Erste Ausfahrt mit dem Nissan Micra CC

Nissan Micra CC Nissan Micra CC

Nissan Micra CC

— 25.10.2002

Klappt garantiert

Mit dieser Studie fragt Nissan: Wollt ihr den Micra als Hardtop-Cabrio? Die Antwort nach der ersten Ausfahrt: Nicht fragen, bauen! Damit können die Japaner nun wirklich nichts falsch machen.

20-sekündiger Mini-Strip

Ach, der Kleine – sie alle hatten ihn zum Knuddeln lieb. Die Händler, weil der Micra bis zuletzt Nissans Verkaufshit war, die Auto-Tester nannten ihn gar den "japanischen Mini". Und erst die Damen! Es soll Frauen geben, die den Micra am liebsten aufs Blech geküsst und gefragt hätten: Zu dir oder zu mir?

Im Januar 2003 erscheint der neue Micra. Auf den ersten Blick sehr kühl-modern, wäre da nicht dieser verräterische Augen-Aufschlag. Was wir von diesem Herzensbrecher künftig noch erwarten dürfen, zeigt Nissan gerade mit einem Show-Mobil, das exklusiv für AUTO BILD erstmals englische Straßenluft schnuppern durfte: dem Micra CC.

Das Kürzel steht für Cabrio Coupé oder besser für den derzeit umwerfendsten Enthüllungs-Trick: das elektrisch betätigte Hardtop. In einem 20-sekündigen Mini-Strip zieht sich das Autochen sein festes Dach von den Schultern und steht mit entwaffnender Offenheit da.

Sicher wie ein Pantoffelheld

Im Sommer ein Luftikus, wintertags wärmend und sicher wie ein Pantoffelheld – so sieht der Cabrio-Spaß im dritten Jahrtausend aus. Wer zweifelt da noch am Erfolg des Micra CC?

Offiziell nur Nissan. Die ewig zaudernden Japaner haben den Serienstart noch nicht beschlossen und sprechen bislang nur von einer "Design-Studie". Was schert es das Publikum in Paris und gerade auf der Birmingham Motor Show, wo es "oooh" und "aaah" macht aus offenen Mündern, wenn der Micra am Messestand seine Dachteile akkurat in den Kofferraum faltet?!

Die Show kennen wir vom Peugeot 206+ CC. Das Auto verkauft sich in ganz Europa von allein, die Franzosen kommen mit dem Bauen kaum nach. In gut zwei Jahren haben sie 149.500 Exemplare produziert – Konkurrenten sind weit und breit nicht zu sehen. Das nächste günstige Cabrio-Coupé, das auf den Markt kommt, muss so begehrt sein wie Sonnenschirme auf Mallorca: der garantierte Erfolg.

Klobiges Heck im Siebener-Stil

Den peilt Nissan mit frischem Selbstbewusstsein an. Carlos Ghosn hat die Marke im Rekordtempo wieder belebt, da setzt der energiegeladene Nissan-Chef neue Ziele: bis 2004 rund 20 Prozent mehr Absatz in Europa, acht neue Autos und vor allem solche, die wir lieben werden.

Wie bitte, Liebenswertes von Nissan? Der Micra ist so einer. Der Sportwagen 350 Z (Herbst 2003) auch. Erst recht die Serienversion des kleinen Cabrio-Coupés. Das ist bis zur Gürtellinie ein Micra und duckt sich mit seinem zweiteiligen Dach (in der Studie noch Glasteile) sportliche 8,5 Zentimeter flacher. Die Kehrseite der modernen Falttechnik ist wieder einmal ein leicht klobiges Heck im Siebener-Stil – irgendwie endeten Cabrios mit weichem Dach früher um Meilen eleganter.

Das Micra-Dach stammt wie beim Peugeot 206 CC vom französischen Spezialisten Heuliez (der baute früher die Citroën-Kombis), funktioniert aber einen entscheidenden Tick klüger. Die beiden Teile falten nicht gegeneinander wie beim 206, sondern liegen wie die Löffelchen im Besteckkasten – das spart Platz und schafft mindestens 200 Liter Kofferraum, bei geschlossenem Dach 310 Liter. Mit Durchlade-Luke sind sogar 400 Liter versprochen, die reichen Paaren schon fürs Reisegepäck. So reift das Cabrio, der geborene Lebensabschnittsgefährte, endgültig zur Dauerbeziehung.

Unsichtbare Technik von Renault

Die CC-Studie glänzt innen mit Gimmicks wie perlmuttfarbenen Schalterringen oder Türverkleidungen im Schlangenhaut-Imitat. Alles nur Show. Das Messe-Mobil knackt beim Rangieren kräftig im Dach-Gebälk, das ruft noch nach reichlich Entwicklungsarbeit und steiferem Blech.

Fest steht, dass der Micra unsichtbare Technik mit dem nächsten Clio teilt, von der Fahrwerk-Elektronik samt ESP bis zu den modernen Common-Rail-Dieseln von Renault. Statt des 1,4-Liter-Benziners (88 PS), der in der Studie steckt, ist in der Serie vieles möglich. Auch die kleinen PS-Kracher bis zum künftigen 200-PS-Benziner? Kaum denkbar, denn der Micra will die Freundlichkeit selbst sein. Freundliche Augen, freundlich beim schlüssellosen Türöffnen (Extra), freundliche Peilknubbel auf den Scheinwerfern zum Rangieren.

Weniger freundlich, dass die Fondsitze wieder einmal nur als Strafbank taugen und dass die weit nach hinten gezogene A-Säule beim Einsteigen auf den Kopf zielt. Das Auto aber zielt aufs Herz, wir empfehlen Nissan: Baut ihn! Für den Micra wirbt ein neuer Internet-Comic (www.micra.de), dessen Ende die Leser interaktiv mitbestimmen können. Der Erfolg der Cabrio-Studie scheint glasklar – jetzt müssen nur noch Nissans Sonnengötter mitspielen.

"Wir bauen keine Langweiler mehr"

Kaum zu glauben, aber Nissan hat die Produktion des Micra CC noch nicht beschlossen. AUTO BILD fragte Mario Canavesi, den Vizepräsidenten für Verkauf und Marketing in Nissans Europa-Zentrale in Paris.

AUTO BILD: Wann kommt der Micra CC? Mario Canavesi: Wir arbeiten mit Hochdruck an der Frage, aber es gibt keine Entscheidung. Offen ist auch, wo und mit welchem Partner das Fahrzeug gebaut werden kann. Aus jetziger Sicht kommt das Auto frühestens in zwei bis drei Jahren. Ich möchte es gerne 2004 anbieten.

Warum so spät? Nissan hat hohe Ansprüche an die Qualität, bis zur Produktionsreife ist noch viel Entwicklung nötig. Außerdem muss bei uns jedes Modell Gewinn abwerfen, und wir kalkulieren in Europa mit 20.000 Verkäufen jährlich.

Ist ein Export nach Japan geplant? Wir überlegen tatsächlich, das Auto dorthin zu bringen, schließlich feiert der neue Micra schon seit März in Japan große Erfolge.

Nissan war bislang nicht gerade für Herzblut-Autos bekannt. Plant die Marke einen Image-Wandel? Stimmt, unsere Stärken lagen eher in der Qualität und robuster Technik. Das Design wurde nicht von Fachleuten festgelegt, sondern von Gremien. Das soll sich ändern, und der Micra wird ebenso dazu beitragen wie schon der Primera und ab Herbst 2003 der neue Sportwagen Z350. Wir wollen eben keine langweiligen Autos mehr bauen.

Statt 483.000 Autos will Nissan in Europa 100.000 Fahrzeuge mehr verkaufen. Sehr ehrgeizig. Ja, aber durchaus machbar. Ein Drittel bringt der neue Micra, ein Drittel neue Nutzfahrzeuge wie der Primastar und den Rest moderne Diesel, die Renault liefert.

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