Normal-Benzin mit 95 Oktan

Normal-Benzin mit 95 Oktan

— 10.07.2008

Das ist ja Super!

AUTO BILD hat an Tankstellen Stichproben genommen und untersuchen lassen. Überraschendes Ergebnis: Wo 91 Oktan (Normal) draufsteht, ist in Wirklichkeit 95 (Super) drin. Oder sogar mehr. Skandal? Schummelei? Das steckt dahinter.

Fast jedes Kind kennt diesen Werbespruch: "Nur wo Nutella draufsteht, ist auch Nutella drin." Auf Benzinsorten lässt sich diese Aussage aber kaum anwenden. Denn wo Normal draufsteht, ist oft Super drin! Stichproben von AUTO BILD in Köln und Hamburg liefern den Beweis: Aus vier von sechs Normalsäulen floss der höherwertige Treibstoff (siehe Tabelle). Die höchste Oktanzahl ermittelte die Gesellschaft für Mineralöl-Analytik und Qualitätsmanagement (GMA) bei Jet in Köln: 97,3. Nur bei Esso und Aral in Hamburg lagen die ROZZahlen unter dem Super-Schwellenwert von 95. Ansonsten: alles Super.

Stirbt Normal schneller als gedacht?

Seit November kosten Normal und Super fast überall gleich viel. Die Folge: Allein bei Shell sank der Anteil des 91-Oktan-Sprits unter allen Benzinsorten von einem Viertel auf jetzt weniger als zehn Prozent. Angebliche Pläne, dass Normal vom Markt verschwinden soll, wiesen die Mineralölkonzerne 2007 noch von sich. "Dieses Produkt wird es bei uns weiterhin geben", sagte Shell-Sprecherin Cornelia Wolber noch im August 2007. Heute erklärt sie: "Wir werden die Entwicklung weiter beobachten." Dass mitunter Super statt Normal in den Tank laufe, hätte auch logistische Gründe. "Es ist nun einmal leichter, eine als zwei Sorten zu transportieren." Zudem sei die hohe Nachfrage nach Normalbenzin in den USA schuld. Die Sorte fehle hier, das treibe den Preis hoch.
Messwerte
Normal von/in Oktan
Total Köln 95,1
Shell Köln 97,0
Jet Köln 97,3
Shell Hamburg 95,1
Esso Hamburg 92,8
Aral Hamburg 94,4

Keiner will der Erste sein

Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Ein Insider berichtet AUTO BILD, dass die Mineralölmultis das 91er-Benzin am liebsten vom Markt nehmen würden. Das Dilemma: Keiner traut sich, den Anfang zu machen. Und wenn es alle gemeinsam tun, würde womöglich das Bundeskartellamt einschreiten. Wahrscheinlich ist Normal deshalb längst still und heimlich aus den Tanks der meisten Stationen verschwunden, letzte Reste wurden mit Super vermischt – was auch die krummen Messwerte des AUTO BILD-Tests erklärt. "Für den Kunden bedeutet das: Vorteil durch noch bessere Qualität", sagt Jet-Sprecher Nikolai Lassen.

Sparfaktor adé

Viele Autofahrer verlieren jedoch die Möglichkeit, Spritkosten zu sparen. "Moderne Motoren besitzen Klopfsensoren und vertragen statt des vorgeschriebenen Super in der Regel auch Normal", so DEKRA-Ingenieur Thomas Scheffer. Der Verbrauch steige je nach Modell kaum. Und Besitzern alter Autos nützt das Upgrade gar nichts. Klar ist auch: Wenn aus der Normal- dasselbe wie aus der Supersäule fließt, verlangen kühl kalkulierende Konzerne in der Regel auch einen Preis für ein und dasselbe Produkt. Und genau so ist es zurzeit an den Tankstellen. Dann gilt wieder die leicht modifizierte Nutella-Theorie: Wo der gleiche Preis draufsteht, ist auch das Gleiche drin.

Autor: Claudius Maintz

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