Nissan Micra (1993-2002)

Gebrauchtwagen Nissan Micra Gebrauchtwagen Nissan Micra

Nissan Micra (1993-2002)

— 25.02.2002

Stark, der Kleine

Wahre Größe kommt von innen: Der kleine Nissan Micra profitiert im Alter von seiner zuverlässigen Technik. Ein starker Typ, den so leicht nichts erschüttern kann.

Karosserie und Technik

Siegertypen stellen wir uns anders vor. Mit viel PS, sportlicher Note und markantem Design. Nichts von alledem bietet der Nissan Micra – und zählt trotzdem (oder gerade deshalb) zu den Glückskindern im Gebrauchtwagenhandel.

Denn der pummelige Japaner made in England gehört zu den solidesten Fahrzeugen seiner Klasse. Beim TÜV gilt der Micra als Mängelzwerg, und auch in der ADAC-Pannenstatistik liegt er auf den vorderen Plätzen. "Nissans Micra ist der Beste" lautete auch schon das Ergebnis im großen AUTO BILD-Kleinwagenvergleich 1993. In der Ein-Liter-Version siegte der damalige Debütant in drei von fünf Disziplinen: Motor/Getriebe, Fahrkomfort und Kosten. Doch hält der kleinste Nissan auch im Alter, was er verspricht? Diese Frage musste ein vier Jahre altes Modell mit knapp 110.000 Kilometern auf dem Tacho beantworten.

Der optische Eindruck: tadellos. Glänzender Lack und kein Rostfleck am verzinkten Rahmen. Ob er von innen wohl auch noch so schier aussieht? Im Halbjahrestest über 50.000 Kilometer anno 1995 enteckten wir immerhin Schnittkantenrost am hinteren Querträger. Dramatischer, aber nicht wirklich tragisch präsentiert sich das Auspuffende. Schon bei vorsichtiger Berührung krümeln braune Brocken aus den Blechnähten. Kein Wunder, dass der TÜV ab dem fünften Lebensjahr überdurchschnittlich häufig den Austausch fordert. Außer dieser typischen Stadtauto-Krankheit hat der Micra nichts zu verbergen. Stabile Radaufhängungen, solide Lenkhebel und -gelenke sowie fast makellose Bremsschläuche tun über Jahre ihren Dienst.

Antrieb und Verarbeitung

Nur die Wirkung der Fußbremse vorn lässt zu wünschen übrig. Dazu passt die überdurchschnittliche Abnutzung an den Bremsscheiben. Der hohe Verschleiß liegt vermutlich an der schlechten Bremsleistung: AUTO BILD maß Bremswege aus Tempo 100 zwischen 41,2 und 46,1 Metern (1995 und 1999). Wer diese Schwäche einmal gemerkt hat, tritt besonders energisch aufs Pedal und verbraucht entsprechend mehr Material. Warum das Abblendlicht aber so schlecht bei den Hauptuntersuchungen abschneidet, blieb bisher ungeklärt. Falsche Einstellung ist nur ein Wartungsproblem, häufig durchgebrannte Lampen sind ein lästiges Übel. Beim Test-Micra schienen alle Lampen in Ordnung – nur eine Kennzeichenleuchte streikte.

Von echter Arbeitsverweigerung kann beim Getriebe keine Rede sein. Trotzdem hakelte es sich am Testwagen nur so zurecht. Eine Erfahrung, die auch unsere AUTO BILD-Lesertester teilen. Eine typische Altersverschleißerscheinung? Am Neuwagen hatten wir die leichtgängige und recht präzise Schaltung noch gelobt. Aber schon im Halbjahrestest war die Hakelei vor allem im vierten und fünften Gang aufgefallen – eine Fingerspitze Fett an den Gelenken der Schaltübertragung beseitigte es. Nobler geht es natürlich mit dem stufenlosen CVT-Getriebe, das im Micra schon seit 1993 angeboten wird. Ob Automatik oder Schalter, der Motor ist immer gleich: ein quer eingebauter Vierzylinder, wahlweise mit 1,0 oder 1,3 Liter Hubraum. Kettenantrieb statt Zahnriemen klingt beruhigend. Doch AUTO BILD-Leser Dieter Brandt hatte das Pech, schon nach 50.000 Kilometern Ketten und Spanner teuer tauschen lassen zu müssen. In jedem Fall reicht die 55-PS-Version völlig aus, der Verbrauch von sieben bis acht Liter Super ist vertretbar.

War es das? Fast, nur das hakelige Türschloss und die in ihrer Führung kratzende Fahrertürscheibe fielen uns noch auf. Der ADAC indes registriert für alle Baujahre noch feuchte Zündkerzen, abgesoffene Motoren und entladene Batterien. Auch die später eingeführte Wegfahrsperre streikt gern mal, Nissan änderte 95/96 die Transpondertechnik und Antennenverstärker. Fazit: Ein solider Kleinwagen, der nur in wenigen Details schwächelt. Dank seiner robusten Mechanik ist er im Alltag ein richtig starkes Kerlchen.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 10/82 Debüt der ersten Micra-Generation (K10) 1/93 Einführung der Neuauflage (K11) mit runderer Form. Zwei Kat-Benziner: 1.0/55 PS und 1.3/75 PS. Basis ab 17.595 Mark 9/93 Modell Super S (1.3) mit ABS für 24.645 Mark. Erstes von elf Sondermodellen: "Design" mit Stoßfängern in Wagenfarbe 1/95 Fahrer-Airbag und Wegfahrsperre serienmäßig 1/96 leichtes Facelift am Kühlergrill, Gurtstraffer für Vordersitze 3/98 Modellpflege: Grill, Scheinwerfer, zwei Airbags. Diesel: 1.5/58 PS 11/98 ABS serienmäßig 2/03 neue Generation K12

Schwachstellen • Auspuffende mit starkem Rostbefall ist eine typische Verschleißerscheinung kleiner Stadtautos, weil sich zu viel Kondenswasser im Auspuff sammelt • Bremsscheiben sind überdurchschnittlich schnell verschlissen. Da die Bremswirkung vom TÜV häufiger bemängelt wird, scheinen die Fahrer zu energisch reinzutreten • Wegfahrsperren sperrten besonders nach ihrer Einführung 95 nicht nur Diebe, sondern gerne auch Besitzer aus. Nissan änderte die Serie • Tankwarnleuchten waren im ersten Produktionsjahr sehr ungenau • Keilriemen rissen bis 95 öfters und legten die Lichtmaschinen lahm. Nissan änderte das Riemenmaterial

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Nissan Micra 1.0 L, 40 kW/55 PS, Baujahr 1996. Kleiner Nissan – kleine Preise. Reparaturen auf dem Niveau des Ford Ka (50 PS) oder VW Polo (45 PS). Unglaublich günstig: der Kotflügelpreis.

Fazit und Modellempfehlung

Fazit "Klein aber fein: Mehr als 80 Prozent aller Micra passieren den ersten TÜV-Termin ohne Mängel. Auch nach fünf Jahren müssen nur knapp neun Prozent zum Wiederholungs-Check. Bei älteren Modellen registrieren wir jedoch Undichtigkeiten an Motor und Getriebe. Ärgerlicher ist der hohe Bremsenverschleiß und die stark rostanfällige Abgasanlage. Teure 400 Mark kostet der Auspuff ab Kat. Trotzdem: Der Micra profitiert als Gebrauchtwagen von seiner zuverlässigen Mechanik. Pannen und technische Defekte sind selten." Gutachter Gunnar Dahm, TÜV Rheinland/Berlin-Brandenburg

Modellempfehlung Nissan Micra 1.0 (40kW/55 PS) ab 1995

Steuer/Schadstoffklasse: 100 Mark im Jahr/D3 Testverbrauch: innerorts 7,1, außerorts 5,5, Schnitt 6,0/100 km (Super) Versicherung: Vollkasko (15/1000 Mark/SB): 1316 Mark. Teilkasko (18/300 Mark/SB): 216 Mark. Haftpflicht (15): 1064 Mark. (Basis: HDI-Jahrestarife für Regionalklasse Berlin, 100-Prozent-Einstufung) Inspektion/Kosten: alle 15.000 Kilometer, etwa 150 bis 350 Mark Wertverlust: Jahreswagen verlieren rund 25 Prozent, Zweijährige 30 Prozent vom Neupreis (Händlerverkaufspreis), Jahresverlust etwa 1000 Mark

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.