Novidem GT-RS gegen BF Performance GT 600 — 17.07.2009
Donnerwetter
Es geht Schlag auf Schlag: Die unheilvolle Wolkendecke dräut über einem Auto-Paar, das es gewaltig krachen lässt. Auf Basis Lamborghini und Nissan haben zwei engagierte Veredler blitzschnelle Sportgeräte aufgebaut.
600 Lambo-PS gegen 585 PS beim Nissan
Tuner Novidem will dem Nissan helfen, gegen den übermächtigen Konkurrenten zu bestehen. Bislang befeuerte der Veredler vor allem 350 Z mit Kompressorpower, verfügt daher über wertvolle Vorkenntnisse, was die Marke anbelangt. Und die will er in pure Performance ummünzen: Geschäftsführer Normando Ruggiero schwärmt: "Ab Werk spielt der Motor bereits sensationell auf – aber er kann noch viel mehr. Langfristig streben wir 750 PS und eine Gewichtsreduzierung von 1,8 auf 1,5 Tonnen an." Zukunftsmusik: Zum Vergleichstest tritt Novidem mit per Elektronikoptimierung und Sportauspuff erzeugten 585 PS an. Als wäre die Lambo-Nuss nicht schwer genug zu knacken, handelt es sich beim Gegner um kein Auto von der Stange – sondern ebenfalls um ein getuntes. Es stammt von BF Performance – wie Novidem in der Schweiz beheimatet. In Deutschland hat das Unternehmen längst den Fuß in der Tür: Geschäftsführer Bob Forstner betreibt ein Autohaus in Stuttgart und handelt dort mit Lambo, Bentley und Pagani. Er verpasst dem Gallardo LP 560-4 40 PS mehr – generiert per elektronischer Modifikation. Unser Testfahrzeug hatte jedoch noch nicht die volle Leistung – aufgrund der geringen Laufleistung war ein Einfahrschutz aktiv.
Der Novidem GT-RS ist frei von jeglichem Firlefanz
Den gepflegten Auftritt – hervorgerufen von einer Armada aus Karbon-Anbauteilen – schmälert dieser nicht. Diese treten alles andere als unauffällig in Erscheinung – aber welcher Lambo-Fahrer steht schon auf Understatement? Vor allem das im Stile eines angriffslustigen Kinns nach vorn gereckte Frontteil schindet Eindruck. Sicherlich nicht zufällig erinnert es an den Reventon. Der Nissan muss auf derlei Prunk verzichten: Er hat lediglich die gewöhnliche Serienhaut zu bieten – frei von jeglichem Firlefanz. Dazu passt das vom Tuner serienbelassene Interieur: nüchtern und unprätentiös, doch toll verarbeitet und ergonomisch spitze. Selten hat man in einem Supersportler Platz genommen, der so klar strukturiert ist wie der GT-R. Laut brüllend tritt der Gallardo-Motor seinen Dienst an, um anschließend in ein überraschend verhaltenes, TÜV-konformes Brummen zu verfallen. Eine erste Ausfahrt gestaltet sich spektakulär – und relativ mühsam. Die Rundumsicht tendiert gegen null, die Räder schleifen aufgrund der Distanzscheiben bei Lenkeinschlag im Radhaus, der Automatikmodus des sequenziellen Getriebes arbeitet unharmonisch. Hat sich der Motor warmgelaufen, sind derlei Unbilden schnell vergessen: Darf der Gasfuß in erhöhte Drehzahlregionen vorstoßen, versetzt die scheinbar grenzenlose Drehfreude des V10 dem Gemüt einen wohligen Schauer nach dem anderen.Der Lambo begeistert Cracks
Der Nissan agiert distinguierter. Mit der Präzision eines Profikillers verrichtet er sein Geschäft. Dreht gnadenlos, aber kontrolliert hoch. Punktet mit berechnend-linearer Kraftentfaltung. Offenbart keine Schwäche – nirgends. Verhalten zischend lässt er den Piloten über die wahre Geschwindigkeit im Unklaren – die sich wie von Geisterhand in führerscheingefährdenden Bereichen bewegt. So schnell das Auto voranschießt – es macht keinerlei Aufhebens darum. Ein Knopfdruck aktiviert die Mehrleistung – dann zieht der GT-R vor allem ab mittlerer Drehzahl deutlich besser durch. Der Nissan mopst dem Lambo die Butter vom Brot. Bis 100 km/h brennt er dem Italiener ein Zehntel auf den Pelz (3,6 statt 3,7 Sekunden). Bis 250 km/h kann er den Vorsprung auf fünf Zehntel ausbauen – ein dünnes Polster. Abhängen lässt sich der Lambo folgerichtig nicht. Der Lamborghini gibt sich fiebrig-nervös, der Nissan stoisch-überirdisch. Der Gallardo will gewiss nicht spielen – und erfordert eine kundige Hand. Bei abgeschaltetem ESP fällt er schnell aus der Rolle. Untersteuern, Übersteuern oder über alle vier Räder schiebend gen Kiesbett rutschen – der Lamborghini legt so ziemlich alle Eigenarten an den Tag, die Normalfahrer verschrecken und Cracks ein seliges Strahlen ins Gesicht zaubern. Das manuell am besten zu bedienende Doppelkupplungsgetriebe des GT-R schaltet sensationell schnell. Mit beispielhafter Neutralität fräst sich der Japaner um den Kurs. Das Auto schnupft jede Gerade so blitzartig auf, dass sogar Routiniers deren plötzliches Ende überrascht.
Beste Rundenzeit auf dem Sachsenring für den GT-R
Das folgerichtige Resultat: eine Rundenzeit von 1:35,41 Minuten – die beste je von uns am Sachsenring gemessene Zeit. Der strapaziösere Lamborghini hinkt minimal hinterher – seine 1:35,68 sind jedoch vergleichsweise hart erkämpft. Auch im Kostenkapitel bekleckert sich Italien nicht mit Ruhm. Bereits das Serienauto kostet 100 000 Euro mehr als der Werks-Nissan – 183 000 statt 82 000 Euro. Die japanische Invasion hat dieses Mal also Erfolg – wirklich Angst macht sie uns bisher aber nicht. Eher Spaß.Die offiziellen, von AUTO BILD SPORTSCARS gemessenen Rundenzeiten beider Kontrahenten sowie die aktuelle Hitliste lesen Sie in Heft 8. Ab 10. Juli am Kiosk!
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Kommentare zum Artikel (63)
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Es ist das erste mal das ich erlebe das ein Japanisches Auto Testsieger in der Autobild wird!
Wir können doch froh sein das der Lambo noch die Einfahrdrossel hatte sonst wäre die Zeit noch schlechter gewesen weil das dding nach noch schlechter zu fahren ist.
Qualitativ sollten einige hier mal sich erkundigen bei Lambofahrern, mein Arbeitskollege hat einen LP560, 5000km gefahren und nun verkauft. Warum? Zuviel Mängel und schlechte Verarbeitung!
Nach meinen paar Runden mit einem Formel1 wagen auf der Strecke von Le Luc in Saint Tropez, gilt die Probefahrt mit einem Ferrari F40, Lancia S4 und dem "Nissan GT-R" zu den faszinierensten die ich je erlebt habe.
Dazu kommt die einwandfreie Verarbeitung, Ergonomie und vorallem der einzigartige Preis.
Für mich steht klar das dieses mein nächstes Fz. sein wird.
Einziger "- Punkt":
Mann hätte von mir aus den VP locker um 10-15t höher setzen können, jedoch dafür den Gratis-Service für 10Jahre Angeboten.
cu Robb
Die stolze Liebhaber der Produktion des deutsches Werkstatt muss aber auch versuchen ein bischen mehr Objektiv zu werden.
Ich habe Opel Corsa, VW Polo, VW Golf IV, Seat Cordoba, Honda Civic (AeroDeck), Mitsubishi Colt, VW Beetle, Renault Scenic gefahren und die deutsche habe mir am meisten geärgert. Schlechte Leistung und mehr Probleme als die japaner. Und jetzt fahre ich Mazda 3 und erst jetzt mach fahren richtig Spass!
Wie mehr guenstigere Preise fur mehr fur die Kunde, desto besser!
@badworld
Der V-spec ist auch "ein" normales GT-R, weil es serienmässig gebaut wird. Und in die Niederländische Tochterblatt der AutoBild (Autoweek) hat der Belgische Nissan Testfahrer im Interview bestätigt dass die GT-Rs in der Testen nicht getunet sind. (Wird ein Mitarbeiter etwas Negatives über seiner Boss reden?)
@ Nikolaidis: dann nehme ich einen GTR Tennessey.....und begrüße dich in dem ich dich Rückwärtsfahrend überhole ;D