Nordschleifen-Duell Lotus Elise SC/Porsche Boxster S — 22.07.2008
Leichtes Schwergewicht
Präzise und pfeilschnell will die Lotus Elise SC dem Porsche Boxster S zeigen, dass ein paar Kilo mehr Gewicht auf den Rippen zwar ganz nett aussehen können, beim Sport aber eher stören.
Als Sympathieträger taugt die Lotus Elise auf jeden Fall
Beste Voraussetzungen also, um auf einem Rundkurs zu brillieren, was so mancher Leichtfuß aus der Lotus-Family in Oschersleben schon eindrucksvoll bewiesen hat. Aber gilt das auch für den Hochgeschwindigkeitskurs der Nürburgring Nordschleife? Hier geht es um mehr als Kart-artiges Handling im mittleren Geschwindigkeitsbereich. Hier ist vor allem auch schiere Kraft und ein möglichst ruhiges und unproblematisches Fahrverhalten bei sehr hohen Geschwindigkeiten gefragt. Als Sympathieträger taugt die Elise schon mal aus zwei Gründen: Zum einen ist der listig zu grinsen scheinende Engländer eine eher seltene Erscheinung auf unseren Straßen und weckt kaum neidische Gefühle. Zum anderen ist der von Lotus-Gründer Colin Chapman eingeschlagene Weg des konsequenten Leichtbaus eine clevere und zukunftsträchtige Lösung, die nicht nur für sehr gute Fahrleistungen bei vergleichweise geringer Motorpower steht, sondern auch für einen vernünftigen Umgang mit dem teuren Sprit.
Beim Sprint auf Tempo 100 hat der Porsche Boxster S das Nachsehen
Dennoch: Im Vergleich mit dem erwachsener und ausgereifter wirkenden Boxster S erscheint die Elise wie ein kompromissloses Spielzeug für den reinen Lustritt. Das beginnt beim eher beschwerlichen Ein- und Ausstieg und zieht sich bis zum Kofferraumvolumen von 112 Litern, die schon fast das abgebaute Verdeck belegt. Natürlich ist das bei einem rassigen Sportler zu verschmerzen. Doch verglichen mit den beiden gut nutzbaren 150 (vorn) und 130 (hinten) Liter fassenden Abteilen des Porsche Boxster, die sich auch mal für einen längeren Trip voll beladen lassen, fehlt der Elise hier ein wenig die Alltagstauglichkeit. Doch Lotus-Fahrer suchen ja nach etwas anderem. Und das zeigt die Elise bei den Messungen der Fahrleistungen, wo sie ihren Gewichtsvorteil sehr gut ausnutzen kann. Das kompressorbewehrte Toyota-Aggregat, das seine maximale Leistung von 220 PS bei hohen 8000 Touren entwickelt und noch bis 9000 weitergedreht werden kann, hat ziemlich leichtes Spiel mit der zierlichen Elise: Beim Spurt auf 100 km/h kauft die Elise dem Boxster S mit 5,2 zu 5,6 Sekunden den Schneid ab und hat bis 130 km/h die Nase leicht vorn. Ab etwa 4000 Umdrehungen geht in der Elise so richtig die Post ab.Bei der Messung 0-160 km/h schiebt sich dann der Boxster S um eine halbe Sekunde nach vorn, bei 0 auf 180 km/h herrscht mit 16,0 Sekunden Gleichstand zwischen den Kontrahenten. Während der Lotus bei gemessenen 235 km/h im Kampf gegen den Luftwiderstand die Waffen streckt, geht es im Porsche noch bis 272 km/h gut voran. Wem auch das Sounderlebnis wichtig ist, der kommt im hubraumstärkeren Boxster eher auf seine Kosten. Zwar hat auch die Elise, verglichen mit den dünnen Stimmchen früherer Lotus-Modelle, deutlich zugelegt, doch fehlt es im Vergleich mit dem Porsche vor allem an tiefen Frequenzen. Mal ganz abgesehen davon, dass ein sechszylindriger Boxermotor mit seiner akustischen Bandbreite ohnehin in einer eigenen Liga spielt. Zudem war unser Testwagen mit einer noch wohltönenderen Sportauspuffanlage (Aufpreis: 1654 Euro) bestückt.
Vor dem Showdown auf der Nordschleife noch ein paar Bemerkungen zum alltäglichen Gebrauch der beiden Roadster, denn der Rennstreckeneinsatz dürfte bei diesen beiden Schmuckstücken eher die Ausnahme sein. Während man in der Elise auf dünn gepolsterten Schalensitzen einen sehr direkten Kontakt zu Fahrbahnunebenheiten spürt, spannt der Boxster S einen sehr weiten Bogen zwischen Komfortorientierung und harter Rennstreckenauslegung. Zwischen noch gutem Federungskomfort im Normalmodus der aktiven Dämpferregelung PASM (Aufpreis 1547 Euro) und dem auf Knopfdruck hart und trocken agierenden Fahrwerk im Sportmodus realisiert der Boxster S eine große Bandbreite an Einsatzmöglichkeiten. Die tiefe und immer sehr straffe Elise bietet dagegen bei normalem Einsatz abseits kurviger Landstraßen weniger Vielseitigkeit. Hier wird jeder Kilometer zum puren Fahrerlebnis – ungefiltert und direkt. Wer nach hohem Fahrkomfort sucht, ist bei Lotus ohnehin an der falschen Adresse.
Den kompletten Vergleich gibt es im Heftarchiv als pdf. Wie das Duell der beiden Sportler auf der Nordschleife ausgegangen ist, erfahren Sie oben in der Bildergalerie.
| Technische Daten | Lotus Elise SC | Porsche Boxster S |
|---|---|---|
| Motor | R4, Kompressor | B6 |
| Einbaulage | Mitte quer | Mitte längs |
| Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/4 |
| Hubraum | 1796 cm³ | 3387 cm³ |
| Bohrung x Hub | 82,0 x 85,0 mm | 96,0 x 78,0 mm |
| Verdichtung | 11,5:1 | 11,1:1 |
| kW (PS) bei 1/min | 162 (220)/8000 | 217 (295)/6250 |
| Literleistung | 122 PS/Liter | 87 PS/Liter |
| Nm bei 1/min | 214/5000 | 340/4400–6000 |
| Antriebsart | Hinterrad | Hinterrad |
| Getriebe | 6-Gang | 6-Gang |
| Bremsen vorn | 282 mm/innenbel./gelocht | 350 mm/innenbel./gelocht |
| Bremsen hinten | 282 mm/innenbel./gelocht | 350 mm/innenbel./gelocht |
| Radgröße vorn / hinten | 5,5 x 16 / 7,5 x 17 | 8 x 19 / 9,5 x 19 |
| Reifen vorn / hinten | 175/55 R 16 / 225/45 R 17 | 235/35 R 19 / 265/35 R 19 |
| Reifentyp | Yokohama Advan Neova AD07 | Michelin Pilot Sport 2 N1 |
| Länge/Breite/Höhe | 3785/1719/1117 mm | 4329/1801/1292 mm |
| Radstand | 2300 mm | 2415 mm |
| Leistungsgewicht | 4,1 kg/PS | 4,8 kg/PS |
| Zuladung | 256 kg | 215 kg |
| Tankvolumen | 44 l | 64 l |
| Preise (in Euro) | Lotus Elise SC | Porsche Boxster S |
|---|---|---|
| Ausstattung | ||
| Touring-Paket | 2795 | – |
| Klimaanlage | 1950 | Serie |
| Antriebsschlupfregelung | 715 | Serie |
| Keramikbremse | – | 8033 |
| Navigationssystem | – | 2921 |
| Metalliclackierung | 925 | 857 |
| Gesamtpreis Testwagen | 55.410 | 84.317 |
| Grundpreis | 49.950 Euro | 54.710 Euro |
| Messwerte | Lotus Elise SC | Porsche Boxster S |
|---|---|---|
| Beschleunigung | ||
| 0– 50 km/h | 1,9 s | 2,0 s |
| 0–100 km/h | 5,2 s | 5,6 s |
| 0–130 km/h | 8,6 s | 8,7 s |
| 0–160 km/h | 12,8 s | 12,3 s |
| 0–180 km/h | 16,0 s | 16,0 s |
| Vmax | 235 km/h | 272 km/h |
| Viertelmeile | ||
| 0–402,34 m | 13,70 s | 13,70 s |
| Elastizität | ||
| 60–100 km/h im 4. Gang | 5,1 s | 5,7 s |
| 80–120 km/h im 5. Gang | 7,5 s | 6,9 s |
| 80–120 km/h im 6. Gang | 9,0 s | 8,5 s |
| Bremsweg (Verzögerung) | ||
| 100–0 km/h kalt | 36,6 m (–10,6 m/s²) | 33,9 m (–11,4 m/s²) |
| 100–0 km/h warm | 37,1 m (–10,4 m/s²) | 34,3 m (–11,2 m/s²) |
| Testverbrauch | ||
| Ø auf 100 km | 9,3 l Super Plus | 11,3 l Super Plus |
| Reichweite | 470 km | 570 km |
| Leergewicht | 911 kg | 1415 kg |

































