Nissan Qashqai im Dauertest

Nissan Qashqai 1.6 dCi 4x4 Nissan Qashqai 1.6 dCi 4x4 Nissan Qashqai 1.6 dCi 4x4

Nissan Qashqai 1.6 dCi 4x4: 100.000-Kilometer-Dauertest

— 17.03.2017

Dieses SUV hat sich durchgewühlt

Vor zehn Jahren noch Trendsetter, kämpft der Qashqai heute gegen starke Konkurrenz. Da sind die Ansprüche an das SUV gestiegen.

Als vor zehn Jahren der erste Qashqai erschien, da gaben wir noch eine Aussprachehilfe ("Käschkai") – denn der Kompakte war ebenso ungewohnt wie allein auf weiter Flur. Halb Golf, halb SUV, jedenfalls ein Riesenerfolg. Was folgte, waren 2,6 Millionen Exemplare und eine wachsende Sprachsicherheit in den Nissan-Showrooms. Mit dem Trend kamen die Nachahmer. Der aktuelle Qashqai, 2014 vorgestellt, war längst umringt von zwei Dutzend Konkurrenten, als der rote Allradler bei AUTO BILD zum Dauertest antrat. Ein 1,6-Liter-Diesel, als Accenta mit Handschaltung für offiziell 31.437 Euro. So viel können wir schon verraten: Mit der Zeit hatten sich auch die Erwartungen verändert.

Ein gutes Konzept mit Schwächen im Detail

Nissan hat den zweiten Qashqai ordentlich aufgerüstet und ihm Assistenzsysteme gegönnt. Doch die Fahrhilfen sind leider nicht ausgereift.

Der Nissan ist zum Vollwert-SUV gewachsen, der sich vorm Klassenprimus Tiguan nicht mehr verstecken muss. Geräumig genug auch in der zweiten Reihe, ein variabler Kofferraum (430 bis 1585 Liter) mit doppeltem Boden und wie beim Vorgänger feste, ausladende Sitze – schnell war der Qashqai auf Langstrecken beliebt. Nur im Fond kam von der Klimaanlage zu wenig an, zudem klagten Passagiere bald über laute Windgeräusche. Ein bekanntes Problem, Nissan soll mittlerweile die Türdichtungen nachgebessert haben. Ein gutes Konzept, aber mit Schwächen im Detail – dieser Eindruck zog sich über die 100.000 Kilometer. So steigt der Fahrer zwar bequem ein, hockt hoch wie auf dem Kutschbock und freut sich über große Außenspiegel, sieht aber nach hinten so schlecht, dass die Rückfahrkamera notwendige Hilfe leistet. Der große Touchscreen liefert scharfe Bilder, hat aber so kleine Bedienfelder, dass der Fingertipp öfter danebenliegt. Das Infotainment koppelt sich zuverlässig per Bluetooth und erkennt Nutzer sicher wieder, doch das Navisystem hat uns ebenso zuverlässig in Staus gelotst. Womit wir bei der leidigen Elektronik wären.

Gebrauchtwagensuche: Nissan Qashqai

Nissan hat beim zweiten Qashqai ordentlich aufgerüstet und Assistenzsysteme hineingepackt, doch wirkten die Fahrhilfen nicht ausgereift. "Die übereifrige Spurverlassenswarnung verwirrt nur", monierte Redakteur Alex Cohrs-Henschel. Verkehrszeichen wurden nicht sicher erkannt, der Fernlichtassistent reagierte zu träge. Das können moderne Konkurrenten besser. Kollege Stephan Puls ging so weit, Nissan anders geschnürte Optionspakete zu empfehlen: "Statt der nervigen Piepser schon ab Accenta ein schlüsselloses Türöffnen! Und ein Abstandsregler würde gut zu diesem entspannten Auto passen."
Mehr zum Thema: Die Dauertest-Rangliste mit allen Testergebnissen

Beim Antrieb läuft nicht alles rund

Der "kleine" Diesel verbrannte nur 6,5 Liter/100 km. Gemessen an den vielen zügigen Autobahnkilometern ein absoluter Topwert.

Für Ruhe an Bord sorgte vor allem der Wunderknabe von einem Diesel. Der 1,6-Liter lief – nach dem üblichen Rumoren beim Kaltstart – nicht nur wunderbar vibrationsarm, sondern auch vorbildlich sparsam (6,5 Liter im Testschnitt). Zudem gab der dCi den Temperamentsbolzen, der auf der Autobahn auch im sechsten Gang noch so zulegte, dass Zweifel an der Leistung aufkamen. "Das sind doch keine 130 PS?!", meinte Testassistent Stefan Mallach. Stimmt, es waren 135, wie eine Messung festhielt. Schade nur, dass der Antrieb nicht schadenfrei durchhielt. Erst schwitzte nach 30.512 Kilometern die Ölwannendichtung, dann stand der Nissan sogar zwei Tage in der Werkstatt. Ein defekter Simmerring bei Kilometer 63.109 leckte zwischen Motor und Getriebe und wurde ersetzt. Recht früh, aber "beides sind Einzelfälle", beteuert Nissan. Das dünne Hitzeschutzblech, das im Dauertest zweimal einriss, wird bei der Produktion inzwischen besser befestigt. Diesen Motor wählt nur jeder fünfte Kunde, zugleich bevorzugt die absolute Mehrheit (83 Prozent) den günstigeren Frontantrieb. Sie liegen richtig, weil nicht mal der Allrad unseres Qashqai das Drehmoment des dCi immer sauber auf den Boden brachte. Auf nassen Straßen scharrten beim Anfahren oft kurz die Vorderräder, bevor die Hinterräder per Viscokupplung unterstützten und den Schlupf beseitigten.
Im Überblick: Alles Infos zum Nissan Qashqai

Das Fahrwerk spaltet die Geschmäcker

Die abschließende Zerlegung bestätigte das subjektive Empfinden: Dem Nissan fehlt die Allround-Reife.

Dass die Schaltung beim Einlegen der Gänge gern kratzte oder die Kupplung manchem Fahrer zu schwergängig erschien – geschenkt, beide hielten bis zum Schluss durch, boten auch nach Demontage keinen Anlass zu Kritik. Interessanter, wie das Fahrwerk die Geschmäcker spaltete. Was Redakteur Andreas Borchmann als "lautes hölzernes Abrollen" empfand, beurteilte AUTO BILD KLASSIK-Kollege Martin Puthz nach einer 4000-Kilometer-Tour feinnervig: "Lange Wellen schwingt er schön aus, aber grobe Stöße krachen böse durch. Kopfsteinpflaster kann er wieder gut." Und hatte der Lärmpegel im Auto wirklich zugelegt, oder waren wir nur empfindlicher geworden? "Der ist zu laut", waren sich die meisten einig. Dem Nissan fehlt halt die Allround-Reife, das kam auch bei der abschließenden Zerlegung zum Vorschein. Unser Dauertestteam beanstandete schlappe Türdichtungen und mangelhafte Geräuschdämmung in den Radhäusern, auch der Diesel könnte besser isoliert sein. Der machte aus seinem Arbeitsprinzip nie ein Geheimnis.

Nissan Qashqai im Dauertest

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Die Zuverlässigkeit stimmt ringsum

Damit genug der subjektiven Ohrfeigen, viel wichtiger ist doch: Der Nissan wühlte sich durch, er gab nie auf. Die Zuverlässigkeit stimmte ringsum. Das viele Hartplastik im Interieur, bei Testbeginn argwöhnisch befingert, blieb bis zum Schluss solide montiert und leise wie in einer Kirche. Auch das große Staufach unter der Armablage, das an den Scharnieren selbst bei teuren Marken zu zirpen beginnt, machte keinen Mucks. Alles solide Arbeit. Nur außen an der Frontschürze blätterte langsam der Klarlack ab. Hässliche Folge von mangelnder Lackhaftung und Steinschlag. Der Lack drumherum blieb dagegen pickelfrei. Eine weitere Überraschung erwartete uns bei der letzten Wartung: Die Bremsen brauchten nur neue Klötze, die teuren Scheiben aber hielten über die ganze Distanz. Oha, das sieht man selten im Dauertest und passt zum Urteil von AUTO BILD KLASSIK-Redakteur Henning Hinze: "Der Qashqai ist ein Hartplastik-Arbeitstier mit Top-Motor." Eines, das selten zum Listenpreis weggeht und dank Aktionen und Hauspreisen erfreulich günstiger zu haben ist als der Tiguan. In seiner Preisklasse um die 23.000 Euro gehört er zum Besten, was die Hochsitzliga zu bieten hat. Schön, dass sich manche Dinge in dieser Zeit nicht ändern.

Oben der Bildergalerie erfahren Sie, was während des Tests und bei der Demontage des Testwagens nach Erreichen der 100.000 Kilometer außerdem aufgefallen ist.
Wertung: Nissan Qashqai 1.6 dCi
Fehlerpunkte max.
Zuverlässigkeit
Liegenbleiber 0 x 15 0
Motor-/Getriebeschaden 0 x 15 0
Defekte Antriebs-/Funktionsteile 0 x 5 0
Zusätzlicher kurzer Werkstattbesuch 0 x 3 0
Zusätzlicher mehrtägiger Werkstattaufenthalt 1 x 5 5
Defekte und Sonderarbeiten (Radio/Navi/Flüssigkeiten etc.) 0 x 2 0
Defekte Kleinteile (Lampen etc.) 3 x 1 3
Langzeitqualität (aus Demontage)
Karosserie (Konservierung, Lack, Teppiche, Verkleidungen) 0–5 2
Motor (Leistung, Dichtigkeit, Ablagerungen, Laufspuren) 0–5 0
Getriebe (Dichtigkeit, Abrieb, Zustand, Kupplung) 0–5 0
Abgasanlage (Zustand, Kat, Aufhängung, Abschirmbleche) 0–5 1
Fahrwerk (Achsen, Federung, Lenkung, Befestigung) 0–5 0
Elektrik (Kabel, Stecker, Steuergeräte, Sicherungen) 0–5 0
Alltagswertung/Fahren
Ergibt sich aus den Eintragungen im Fahrtenbuch 0–10 4
Gesamtpunkte 15
Note: 2
0 Punkte: 1+; 1–4 Punkte: 1; 5–8 Punkte: 1-; 9–12 Punkte: 2+; 13–16 Punkte: 2; 17–20 Punkte: 2-; 21–24 Punkte: 3+; 25–28 Punkte: 3; 29–32 Punkte: 3-; 33–36 Punkte: 4+; 37–40 Punkte: 4; 41–44 Punkte: 4-; 45–48 Punkte: 5+; 49–52 Punkte: 5; 53–56 Punkte: 5-; ab 57 Punkte: 6.
Autor:

Manfred Klangwald

Fazit

Dem Qashqai fehlt etwas der Feinschliff. Nissan hat seinen Bestseller in der zweiten Generation modernisiert und zuverlässiger gemacht – abzulesen an der guten 2 als Gesamtnote. Die Schwächen bei Dämmung, Fahrwerk und Assistenten verraten, was zur Spitze fehlt. Mit Qualität bis ins Detail sind die SUVs von Kia und Mazda vorbeigezogen.

Autoren: Manfred Klangwald, Joachim Staat

Stichworte:

Kompakt-SUV

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