Nissan Primera 2.0

Nissan Primera 2.0 Nissan Primera 2.0

Nissan Primera 2.0

— 28.02.2002

Schwer in Form

Auf so viel Mut haben wir lange gewartet: Der Primera bricht mit der Japan-Einheitslinie. Was konservative Nissan-Käufer schocken könnte, soll für die Marke die Trendwende bedeuten.

Monosilhouette aus Geretsried

"In jeder Klasse gibt es Vordenker und Nachahmer - und manchmal einen Visionär." Mit dieser Zeile lobt BMW seinen neuen Siebener in doppelseitigen Anzeigen. Ab März 2002 könnte Nissan den Slogan übernehmen. Dann soll der neue Primera als Viertürer und Kombi (die Schrägheckversion fährt erst im Sommer vor) beim Händler stehen. Dort könnte es durchaus zu Auffahrunfällen kommen. Denn Nissan macht stilistisch eine Vollbremsung, presst sein Blech ab sofort in neue, schnittig elegante Linien.

Monosilhouette nennt sich die Karosserieform, die das europäische Nissan-Designzentrum in Geretsried schuf. Das Örtchen liegt ziemlich genau 35 Kilometer Luftlinie südlich von BMW. Ob sich die Formgestalter öfter mal bei Bier und Radi getroffen haben? Zumindest argumentieren die Innenraumzeichner auf einer Linie. Sie mögen keine Cockpits, die unübersichtlichen Pilotenkanzeln gleichen. Die Kunden sollen es einfacher haben. Was die Sache wiederum kompliziert macht. Bei BMW dreht sich die Diskussion um die Einhebel- (iDrive-)Bedienung, bei Nissan um das Easy Control System.

Doch bevor wir ins Detail gehen, fällt der erste - subjektive - Gesamteindruck recht positiv aus. Der langweiligen Blechlawine gibt der Primera positive Form-Impulse. Es ist, als habe Anteilseigner Renault die Avantgarde in den Japanern geweckt. Eine solches Äußeres hätten wir früher Citroën zugeschrieben, heute eher Alfa Romeo - aber garantiert keiner Fernost-Massenware. Wobei die Herkunft längst nicht mehr stimmt, der Primera wird von eifrigen Engländern gebaut.

Rückblick durch Kamera im Heck

Der nächste Widerspruch zeigt sich in der Ausstattung. Die bietet gepflegte Großserien-Langeweile. Wo sind die pfiffigen Schlaufen für Regenschirm und Aktenkoffer? Wo die praktischen Netze? Wo die vielen Häkchen für Einkaufstüten? Der kleinere Nissan Almera bietet so was, der Primera nichts dergleichen. Der Brillenhalter und das Universal-Handyfach sind da nur ein schwacher Trost. Immerhin: Ab Ausstattungsstufe II (ja, Nissan zählt ganz einfach I, II und III) überträgt ein Kameraauge am Heck den Rückblick auf einen Monitor im Armaturenbrett. Topmodern.

Doch schauen wir nach vorn. Bei unserem Testwagen wartet ein neuer 140-PS-Zweiliter auf die Zündimpulse, der allerdings etwas gebremst voranstürmt. Grund: Das stufenlose CVT-Getriebe (entfernt mit der alten DAF-Variomatik verwandt) reagiert recht träge etwa auf Kickdown. Besser: das serienmäßige Sechsgangschaltgetriebe.

Wenn der Primera aber richtig in Fahrt kommt, dann gibt es am Komfort nichts auszusetzen. Geradeauslauf, Kurvenverhalten und Federung liegen absolut auf Klassenniveau. Lediglich der Fahrtwind meldet sich hörbar, das mag aber auch an den Vorserien-Exemplaren liegen, die wir fahren konnten. Die müssen aber noch Kritik einstecken: Seitenschutzleisten an den Türen fehlen, Parkkratzer sind programmiert. Der Kofferraumdeckel hat keinen Zuziehgriff. Die zwei Kleiderhäkchen hinten werfen jedes Jackett schon in der ersten Kurve ab.

Basismodell ab ca. 20.000 Euro

Zu heftigen Diskussionen aber führt das Easy Control System. Ungewohnt zuerst: Der Blick durchs Lenkrad fällt auf eine Kunststoffwand. Erst wenn die Augen nach rechts schwenken, erblicken sie Tacho und Drehzahlmesser, darunter das gewöhnungsbedürftige Bedientablett. Mit etwas Geduld erklärt es sich tatsächlich von selber.

Das gilt auch für die Euro-Daten. Mit knapp unter 20.000 Euro dürfte das Primera-Basismodell 1.8 (116 PS) in Ausstattungsstufe I lospreschen. Wie es immer so schön heißt: Ausstattungsbereinigt sollen die Preise auf derzeitigem Niveau bleiben. Vordenker gehen bei der derzeitigen Wirtschaftslage damit sicher kein Risiko ein.

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