Nissan X-Trail

Nissan X-Trail Nissan X-Trail

Nissan X-Trail

— 07.03.2002

Nissan geht auf Mix-Tour

Geländewagen? Kombi? Van? Oder was? Der neue X-Trail soll ein Alleskönner sein. Ein "Crossover" wie die Verkaufsstrategen sagen. Doch was kann der X in der Praxis?

Ein Fahrzeug für alle Fälle?

Die Leute vom Marketing haben es schwer. Was der Duden hölzern mit "Ausrichtung eines Unternehmens auf die Förderung des Absatzes" beschreibt, ist heutzutage ein knallharter Job, den nicht viele verstehen. Im doppelten Sinne. Mit ein Grund: Die Marketing-Mannen werfen mit englischen Vokabeln nur so um sich. Ob das die Not vertuschen soll, in bereits voll gestellte Garagen verkaufen zu müssen? Der neue Nissan X-Trail ist so ein Produkt. An dem Manager Philippe Geffroy von Nissan Europe lobt, dass es der "erste kompakte Crossover-Allradler" sei.

Zur Klarheit: Wenn Daimler-Benz heute ein "universales Motorgerät" auf den Markt brächte, würde es Mercedes Crossover heißen und nicht Unimog. Wer Gegensätze vereint, der weiß, dass er immer einen Kompromiss eingeht. Ein Unimog kann pflügen, ein Trecker kann das besser. Ein Unimog befördert viele Lasten, ein Lkw noch mehr. Ein Ganzjahresreifen ist gut, spezielle Sommer- und Winterreifen aber sind besser.

Was kann der X-Trail? Normal fährt er mit Frontantrieb, wie die Mehrheit aller Personenwagen. Bei Bedarf schaltet er automatisch den Hinterradantrieb dazu - auch nichts Neues. Der Innenraum ist groß und äußerst variabel, das gehört bei Nissan allemal zum Stand der Technik.

Karosserie und Innenraum

Bekannt kommt uns auch der Anspruch von Mister Geffroy und seinen Strategen vor, dass der X-Trail genau das richtige Auto für junge und sozial aktive Leute sei, die Trends mögen, gut verdienen und so weiter. Klischees im Stau.

Der deutsche Marketing-Chef Volker Brien hat noch eine ganz andere Zielgruppe im Visier: die aktiven Alten, Pardon, die "active olders." Englisch hilft wohl eleganter darüber hinweg, dass sich über 50-Jährige nicht so direkt getroffen fühlen. Doch genau die passen zum X-Trail. Kinder sind aus dem Haus, das Leben kann wieder gelebt werden. Eiltempo (Diesel Spitze 165 km/h, Benziner 177, mit Automatik 163) schlägt keiner mehr ein, zumal es den Verbrauch arg steigern würde. Eher ist Reise-Beschaulichkeit angesagt. Dann bleiben Diesel und Benziner weit unter zehn Liter. Vielleicht hängt sogar ein Camper am Haken (Diesel bis zwei Tonnen zugelassen, Benziner 1,5, zwei Tonnen nur bis acht Prozent Steigung), denn mit Allrad-Sicherheit geht es zur Not auch mal über Stock und Stein.

Wenn das in arbeitsreichen Jahren verschlissene Kreuz sich schmerzhaft meldet, lassen sich Wagen wie X-Trail (oder auch Toyota RAV4, Rover Freelander, Ford Maverick/Mazda Tribute) leichter beladen und besteigen. Die Vordersitze im X-Trail bieten guten Seitenhalt, auf der Fahrerseite gibt es eine einstellbare Rückenstütze, die Sitzfläche lässt sich ein wenig in der Höhe variieren. Lediglich der Verstellbereich nach hinten ist für Personen über 1,80 Meter noch etwas zu knapp bemessen. Dank hoher Van-Sitzposition hockt man dafür immer weitsichtig über den Dächern der Vorausfahrenden.

Ausstattung, Preise, Verkaufsstart

Pfiffig die Armaturentafel: Die Instrumente sitzen in der Mitte. Falls Mutti mal ans Steuer darf, hat Vati alles prima unter Kontrolle. Die blanken Aluverkleidungen blenden aber bei seitlichem Lichteinfall. Neues Selbstvertrauen blitzt auch aus dem verchromten Nissan-Zeichen direkt in Lenkradmitte. Das Mutterhaus in Japan ist mit Renault-Hilfe aus den Miesen herausgefahren, Nissan Europe freut sich über stabile Marktanteile, Nissan Deutschland vermeldet sogar ein leichtes Plus. Und interpretiert den Markt, denn immerhin ist der X-Trail die vierte Allrad-Reihe im Haus.

Zu dem gut 100.000 Stück starken Offroader-Segment will der X-Trail jährlich gut 6000 Einheiten beisteuern. Unterteilt in drei Ausstattungslinien ("Comfort" "Sport" und "Elegance" für Preise von 44.769 bis 58.655 Mark), die alles bieten, was serienmäßig gut (Sechsgang im Diesel, Zentralverriegelung, elektrische Fensterheber, Radio mit Kassette), sicher (vier Airbags, ABS mit Bremskraftverteilung und Bremsassistent) und teuer (gegen Aufpreis Automatik für den Benziner, großes Glasschiebedach, Leder, Klimaautomatik) ist.

Ab September 2001 wird der X-Trail bei den Händlern parken. Egal wie die Marketing-Mannen trommeln: Er passt bestens zur Konkurrenz. Und wie wir alle wissen: Die belebt letztlich das Geschäft.

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.