Nissan Primera 1.8 acenta

 Nissan Primera 1.8 acenta  Nissan Primera 1.8 acenta

Nissan Primera 1.8 acenta

— 22.03.2002

Nissan tanzt aus der Reihe

Schluss mit dem Einheits-Design. Der neue Primera schert formal mutig aus. Reicht das bereits für die Überholspur?

Autofahrer fürchten sich vor Glatteis, Nebel, Radarkontrolle - und vor dem Gedanken, beim Rückwärtsfahren etwas zu übersehen. Nicht auszudenken, wenn dabei mehr als Blechschaden entsteht. Diese Urangst, die seit der Erfindung des Automobils besteht, will Nissan uns jetzt nehmen. Als erster Hersteller bauen die Japaner in die Kofferraumklappe ihres neuen Primera serienmäßig eine Mini-Kamera ein. Lediglich dem Basismodell visia fehlt das Auge am Heck ab Werk. Die Multimedia-Show beginnt, sobald der Rückwärtsgang eingelegt wird. Automatisch zeigt die Kamera auf einem großen Bildschirm in der Mittelkonsole, was sich hinterm Auto abspielt. Zwar nur in Schwarzweiß und wegen des Weitwinkeleffekts verzerrt. Doch dafür können künftige Primera-Fahrer beruhigt zurücksetzen. Den toter Winkel hat Nissan fast beseitigt. Zumindest am Heck.

Nissans N-Form - besser als BMWs iDrive

Schöner Schein: Hinter der auffälligen Schale steckt leider nur ein durchschnittliches Auto.

Anders am Bug. Vom Fahrersitz aus gesehen, hört der Primera an den Scheibenwischern auf. Die Motorhaube verschwindet im Nirwana, ich sehe nichts von ihr. Das macht den Primera zwar etwas unübersichtlich und unpraktisch beim Rangieren, ist aber das Resultat einer kühnen Design-Idee. Nissan versetzt das klassische Stufenheck in Fluss. Monosilhouette nennen sie ihr fließendes Design, bei dem Hauben sowie Front- und Heckscheibe ineinander übergehen. Ich nenne es einfach schick. Endlich mal eine japanische Großserienlimousine, die nicht aussieht, als komme sie aus einem sterilen Gen-Labor. Nissan liefert damit den Beweis, dass Massenprodukte nicht wie Massenware aussehen müssen. Genauso mutig gestaltet Nissan den Innenraum. Für mein Empfinden zu mutig, denn mir sind Anzeigen hinter dem Lenkrad – also direkt im Blickfeld – immer noch lieber als zentral angeordnet in der Mitte des Cockpits.

Zumal die drei Rundinstrumente bildschön gestaltet sind. Mit herrlichen Zifferblättern und Aluminium-Ringen als Umrandung. Jede Wette, dass wir diese Anzeigen ganz ähnlich auch im Sportwagen Nissan Z wiederfinden werden. Wahrscheinlich auch das Bedien-Zentrum N-Form. Übersetzen lässt sich dieser Begriff nicht. Wozu auch? Alles erklärt sich von selbst. Nissan hat die Bedienung für Radio, Navigation, Klimaregelung auf einem Tableau zusammengeführt. Auf einem Display darüber kann ich alle Informationen ablesen. Bedient wird das Ganze mit einem kleinen Joystick. Das Wichtigste aber: Die Menü-Führung erweist sich als ebenso einfach wie einleuchtend. Damit kommen selbst diejenigen klar, die daheim ihren Videorecorder nicht programmieren können. N-Form lässt sich wesentlich einfacher handhaben als das iDrive von BMW.

Fehlender Feinschliff beim Fahrkomfort

Das neue Bedienungssystem ist eines der Highlights des Primera: übersichtlich, leicht verständlich, optisch gelungen.

Eigentlich recht überzeugend, wie der Primera sich außen und innen darstellt. Nicht zuletzt sorgen dafür auch seine üppige Ausstattung, ausreichende Platzverhältnisse, ansprechende Materialien und eine gute Verarbeitung. Doch der erste – gute – Eindruck trügt ein wenig. Schlecht befestigte Verkleidungen im Kofferraum mögen noch als Schönheitsfehler durchgehen, seine Fahrwerkschwächen wiegen schwerer.

Dem Primera fehlt es an Feinschliff beim Fahrkomfort. Bei voller Beladung wirkt die Federung überfordert. Für ein Familienauto ist das ein Unding. Ebenso untypisch: die hakelige Schaltung. Das kennen wir von Nissan besser. Besser wäre auch gleich der Zweilitermotor, denn unser 1800er mit 116 PS müht sich heftig, um den Primera in Schwung zu bringen. Dazu wird er bei höheren Drehzahlen unerfreulich laut, und mit 9,4 Liter Testverbrauch zählt der 1.8 auch nicht zu den Sparsamsten dieser Klasse. So relativiert sich der erste Eindruck: Hinter dem schönen Design steckt leider nur ein durchschnittliches Auto.

Fazit und Zeugnis

Fazit Nissan tanzt aus der Reihe: beim Karosserie-Design ebenso wie beim Styling des Interieurs oder beim modernen Bediensystem N-Form. Das verdient Lob. Doch ein durchzugsschwacher Motor, eine unharmonische Federung sowie weitere kleine Schwächen trüben das Bild. Schöne Schale allein reicht nicht. Um Ball-Königin in der Mittelklasse zu werden, muss Nissan noch einige Tanzschritte dazulernen.

Technische Daten und Ausstattung

Der neue Nissan Primera gefällt durch frisches Design und durch sein liebevoll gestaltetes Interieur. Technisch hat er allenfalls den Anschluss an die harte Konkurrenz wie Laguna, Mondeo und Passat geschafft. Akzente kann er aber in keiner Fahrdisziplin setzen. Dafür bietet er Extras, die die Konkurrenz nicht hat: Das neuartige N-Format-Bedienungssystem (viel besser als iDrive von BMW), das stufenlose Hypertronic-CVT-Getriebe für den 2.0 und die Rückfahrkamera zum leichteren Einparken (ad acenta). Ein Auto für Freunde sichtbarer Innovationen.

Preise und Kosten

Der Nissan Primera acenta hat zwar einen stolzen Grundpreis, dafür bietet er eine äußerst umfangreiche Serienausstattung.

Punktetabelle

Mittelklasse, aber kein Mittelmaß: kurze Bremswege nicht zuletzt als Folge der großzügigen 16-Zoll-Serienausstattung. Weitere Sicherheit bringt der serienmäßige Notbrems-Assistent.

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