Nissan Terrano im Gebrauchtwagentest

Gebrauchter Nissan Terrano hinten Gebrauchter Nissan Terrano Motorraum

Nissan Terrano im Gebrauchtwagentest

— 29.11.2010

Alt, billig – und gut?

Dieser 18-jährige Nissan Terrano 2.7 Turbo D ist nur ein Beispiel für die Offroad-Spezies, um die es hier geht: die Preisklasse 2000 bis 3000 Euro. Der Gebrauchtwagen-Checker trennt die Spreu vom Weizen.

So, nun geht's abwärts. Vorbei an Zweithand- und Vierjahres-Vertretern, vertikal durch die Schicht der hohen vierstelligen Euro-Preise – und noch weiter runter. Reiseziel: der Bodensatz, in dem verbrauchte Kompaktklässler ihrer letzten Halter harren. 2000 bis 3000 Euro – wie viel Auto darf man für so wenig Kohle erwarten, wenn's auch noch ein echter Offroader sein soll? Das ist hier und heute die Frage. Die Antwort ist an sich simpel: viel. Bis hin zum angegrauten Dauerläufer, der weitere drei, vier oder mehr muckenfreie Jahre machen kann. Vorausgesetzt, man wählt das richtige Modell. Und hat Glück – das wiederum typspezifisch auftreten oder ausbleiben kann, aber vor allem von Pflegezustand und Verschleißgrad abhängig ist.

Gebrauchtwagenbörse: Gebrauchte Nissan Terrano im Überblick

In der Lüftung des Nissan Terrano I findet sich Laub. Die Spuren der letzten 18 Jahre sind nicht zu verleugnen.

Es sprengt den Rahmen, hier jeden Kandidaten im Zwei-bis-drei-Mille-Segment per Pro und Contra zu sezieren. Deshalb in Kürze ohne Komplettanspruch: Suzuki Vitara und Toyota 4Runner, die der Rost noch nicht zernagt hat, sowie die sehr soliden Jeep Cherokee/Grand Cherokee sind generell empfehlenswert, letztere drei aber nur als Benziner. Sicherster Low-Budget-Tipp: ein Toyota RAV4 der Generation eins (bis 2001; nur Benziner), auch mit hoher Laufleistung. Bedingt ratsam sind: Nissan Terrano, Terrano II und dessen Zwilling Ford Maverick (Rostbefall, Vorderachs- und Getriebeprobleme), Mitsubishi Pajero und Hyundai Galloper (nur als Automatik-Benziner akzeptabel; ebenfalls auf Rost und Vorderachse achten!) sowie Ford Explorer und Daihatsu Feroza (beide korrosionsfreudig, aber technisch durabel).

Finger weg von diesen Gebrauchten

Die Parole "Finger weg" gilt für die Dickschiffe Nissan Patrol/Patrol GR und Toyota Land Cruiser – sind die so billig, sind sie nach Bürgerkriterien kaum mehr fahrbereit. Aber auch für SsangYongs Musso und Korando: keine schlechten Autos, aber die Teileversorgung ist Marke Glücksrad. Kia Retona: gehört auch hierher, weil er einfach völlig minderwertig ist. Wie der Lada Niva, der mit jungen Jahren für wenig Geld reizt, aber eine üble Materialqualität mitbringt. Fehlt nur noch die Klasse derer, bei denen die höchste Warnstufe greift. Bei welchen Typen warum die rote Lampe wild blinkt? Bei Land Rover Discovery I und Range Rover II, weil sie aufgrund extrem variabler Baugüte nur für Roulettespieler taugen.

Außerdem bei Opel Frontera und Monterey – miserable Qualität und teils irre Teilepreise lassen den Halter permanent am Abgrund zum wirtschaftlichen Totalschaden rangieren. Ergo suche ich den nächsten besten RAV4 mit 250.000 auf der Uhr, drehe eine Runde, und gut ist? Nein, das wäre zu einfach. Stattdessen lasse ich mich von einem Inserat inspirieren, das in dieser sittlich verrohten Preisklasse als sympathischer Exot auffällt – wo ein persönliches Bekenntnis die Anonymität durchbricht, offenbart sich bisweilen ein Einzelschicksal, das ein sonst weniger angesagtes Modell zum Geheimtipp macht.

Pflege verlängert das Autoleben

Auch wenn Anbau- und Gummiteile ebenfalls eindeutig ihr Alter zeigen, ist dieser Allradler noch einige Jahre zu gebrauchen.

"Schweren Herzens trenne ich mich von meinem treuen Terrano", schreibt da eine Erstbesitzerin, pur und echt mit Namen und Adresse. Ortstermin. Der Zweitürer ist kein gelecktes Schätzchen, typische Mängel wie der zerschossene Fahrersitz sind mit an Bord. Doch die Vorderachse ist überholt, der Rostfraß akzeptabel geflickt. Und der Diesel schnurrt zufrieden. Vor allem aber kauft man hier ein altes Stück Technik, das in seinem bisherigen Leben zur Herzensangelegenheit aufstieg. Das ist doch liebenswert. Und unbezahlbar. Der Mann, der kurz nach mir den Nissan besichtigt, versteht das. Für 2000 Euro nimmt er ihn mit. Wohl wissend, dass auch 4000 Euro nicht zu viel gewesen wären.

Fazit: Am Ende dieser zugegebenermaßen etwas kryptischen Checker-Folge steht die Erkenntnis, dass sich in der untersten Offroader- Preisklasse höchst interessante Schnäppchen finden lassen. Vorausgesetzt, man sucht – und findet die Stücke, die dank eines fast ausgestorbenen Konsumverständnisses in Frieden altern durften. Weniger pathetisch sei indes angemerkt: Im 2000-bis-3000-Euro-Segment, das hauptsächlich Typen der 80er und 90er birgt, spürt man besser nicht nach einem Diesel. Stichwort Umweltzonen? Nicht nur – fast alle erwähnten Kandidaten leben als Benziner einfach länger. Und billiger.

Autor: Wolfgang Blaube

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