Gebrauchtwagen-Test Nissan Patrol

Nissan Patrol Nissan Patrol Nissan Patrol

Nissan Patrol: Gebrauchtwagen-Test

— 11.07.2016

So fit ist der Patrol als Gebrauchter

Man sieht den dicken Japaner hierzulande immer seltener. Er wirkt heute schon fast klassisch-robust. Für den Gebrauchtkäufer birgt er aber arge Risiken.

Ein Nissan Patrol genießt nicht den Kultfaktor eines Land Rover Defender. Das sieht man an den Bestellungen im jeweils letzten Verkaufsjahr. Beim Briten gingen die Verkäufe zum Produktionsschluss im Januar 2016 nach oben; viele wollten sich noch eines der letzten Exemplare sichern. Und beim Patrol? Da lief der Export nach Europa im Jahre 2008 aus – aber nur ganze 67 deutsche Käufer konnten sich in jenem Jahr noch für den Japaner mit seiner bis ins Jahr 1951 zurückreichenden Tradition erwärmen. Das ist fast schon peinlich. Weil Nissan bereits ab 2005 nie mehr als 1000 Patrol pro Jahr in Deutschland verkaufen konnte, sind ausgerechnet die letzten Modelljahrgänge die seltensten. In den guten Jahren um 2000 herum waren es noch rund 3000 Exemplare – allein in Deutschland. Das führt auf dem heutigen Gebrauchtmarkt dazu, dass man ältere Patrol weit öfter findet als jüngere. Dies gilt umso mehr, als sich damals gegen Ende der Patrol-Zeit fast nur noch Liebhaber und Überzeugungstäter für den dicken Japaner entschieden haben. Und solche Leute verkaufen ihr Auto selten, sie behalten es lieber zehn Jahre und länger.

Gebrauchtwagensuche: Nissan Patrol

Bei der Besichtigung auf Rost am Boden achten

Praktisch: Dank der stattlichen Bodenfreiheit kann man sich für einen Check auch ohne Hebebühne bequem unters Auto legen.

Bei den häufiger angebotenen älteren Patrol ist jedoch besondere Vorsicht geboten. Vor allem wegen Korrosion. Der Patrol war ab Werk nie besonders gut gegen Rost geschützt. Die Vorsorge verbesserte sich zwar anlässlich der großen Modellpflege zum Modelljahr 2004, war aber auch dann nicht wirklich gut. Deshalb gilt es trotz des üppig dimensionierten Leiterrahmens, die Unterseite genau auf Rost zu untersuchen. Dabei hilft die ordentliche Bodenfreiheit (210 mm unter den Starrachsen). Man kann sich auch ohne Hebebühne einfach unter das Auto legen und sieht alles.
Überblick: Alles News und Tests zum Nissan Patrol

Der Turbodiesel will sanft behandelt werden

Der 3.0-Vierzylinder-Turbodiesel klingt wie ein Traktor, hält aber nur bei guter Pflege auch so lange.

Zweite große Problemzone des Patrol ist der von Nissan in Europa verwendete Turbodieselmotor. In den ersten beiden Baujahren lief noch der ursprünglich aus dem Nissan-Pkw Laurel stammende Reihensechszylinder mit 2,8 Liter Hubraum und antiker Wirbelkammer-Einspritzung. Ab 2000 kam dann der hart nagelnde 3.0-Vierzylinder mit Direkteinspritzung. Beide Motoren haben ihre liebe Not mit dem als Viertürer 2,5 Tonnen schweren Patrol. Der 3.0 Di verabscheut überdies Drehzahlen über 3000 Touren. Vollgasfest sind beide Diesel nicht. Beide Motoren danken schonende Fahrweise mit langer Lebensdauer, andernfalls rächen sie sich mit durchgebrannter Zylinderkopfdichtung, gerissenem Zylinderkopf oder defektem Turbolader. In Verbindung mit dem Automatikgetriebe ist die Überlebenschance des 3.0 Di auf deutschen Autobahnen übrigens größer. Denn die vierte Stufe der Automatik ist drehzahlsenkender übersetzt als der fünfte Gang des Schaltgetriebes. Allerdings erhöht die altertümliche Automatik den Dieselverbrauch im Innerortsverkehr um gut 1,5 Liter/100 km. Doch man muss realistisch bleiben: Zwar werden solche Schäden am Dieselmotor vor allem in Internetforen heiß diskutiert, doch in Wahrheit sind die Fallzahlen nicht so dramatisch: Bei unserer Umfrage unter Patrol-Besitzern berichteten 18 Prozent von Schäden, oft auch erst bei Kilometerständen ab 200.000. Viele Exemplare erreichen aber auch 300.000 km ohne Schaden.

Die Versicherungsklassen sind ärgerlich hoch

Fahrwerk, Bremsen und Zuschaltallradantrieb präsentieren sich als robuste Kollegen und halten prima durch.

Zum Glück sind die argen Problemzonen des Patrol damit aber auch schon aufgezählt. Das robuste Fahrwerk mit zwei schraubengefederten Starrachsen hält ebenso gut durch wie die soliden Bremsen, der simple Zuschaltallradantrieb und die ordentliche Elektrik. Kritik von den Fahrzeugbesitzern gibt es dennoch, meist aber wegen der hohen Versicherungsklassen (31 Prozent). Sie wurden in den letzten Jahren – wohl wegen des zunehmenden Liebhaberstatus – niedriger, sind aber immer noch auf hohem Niveau. Manche Patrol-Besitzer hadern auch mit den Nissan-Werkstätten. Nur 71 Prozent sind mit deren Arbeitsleistung zufrieden. Nicht wenige Patrol-Fahrer unterstellen den Vertragshändlern mangelhafte Kenntnisse der Patrol-Technik, andere mangelhaftes Engagement für diesen inzwischen doch in die Jahre gekommenen Geländewagen.

Ein Artikel aus AUTO BILD ALLRAD

Wie oft bei Autos ohne direkten Nachfolger herrscht bei der Frage nach dem nächsten Fahrzeug Verunsicherung. Das trifft offenbar auch auf die Patrol-Besitzer zu. Der eigentliche Nachfolger gleichen Namens ist ein nur in den USA und im arabischen Raum verkaufter Komfort-Offroader mit 5.6-V8-Benziner. Den in Europa jüngst eingestellten Pathfinder 2.5 D haben die Patrol-Eigner noch nie als Nachfolger gesehen. Da Nissan in Europa keine großen Geländewagen und SUVs mehr anbietet, wenden sich die meisten Patrol-Fahrer von der Marke ab. Über 50 Prozent wollen zu Toyota oder Mitsubishi wechseln.

Gebrauchtwagen-Test Nissan Patrol

Nissan Patrol Nissan Patrol Nissan Patrol
Martin Braun

Martin Braun

Fazit

Freunde des klassischen Maschinenbaus kommen beim Patrol auf ihre Kosten. Doch Vorsicht! Er ist nicht so robust, wie er aussieht. Rost sowie Schäden an den nicht vollgasfesten Dieselmotoren bergen ein hohes Risiko für den Gebrauchtkäufer.

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