Nostalgie-VW-Bus Flowcamper

Nostalgie-VW-Bus Flowcamper: Vorstellung

— 28.06.2016

Neuer T6 mit Hippie-Flair

Vor fast 50 Jahren revolutionierten die Hippies die Welt. Ihr Lieblingsauto: der VW Bulli. Grund genug, für einen neuen T6 im alten Geist. AUTO BILD REISEMOBIL hat den Flowcamper ausprobiert.

Flow nennt sich der mentale Fluss, in den man gerät, wenn einem alles mühelos gelingt. Er ist der Zustand, den die Hippies anstrebten. Ihnen ging es in Zeiten des Vietnamkriegs um Frieden, Freiheit und Liebe. Zum "Summer of Love" strömten 1967 über 75.000 junge Leute nach San Francisco, viele mit billigen VW Käfern und Bullis, die damit zu Protestmobilen gegen das geld- und statusorientierte Leben ihrer Eltern wurden. Die Hippie-Botschaft hörte sich verlockend an: wenig Arbeit, dafür Toleranz, Liebe, tolle Musik, reichlich Sex, bewusstseinserweiternde Drogen (Gras, Hanf). So suchten sie den Flow, manche fanden ihn auch.

Computer, Internet, Hybridautos: Alles Hippiekinder

Drei Blumen an der Seite sollen den Flowcamper zum Love-Mobil machen.

Martin Hemp (engl. für Hanf, aber das ist Zufall) aus Hagen (Autokennzeichen HA-NF, das ist kein Zufall), Chef des Unternehmens Terra-Camper, das auf abenteuertaugliche VW Busse und Mercedes V-Klassen spezialisiert ist, fand die Epoche der Hippies prima, obwohl er allenfalls ihre Ausläufer miterlebte. Auch ihm geht das Herz auf, wenn er einen der poppig bunten VW Bulli T2 Camper auf der Straße sieht, diese rollenden Symbole jener revolutionären Zeit, die großartige Errungenschaften hervorgebracht hat: Die Ökobewegung, Bioläden, selbst der Computer, das Internet und Hybridautos sind Kinder der Hippies. Daher dachte sich Hemp, dass so ein fröhliches, unangepasstes, unspießiges, aber praktisches, vielseitiges und vor allem erschwingliches Wohnmobil angefüllt mit dem Geist jener Jahre auch mit dem T6 machbar sein müsste.

Nur zwei Farben für den Flowcamper

Auch innen ist alles mit orangefarbenen Bezügen und Vorhängen ausgekleidet.

Seinen Flowcamper bietet er in Baustellen-Orange an, auf Wunsch mit Blumen drauf, sodass er nicht mehr so nach Straßenmeisterei aussieht. Die Hemp'schen Möbelmodule, alles stabile Würfel mit Alu-Profilen, haben es im wahrsten Sinne des Wortes in sich. Im Kubus am Eingang kann die Toilette versteckt werden, im Würfel vor der Sitzbank ist ein kleines Waschbecken mit Duschkopf zum Draußenduschen, außerdem ein mobiler Gaskocher mit nur einer Flamme untergebracht, im Würfel hinter dem Fahrersitz eine 25-Liter-Kühlbox, darunter Stauraum. Die Deckel der Würfel lassen sich – allerdings ziemlich umständlich – zu einem Tisch zusammenpuzzeln, der entweder innen oder außen aufgestellt werden kann. Den Kofferraum teilen sich Staukästen und das darüber zusammengefaltete Bett mit Lattenrost fürs Parterre des Wagens. Es wird nach Umlegen der Sitzbanklehne entfaltet und an der Decke aufgehängt wie die Golden-Gate-Brücke in San Francisco. Das hat den Vorteil, dass die Sitzbank unten ganz herausgenommen werden kann und das Bett trotzdem erhalten bleibt. Surfer freut das, denn jetzt können sie ihr langes Equipment problemlos verstauen.

Der Flowcamper ist vielseitig

Liegewiese inklusive Lattenrost im Heck, unterm Dach ist Platz für zwei weitere Schläfer.

Elementar an Hemps Konzept ist die Vielseitigkeit. Sein T6 kann wahlweise als Camper, Familien-Pkw oder Lieferwagen benutzt werden. Die Würfel lassen sich mit ein paar Flügelschrauben demontieren, und die Sitzbank kann in die Mitte versetzt werden – fertig ist der Großraum-Pkw. Und nach Totalausbau von Sitzbank und Klappbett wird er ein Transporter. Das ist er in Wahrheit auch. Hemp kauft bei VW die sparsamste Gewerbevariante mit allerhand sichtbarem Blech im Innenraum, dafür ohne Zentralverriegelung, Radio oder elektrische Fensterheber. Hier muss tatsächlich noch wie in guten alten Hippietagen gekurbelt werden. Unser Motor ist die 102-PS-Variante, die sich ein bisschen zäh anfühlt, aber eine Rakete ist im Vergleich zum grünen T2 auf den Bildern, obwohl der die damals "bullige" Zweilitermaschine mit 70 PS an Bord hat.

Drei Varianten bis zu 204 PS

Hymer B-Klasse im Test

Hymer B 588 DL Hymer B 588 DL Hymer B 588 DL
Hemp bietet drei Varianten an: das Modell "100" mit 102 PS (44.900 Euro), den "150" mit 150 PS (49.900 Euro) und den "200" mit 204 PS (59.900 Euro). Je höher die Variante, desto komfortabler auch die VW-Grundausstattung, beim Top-Camper charmante gibt's etwa elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung, LED-Scheinwerfer, Tempomat, Navi und Automatik. Wählen kann man ansonsten nur die Farbe (Weiß oder Orange), mehr nicht. Die drei Modelle sind strikt vorkonfiguriert. "Nur so lässt sich der Preis schaffen", sagt Hemp. 44.900 Euro für unseren Basis-Testwagen sind für einen VW Camper inklusive Reimo-Klappdach mit Bett, Faltbett unten, Wohnwürfeln, Standheizung, Klimaanlage und Drehsitzen günstig, für ein Wohnmobil generell allerdings nicht. Dafür ist der Flowcamper jedoch universeller einsetzbar, passt in Parkhäuser, -lücken und Garagen, ist sparsam und wendig und somit auch in der Stadt zu gebrauchen. Wer mag, kann das Hippiemobil bei Hemp mit Zubehör aufwerten, etwa Leselampen, Sonnensegel, Vorzelt, auch die Blumendekore außen und die gebatikten Sitzbezüge gehören zu den Optionen.
Technische Daten VW T6 Flowcamper
Motorisierung Vierzylinder, Turbo, vorn quer
Leistung 75 kW (102 PS) bei 3500/min
Hubraum 1968 cm3
Höchstgeschwindigkeit 157 km/h
Getriebe/Antrieb Fünfgang/Vorderrad
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 80 l/Diesel
Länge/Breite/Höhe 4904/1904/2000 mm
Radstand/Bereifung 3000 mm/205/65 R 16 C
Leergewicht fahrbereit/Zuladung 2200/400 kg
Anhängelast (gebremst/ungebremst) 2200/750 kg
Material Wand/Dach/Boden Stahlblech
Liegefläche unten L x B 1400 x 2000 mm
Liegefläche im Dach L x B 1180 x 2000 mm
Kühlschrankvolumen/Froster 25 l
Herd 1 Flamme
Bordbatterie 80 Ah
Frisch-/Abwassertank 12/12
Preis ab 44.900 Euro
Autor:

Bernhard Schmidt

Fazit

Witzige Idee, die etwas Farbe ins VW-Camper-Leben bringt. Viel wichtiger ist aber: Der simple Flowcamper zeigt, dass VW-Bus-Camping nicht erst bei 60.000 Euro anfangen muss. So ein Typ hat in den letzten Jahren gefehlt.

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