Nissan Terrano II (ab 1993)

Ein Zwilling namens Terrano Ein Zwilling namens Terrano

Nissan Terrano II (ab 1993)

— 16.12.2002

Ein Zwilling namens Terrano

Unter der modernen Hülle von Terrano und Maverick steckt konservative Technik. Dem Käufer eines Gebrauchten kann's recht sein: Der Nissan/Ford ist zuverlässig und langlebig – sogar als Turbodiesel.

Motor und Technik

Zugegeben – auf den ersten Blick wirkt die ganze Geschichte etwas verwirrend. Dabei ist es im Prinzip ganz einfach: Diesen Allradler gibt es baugleich als Terrano II mit Nissan-Emblem und als Maverick mit der Ford-Pflaume. Ein und dasselbe Auto. Mit dem heutigen Ford Maverick hat dieser Maverick rein gar nichts zu tun. Der neue ist ein seit 2001 angebotenes SUV mit Ford-eigener Technik aus Amerika, der alte ein Nissan mit Ford-Typenschild, gebaut von 1993 bis 1997 in Spanien.

Tatsächlich stammt am alten Maverick kein Bauteil von Ford; ein lupenreiner Nissan also. Ford hat den Verkauf bereits 1997 aufgegeben, Nissan bietet den Terrano II dagegen heute noch an. Die betont schlichte Technik stammt weitgehend vom bereits 1986 präsentierten Ur-Terrano I. Rahmen, Fahrwerk, Allradantrieb, Getriebe und die Motorkonstruktion stimmen überein. Für die Maverick/Terrano-II-Besitzer heißt dies für die Nutzung übersetzt: keine technischen Kabinettstückchen, dafür robuste Technik und sehr geringe Störanfälligkeit.

Dies gilt für beide Motoren, die auf dem Gebrauchtmarkt zu finden sind. Sowohl der 2,4-Liter-Benziner als auch der 2,7-Liter-Turbodiesel dürfen als ausdauernde und dabei anspruchslose Triebwerke gelten. Das bestätigen auch die Erfahrungen der Leser, die bei unserem Gebrauchtwagen-Praxistest per Fragebogen mitgemacht haben. Teure Motorschäden kommen so gut wie nie vor, obwohl zahlreiche Leserfahrzeuge bereits über 250.000 Kilometer hinter sich gebracht haben.

Elektrik und Getriebe

Auch die Zuverlässigkeitsbilanz ist vorbildlich. Weniger als zwei Prozent der Leserautos versagten schon einmal den Dienst. Kapitale Schäden waren so gut wie nie dabei. Kleinere Störungen gibt es jedoch. Der Bereich der Elektrik muss mit einer Fehlerquote von 15 Prozent als kleiner Schwachpunkt der spanischen Zwillinge gelten. Am häufigsten genannt wurden hier streikende Fensterheber (neun Prozent).

Dann folgen Zentralverriegelung, Instrumente (besonders der Drehzahlmesser), der Schalter des Lüftungsgebläses, die Leuchtweitenregulierung der Scheinwerfer und die Türkontaktschalter der Innenbeleuchtung. Alles Dinge, die auch von jedem Laien einfach zu überprüfen sind, wenn er ein gebrauchtes Exemplar in Probefahrt Augenschein nimmt. Das zweithäufigste Ärgernis ist Regenwasser, das in den Innenraum eindringt. 14 Prozent der Leserfahrzeuge waren davon betroffen. Meist ist eine nicht ganz korrekt eingepasste Frontscheibe daran schuld. Aufwändig zu beseitigende Ölundichtigkeiten kommen dagegen weit weniger häufig (fünf Prozent) und fast nur bei den älteren Baujahren vor.

Bei der Probefahrt sollte man auf ein einwandfrei schaltbares Getriebe achten. Schäden am Schaltgetriebe sind zwar selten und führen beim Nissan/Ford so gut wie nie zu einer Panne. Aber das Getriebe ist sündhaft teuer. Immerhin mussten es sieben Prozent der Leser reparieren lassen, meist wegen Problemen mit der Schaltbarkeit. Ab und zu gab es aber auch Totalausfälle wegen eines Wellenlagerschadens. Bei der Probefahrt sollte man deshalb zur Überprüfung besonders häufig schalten. Auch das kalte Getriebe darf dabei in den unteren Gängen keine Kratzgeräusche von sich geben, auch nicht beim schnellen Zurückschalten. Wenn das Getriebe sich verdächtig störrisch benimmt: Besser nach einem anderen Exemplar Ausschau halten. Die Auswahl ist wegen der langen Bauzeit groß.

Terrano im Leserurteil

Alle sonstigen wichtigen Bauteile wie Anlasser, Lichtmaschine, Servopumpe, Differenziale, Wasserpumpe und Antriebsgelenke sind besonders langlebig und unproblematisch. Selbst der Turbolader des 2.7-Turbodieselmotors, ein bekannt empfindliches und heutzutage oftmals kurzlebiges Bauteil, hält offenbar so lange wie der Motor selbst. Wegen der seltenen Defekte sehen die Autos Nissan- oder Ford-Werkstätten fast nur bei Inspektions-Terminen. Mit der Arbeitsleistung dort sind 89 Prozent der Nissan- und 80 Prozent der Ford-Besitzer zufrieden.

Der Preis für eine große Inspektion liegt nach Leserangaben im Durchschnitt bei 360 Euro. Die Nissan-Fahrer sind bei den spanischen Zwillingen inzwischen deutlich in der Überzahl: 62 Prozent der Fahrzeuge tragen das Nissan-Zeichen, nur 38 Prozent das Ford-Emblem. Beide Parteien zeigen auffällige Parallelen: Jeweils rund ein Drittel fuhr schon zuvor einen Allradler, und jeweils etwa zwei Drittel besitzen einen Zweitwagen, meist aus dem Kompaktwagensegment. Je vier Fünftel benutzen ihr Fahrzeug als Zugwagen; auffällig oft werden große Pferdeanhänger genannt.

Das nächste Fahrzeug soll für knapp 80 Prozent ein neuer Nissan Terrano sein, rund 20 Prozent werden sich nach einem anderen Fahrzeug umsehen. Ein Drittel von ihnen will sich einen anderen Allradler aus der Nissan-Palette aussuchen, am häufigsten genannt: Patrol GR und der Pickup. Die Übrigen wollen sich bei einer anderen Marke umsehen, vor allem Hyundai Terracan und Kia Sorento sind begehrt. Wer sich eine Klasse höher orientiert, zieht vor allem Mercedes ML 270 CDI und Toyota LandCruiser in Betracht. Fast schon verwunderlich ist, dass selbst für die Ford-Besitzer der aktuelle Maverick offenbar kaum in Frage kommt.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 1993 Modelleinführung (Typ R20) als 2.4-Benziner (124 PS) und 2.7-Turbodiesel (100 PS); kurzer Zweitürer (4,19m) oder langer Viertürer (4,59m) 1996 Facelift (R20 Mod. 97): Doppel-Rundscheinwerfer statt Rechteckleuchten, 2.4i jetzt 116/118 PS (2-/4-Türer); 2.7 TD mit Ladeluftkühler(125 PS); zwei Airbags nun serienmäßig, ABS gegen Aufpreis 1997 Nur noch als Nissan Terrano II zu haben; Ford-Version fällt weg 1999 Zweites Facelift (R20 Mod. 2000): jetzt wieder Rechteckscheinwerfer, neue Stoßfänger, neue Heckleuchten, verbesserte Bremsen 2002 Drittes Facelift (R20 neu): Klarglas-Rechteckscheinwerfer, neue Stoßfänger, Seitenairbags, zusätzlich 3.0 TD (154 PS); 2.4i-Benziner entfällt

Schwachstellen Die Elektrik ist nicht die starke Seite. Bei 15 Prozent gab es kleinere Störungen, meist mit ausgefallenen Fensterhebern (neun Prozent) oder Instrumenten (vier Prozent) • vor Rost ist der Terrano II/Maverick gut geschützt. Korrosion am Blech lässt sich nur selten beobachten • der Auspuff hält kaum mehr als 4 Jahre • das Schaltgetriebe macht in seltenen Fällen Ärger – mäßige Schaltbarkeit. Bei sieben Prozent der Leserfahrzeuge musste das Getriebe ausgetauscht werden • lästige Undichtigkeiten betreffen vor allem die nicht immer sauber eingepassten Scheiben (14 Prozent) • Öl verlieren die Autos weniger häufig (fünf Prozent) • die Zuverlässigkeit des Nissan/Ford ist geradezu vorbildlich; die in Spanien gebauten Zwillinge sind sehr langlebig. Auf freier Strecke blieben unter zwei Prozent der Leser liegen, Startprobleme hatten ebenfalls weniger als zwei Prozent. In den meisten Fällen lag es an Wegfahrsperre oder Zündschloss

Reparaturkosten Preise inklusive Mehrwertsteuer am Beispiel eines Nissan Terrano II 2.7 TD mit Schaltgetriebe, Baujahr 1997. Bremsen sind billig, alle wichtigen Aggregate aber sündteuer. Gut, dass alle diese Teile lange halten.

Fazit und Technik

Fazit "Die Bauzeit von inzwischen fast zehn Jahren macht sich positiv bemerkbar. Der von Nissan gebaute Terrano II alias Ford Maverick darf als besonders risikoarmer Gebrauchtwagen gelten. Selbst Unkundige können kaum etwas falsch machen, denn die wenigen kleinen Schwachpunkte (Elektrik, Wassereinbruch) kann auch der Laie gut prüfen." Martin Braun, Redakteur AUTO BILD alles allrad

Technik • Allradantrieb: zuschaltbarer Allradantrieb (bis 40 km/h während der Fahrt), Geländeuntersetzung; automatische Differenzialbremse (47 Prozent). • Aufbau: Leiterrahmen, aufgeschraubte Karosserie • Verbrauch: 2.4i (bis 1996): 13l/100 km Normal; 2.4i (ab 1996) 13l Super; 2.7 TD: 11,5l Diesel; 2.7 TD Intercooler: 11l Diesel • Höchstgeschwindigkeit: 2.4i: 159 km/h; 2.7 TD/TD Interc.: 145/157 km/h

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