Nissan Micra (1993-2002)

Gebrauchtwagen Nissan Micra Gebrauchtwagen Nissan Micra

Nissan Micra (1993-2003)

— 22.08.2002

Schwer zu bremsen

Sparsam, solide und gebraucht oft ein Schnäppchen: Maxi-Mini Micra. Nur die Bremsen ...

Technik und Marktlage

Was nichts kostet, ist nichts wert, sagt der Volksmund aus Erfahrung. Für den Nissan Micra scheint diese Erkenntnis nicht zu gelten. Gebraucht ist der kleine Japaner nämlich auffallend billig, aber trotzdem gut. Bei der ersten Hauptuntersuchung nach drei Jahren rollen 81,3 Prozent ohne Beanstandung vom TÜV-Hof, damit ist er besser als VW Polo (78,3 Prozent) und Opel Corsa (77,8 Prozent). Und der Wertverlust? Innerhalb von drei Jahren verliert ein Micra 1.0 mit 55 PS etwa 44 Prozent vom Neupreis, damit liegt er zwischen Corsa (46 Prozent) und Polo (38 Prozent). So viel zu den nackten Zahlen.

Die erste Probefahrt sollte über schlechte Straßen führen. Da zeigt sich, wie gut die Verarbeitung ist. Scheppernde Kabelstränge stehen zwar einem langen Autoleben nicht im Wege, können allerdings auch ganz schön lästig werden. Also besser genau lauschen und eventuell die Geräuschkulisse als Preisdrücker verwenden. Wichtiger ist schon ein tadelloser Geradeauslauf. Gerade sollte das Lenkrad stehen, der Wagen nicht zur Seite ziehen. Alles andere wären ein Indiz für eine verstellte Geometrie der Vorderachse.

Das gilt auch für einseitig abgefahrene Vorderreifen, die wir schon bei vielen Micra sehen konnten. Derartige Beschädigungen entstehen beim Einparken und sind wie zerkratzte Aluräder und Stoßfänger relativ teuer zu reparieren. Typisch Stadtauto, diese Feststellung trifft auch auf die TÜV-Zahlen im Bremskapitel zu. Hier ziehen die Prüfer immer wieder die rote Karte und schicken den Micra in die Werkstatt. Abgenutzte Bremsklötze, eingelaufene Bremsscheiben – diese Teile scheinen hier etwas kurzlebig konstruiert zu sein. Eine alte Micra-Krankheit, denn der Vorgänger des von uns getesteten Micra (Typ K11) zeigte hier auch schon Schwächen. Die einfache Konstruktion erlaubt dem Schrauber aber einen raschen Wechsel dieser Verschleißteile, Bremsen und Klötze kosten etwa 250 Euro.

Motor und Karosserie

Stadtfahrten gehen zwar an die Substanz, Vollgas auf der Autobahn kann der Micra aber noch weniger leiden. Vor allem die kleinen Benzinmotoren neigen zur Überhitzung. Die Dichtung ist für den Micra 1.0 mit 37 Euro zwar recht günstig, allerdings benötigt der routinierte Marken-Mechaniker knapp sieben Stunden für den Austausch. Und damit wird es je nach dem Preis pro Arbeitsstunde richtig teuer. Öl im Kühlmittel oder am Motorblock ist jedenfalls ein Anzeichen, das eine Prüfung dieser Dichtung sinnvoll macht.

Einfacher sind die Scheinwerfer zu prüfen. Beim TÜV ernten die Lichtquellen immer wieder Kritik, nur bei Dreijährigen ist der Micra besser als der Durchschnitt aller vom TÜV geprüften Autos dieser Altersklasse. Einen weiteren roten Balken zeichnen die Prüfer in das Diagramm für Korrosion an Rahmen und tragenden Teilen, ab dem fünften Jahr ist der Micra hier nicht mehr makellos. Wer vorsorgt und nachträglich Unterboden- und Hohlraumschutz aufbringt, der kann der braunen Pest mit wenig Geld jedoch vorbeugen. Lässt sich das Getriebe nicht mehr leicht und präzise schalten, ist nicht immer ein teures Austauschgetriebe (ca. 2200 Euro) notwendig. Oft reicht auch ein Getriebeölwechsel, und schon flutscht der Schalthebel wie gewohnt in seine Bahnen. Wenn wieder einmal die Wegfahrsperre streikt, bringt das aber auch nicht viel. Diese Sperre kann auch der Laie einfach testen. Einfach den Schlüssel in Alu-Folie einwickeln und drehen. Springt der Motor trotzdem an, lohnt eine Fahrt zum Nissan-Mechaniker.

Ein typisches Micra-Leiden sind die lahmen Gurtaufroller. Verschwindet der schwarze Lebensretter nicht wie gewohnt in seiner Rolle, dann wird er leicht in der Tür eingeklemmt. Besser wird er dadurch nicht, deshalb den Aufroller sicherheitshalber austauschen lassen. Denn an Sicherheit sollte man niemals sparen. Sparpotenzial gibt es an anderer Stelle genug: Selbst bei ambitionierter Fahrweise verlangt der Motor kaum mehr als sechs Liter, wenn es der 1.0 ist. Dieser Motor ist unsere erste Wahl, seine Leistung reicht vollkommen. Der Dieselmotor gilt als sehr solide, allerdings rechnet er sich nur in den seltensten Fällen. Und damit passt er eigentlich gar nicht mehr zum kleinen Nissan.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 10/82 Einführung des ersten Nissan Micra in Deutschland (K10) 1/93 Der K10 wird durch den Micra K11 abgelöst, rundere Formen; zwei Kat-Benziner, 1.0 mit 54 PS, 1.3 mit 75 PS 9/93 Modell Super S (1.3) mit ABS. Lackierung der Stoßfänger in Wagenfarbe 1/95 Fahrer-Airbag und Wegfahrsperre serienmäßig 1/96 Leichtes Facelift am Kühlergrill, Gurtstraffer für Vordersitze 3/98 Modellpflege: Grill, Scheinwerfer, zwei Airbags. Diesel: 1.5 D 3/98 ABS serienmäßig 2/03 neue Generation K12

Schwachstellen • Rost an Rahmen und tragenden Teilen nehmen die Freude am Auto, eine vorbeugende Hohlraumversiegelung und ein nachträglicher Unterbodenschutz schützen vor unangenehmen Überraschungen • die Beleuchtungsanlage verdient etwas Pflege, regelmäßige Kontrolle der Abblendlicht- Einstellung und der Funktion schadet nicht • die Bremsscheiben der Vorderachsen verschleißen auffallend rasch • hakelige Getriebe werden häufig von unseren Lesern kritisiert • ebenso durchgebrannte Zylinderkopfdichtungen nach langer Vollgasfahrt • sehr selten sind Mängel an der Auspuffanlage zu beheben • ärgerlich und nur schwer in den Griff zu bekommen sind klappernde Kabelbäume, mit diesen Geräuschen muss man sich meistens für immer abfinden

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Nissan Micra 1.0 (40 kW/54 PS), Baujahr 1998. Auch der Nissan Micra muss sich bei den Ersatzteilpreisen Kritik gefallen lassen, für einen Kleinwagen sind die Preise auffallend hoch.

Fazit und Modellempfehlung

Fazit "Bei unseren Hauptuntersuchungen ist der Nissan Micra ein sehr unauffälliger Kandidat. Nach dem fünften Jahr entdecken wir wiederholt Korrosion an Rahmen und tragenden Teilen, ebenso sorgt die häufig unzureichende Bremswirkung an der Hinterachse immer wieder für Kritik. Die Einstellung des Abblendlichts wird häufig moniert. Die starke Seite des Micra: Selten bereitet bei den Drei-, Fünf- und Siebenjährigen die Abgasanlage Kummer." Werner Lyrmann, Gutachter TÜV Rheinland/Berlin-Brandenburg

Modellempfehlung Nissan Micra 1.0 (40 kW/54 PS)

Steuer/Schadstoffklasse: 51 Euro im Jahr/D3 Testverbrauch: Werksangabe 6,0 Liter, gemessen 6,7 Liter (Super) Versicherung: Vollkasko (15/500 Euro SB): 645 Euro. Teilkasko (21/150 Euro SB): 131 Euro. Haftpflicht (13): 743 Euro (Basis: HUK-Jahrestarife für Regionalklasse Berlin, 100 Prozent) Inspektion/Kosten: 15.000 Kilometer, etwa 150 bis 250 Euro Wertverlust: Dreijährige verlieren rund 43 Prozent vom Neupreis (Händlerverkaufspreis), danach jährlich um 700 Euro Verlust

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