

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Zwei Elektroanschlüsse: links für Hausstrom, rechts für Starkstrom.

Doch Vorsicht: Im Bleifußbetrieb schmilzt die Reichweite wie Eis in der Sonne. Während bei gemischter Fahrweise erst nach 160 Kilometern der Saft ausgeht, müssen Linke-Spur-Abonnenten nach 75 Kilometern ans Stromkabel. Das liegt idealerweise in der heimischen Garage, wo die Akkus nach acht Stunden wieder voll einsatzbereit sind. Unterwegs ist man auf Schnelllade-Stationen angewiesen, die in 30 Minuten rund 80 Prozent der Kapazität wiederherstellen. Doch diese 400-Volt-Zapfsäulen sind noch rar, und jede Schock-Ladung geht zu Lasten der Batterie-Lebensdauer. Der Leaf ist nicht nur leise und laut Tacho bis zu 155 km/h schnell, er liegt dank des niedrigen Schwerpunkts auch satt auf der Straße und versteht sich aufs Federn.

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Die elektrische Lenkung fühlt sich dagegen künstlich an, die Bremse leidet gelegentlich unter dem Zielkonflikt aus Rekuperation und Verzögerung, und im verträumten Eco-Modus schlummert der Geist eines starken Schlafmittels. Auf der Habenseite stehen günstigere Betriebskosten, die um rund 15 Prozent billigere Wartung und die soziale Akzeptanz.

Weil Elektroautos hierzulande (noch) nicht steuerlich gefördert werden, kostet der Leaf mit Vollausstattung (Klima, Navi-, Soundsystem) ab Herbst 2011 rund 34.000 Euro. Ein ähnlich ausgestatter Prius kostet 5000 Euro weniger, pustet aber mehr CO2 aus seinem Auspuff. Nach Portugal, England und Holland kommt der Leaf schon 2010 – denn dort werden Elektroautos gefördert. Technische Daten Nissan Leaf: Elektromotor • 80 kW (109 PS) • max. Drehmoment 280 Nm • Lithium-Ionen-Batterien • Bremsenergie-Rückgewinnung • stufenloses Automatikgetriebe • Vorderradantrieb • L/B/H 4450/1770/1550 mm • Gewicht 1580 kg • Kofferraum 340 l • 0–100 km/h in 8 s • Spitze 155 km/h • Reichweite ca. 160 km • Preis 34.000 Euro.
Georg Kacher

Georg Kacher

Fazit

Bravo, Nissan! Der Leaf ist keine faule Mischung aus schwerer Sumo-Statur und Spatzenherz, sondern ein gelungener, sogar bedingt autobahntauglicher Familienstromer. Aber 34.000 Euro sind viel Geld für ein reines Umwelt-Gewissen.

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