Gebrauchtwagen-Test Nissan Pathfinder II

Nissan Pathfinder Nissan Pathfinder Nissan Pathfinder

Nissan Pathfinder II: Gebrauchtwagen-Test

— 06.10.2017

Gut gedacht, schlecht gemacht

Ein großer, stabiler Gebraucht-Geländewagen für wenig Geld? Da bietet sich der 2015 eingestellte Pathfinder an. Oder doch nicht, wegen vieler Mängel im Detail? AUTO BILD ALLRAD klärt auf.

Deutschland war begeistert, als Nissan im Jahr 2004 den neuen Pathfinder vorstellte. Zum attraktiven Preis von nur 33.900 Euro bekam man beim Vertragshändler einen modernen und komfortablen Geländewagen mit 174 PS starkem 2,5-Liter-Turbodiesel, permanentem Allradantrieb plus Untersetzungsgetriebe, großem Laderaum, bis zu sieben Sitzplätzen, 700 Kilogramm Zuladung und drei Tonnen Anhängelast. Und in diesem Preis waren Klimaautomatik, 17-Zoll-Aluräder, ESP und sechs Airbags bereits enthalten. Kein Wunder, dass die Nissan-Händler sich über großes Gedränge in ihren Ausstellungsräumen freuen konnten.

Gebrauchtwagensuche: Nissan Pathfinder

Das Vertrauen der Kunden wurde verspielt

Billige Detailqualität: Die Beschaffenheit von Sensoren, Befestigungen, Schaltern und Kunststoffen ärgert die Pathfinder-Fahrer.

Doch die Freude der Vertragswerkstätten war nur von kurzer Dauer. Denn schon bald kamen die ersten Pathfinder-Fahrer mit ihren Autos für Garantiereparaturen zurück: Klappergeräusche allerorts, zirpende Verkleidungen, brechende Kunststoffe und verschiedene elektrische Störungen verärgerten die Kunden. Wie unsere Fragebogenaktion zu dieser zweiten Generation des Pathfinder zeigt, ist der Ärger im Prinzip auch heute noch da. Zahlreiche Kleinigkeiten, die ihre Ursache offenbar in Sparmaßnahmen der damaligen Produktion haben, verärgern die Besitzer. Im spanischen Nissan-Werk in Barcelona, wo nach der Produktionseinstellung des Pathfinder heute nur noch der eng mit dem Pathfinder verwandte Pickup Navara produziert wird, regierte der Rotstift: Billige Detailqualität von Sensoren, Befestigungen, Schaltern, Kunststoffen und Korrosionsschutz bringt zwar kurzfristigen Konzerngewinn, aber schon mittelfristig dramatisch sinkende Verkaufszahlen. Man darf das Vertrauen der Kunden nicht verspielen. Der Pathfinder ist dafür ein Paradebeispiel: Im ersten vollen Verkaufsjahr konnte Nissan allein in Deutschland beeindruckende 2439 Pathfinder absetzen, im letzten Verkaufsjahr 2015 waren es dagegen gerade noch 235 Stück – traurig.
Überblick: Alles zum Nissan Pathfinder

Sparwahn verursacht den GAU: Wasser im Automatiköl

Der 2.5-Vierzylinder-Turbodiesel ist ein echter Nissan-Motor und basiert auf dem 2.2-Diesel des Nissan X-Trail. Er hält lang.

Zwei tragische Beispiele für die Folgen der Geizhalspolitik: Rost an der Heckklappe. Der kommt von der unpräzise gefertigten Griffblende, die schon beim Montieren im Werk Lack und Grundierung ankratzt. Dann bessert Nissan nach – mit zweifelhaften Maßnahmen wie Gummistückchen und Folie. Zweites Beispiel, diesmal aber richtig tragisch: Durch den Ölkühler des (aufpreispflichtigen) Automatikgetriebes läuft auch eine Leitung des Kühlwasserkreislaufs des Vierzylinder-Dieselmotors. Konstruktiv gut, weil dadurch das Öl schneller warm wird und damit die Automatik bei Kälte komfortabler schaltet. Aber wenn man zur Kostensenkung den Kühlerzulieferer derart drückt, dass dieser miserable Leitungsqualität liefert, sodass die Wasserleitung im Laufe der Jahre trotz Einsatz korrekten Kühlmittels durchrostet, dann kommt es zum GAU: Wasser im Automatiköl, unrettbar verklumptes Getriebe, oft wirtschaftlicher Totalschaden.

Ein Artikel aus AUTO BILD ALLRAD

59 Prozent wollen zu einer anderen Marke wechseln

Da sind andere Störungen am 2.5-Diesel wie klemmende Abgasrückführungsventile, verstopfte Rußfilter und defekte Drucksensoren für die offenbar stets bemühten Nissan-Werkstätten gut lösbare Kleinigkeiten. Das Gleiche gilt für die billigen Radlager und minderwertigen ABS-Sensoren und deren Sensorringe oder die ebenfalls minderwertige Kupplung und das minderwertige Schwungrad. Die Nissan-Händler erhalten aber selbst von leidgeprüften Pathfinder-Besitzern erstaunlich gute Beurteilungen. Insgesamt 68 Prozent sind mit deren Arbeitsleistung zufrieden. Weil den Pathfinder-Fahrern die konstruktiven Eigenschaften ihres Autos so gut gefallen, setzt es Kritik praktisch nur aufgrund von Rost und Qualität. Dennoch tragisch für Nissan: 59 Prozent wollen der Marke den Rücken kehren.

Erfahren Sie mehr zum gebrauchten Nissan Pathfinder in der Bildergalerie!

Gebrauchtwagen-Test Nissan Pathfinder II

Nissan Pathfinder Nissan Pathfinder Nissan Pathfinder


Martin Braun

Martin Braun

Fazit

Mit kleingeistigem Geiz bei der Qualität kann man ein Markenimage schnell ramponieren. Der gut konstruierte, aber von schlechter Detailqualität gebeutelte Pathfinder II ist ein Paradebeispiel dafür. An alle: bitte daraus lernen!

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