Nissan Primera (1995 -1999)

Gebrauchtwagen Nissan Primera Gebrauchtwagen Nissan Primera

Nissan Primera (1995-1999)

— 25.02.2002

Beckers Bester

Das strahlt der Händler und der Kunde ebenfalls. Der Nissan Primera ist ein Musterknabe, kriegt überall Bestnoten.

Karosserie und Motor

Autos wie der Nissan Primera sind die Lieblinge des Autohändlers: Sie werden verkauft, lassen sich nur zu den Inspektionen sehen und werden dann für einen Neuen in Zahlung gegeben – um den Kreislauf von vorn zu beginnen. Der Preis für diese solide Bodenständigkeit: Uniformität. Oder anders ausgedrückt: die Gewißheit, in einer grauen Maus unterwegs zu sein.

Womit jedoch nichts über die sogenannten inneren Werte gesagt ist. Denn die können beim Primera voll und ganz überzeugen. Immerhin überstand der Japaner einen 100.000-Kilometer-Dauertest bei bester Gesundheit und ohne klappernde Nebengeräusche. Rost ist höchstens an zusammengepfuschten Unfallwagen zu finden oder an vermurksten Tuning-Lieblingen wie unserem Fotoauto. Dort waren zur Aufnahme extremer Breitreifen die Kotflügel mit einem Vorschlaghammer geweitet und schludrig gebördelt worden – was auch den Rostteufel freute.

In der Mittelklasse verkaufen sich mittlere Kaliber am besten. Beim Primera gibt es da eine klare Empfehlung: Zwei Liter und 115 PS sollten es sein. Das sind zwar beim viertürigen SLX zweieinhalb Tausender mehr, aber das Fahrvergnügen (im Gegensatz zum ruckeligen 1,6-Liter) hält dafür ein Autoleben lang. Am unteren Ende rangiert ein Diesel, der aus zwei Litern Hubraum nur 75 PS holt. Da diese weder spritzig noch sparsam zu Werke gehen, bleiben sie ein Fall für unverbesserliche Nagelfans.

Technik und Qualität

Als Papischaukel im Jogginganzug gilt der Primera GT, dessen 150 Pferde allerdings selten geordert werden. Typische Mängel sind die Ausnahme, abgesehen von den ewigen Ruckeleien des 1,6-Liters. Ein paar undichte Wasserbehälter, dadurch verbrannte Kopfdichtungen, das war's schon. Alles andere gehört in die Rubrik Einzelfälle. Beim Thema Fassungsvermögen paßt der Primera voll ins Bild der Mittelklasse, wobei die Kombiausführung Traveller natürlich größere Kapazitäten bereitstellt.

Verschleiß beschränkt sich auf die im Laufe der Zeit unansehnlichen Sitzbezüge, die im Sommer mit ihrer plüschigen Oberfläche eher schweißtreibend wirken. Kritisch ist häufiger das Zündschloß, das schon bei geringer Laufleistung zum Hakeln neigt. Auch die Zentralverriegelung bekommt dann Alzheimer, vergißt, einzelne Schlösser zu öffnen oder zu verriegeln. Versäumnisse bei der Sicherheit dagegen gehen auf das Konto von Nissan – der Fahrer-Airbag gehörte erst mit Einführung des 95er Facelifts zur Serie, der Beifahrer mußte gar bis Ende des Jahres warten. Auch bei den Bremsen zeigte sich Nissan eher von der knickrigen Seite. So ließ die Serien-Einführung von ABS bis Ende 96 auf sich warten.

Außerdem war die Bremsanlage bis 94 sehr dürftig ausgelegt, wie die langen Bremswege und der hohe Verschleiß an Scheiben und Belägen beweisen. Nach mehr als sieben Jahren Bauzeit fahren rund 180.000 Primera auf deutschen Straßen, die als Gebrauchte günstig im Kurs stehen. Aber Achtung: Beliebte Autos sind schnell vom Händlerhof, was stehenbleibt, sind oft die Gurken. Deshalb beim Kauf stets prüfen: Passen Auto, Kilometerstand, Wartungsheft und Vorgeschichte zusammen?

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 9/90 Neueinführung des Primera als Stufen- und Schrägheck sowie Kombi (Traveller); drei Benziner (90, 115, 150 PS) 3/92 Schrägheck (fünf Türen) auch für die 90-PS-Version 1/95 Modellpflege: Kühlergrill verchromt, Stoßfänger und Heckspoiler in Wagenfarbe 10/96 2,0-Liter auch mit 130 PS, Diesel auf 90 PS gesteigert 11/97 Modellpflege: vier Airbags, 1,6-l-Motor mit 100 stat 90 PS

Schwachstellen • unsere Lesertester monieren vereinzelt: Ölverlust an Motor und Getriebe • Anlasser verschmort • elektrische Spritpumpe defekt • Zündaussetzer (Gefahr für den Kat!) • Kühlwasserausgleichsbehälter leck • Wegfahrsperre blockiert • Kupplungsseil gerissen • hakeliger Rückwärtsgang • Schlösser ausgeleiert

Reparaturkosten Keine große Stückzahl und Neuteile japanisch teuer – so ließe sich stöhnen. Aber meist ist alles prima am Primera. Nur der serienmäßig rostende Auspuff kostet bis zu 1000 Mark.

Fazit und Modellempfehlung

Fazit Wie viele japanische Mittelklasse-Limousinen gilt auch der Nissan Primera als Musterknabe in Sachen Zuverlässigkeit. TÜV-Auto-Report und Pannenstatistiken der Automobilclubs bestätigen das hohe Qualitäts-Niveau. Daß technische Highlights fehlen und die automobile Faszination bei der Konzeption zu kurz gekommen ist,wird von immerhin 25000 Kunden im Jahr gern in Kauf genommen.

AUTO BILD-Urteil: sehr empfehlenswert

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