Novidem GTS 430/Cartech M3

Novidem GTS 430 Cartech M3 Novidem GTS 430 Cartech M3

Novidem GTS 430/Cartech M3

— 01.07.2008

Schwarz auf Weiß

Der eine aus Japan, der andere aus Deutschland, doch beide sind von den Eidgenossen in der Schweiz veredelt: Novdem liftet den Nissan 350Z per Kompressor auf 430 PS und fordert so den 10 PS stärkeren Cartech M3 heraus.

Motorsport Arena Oschersleben: Treffpunkt für zwei junge Dynamiker, die zeigen wollen, was sie draufhaben. Doch dieses Duell hat viele Gesichter. Hier will der eine Schweizer dem anderen seine Wertarbeit demonstrieren. Noch exakter auf den Punkt gebracht: Ein Nissan 350Z fordert den BMW M3 heraus. Solche Anmaßung erzeugt beim Autor dieser Zeilen zunächst ein leichtes Grinsen. Denn normalerweise kämpft der Hochdrehzahl-Bayer gegen Porsche und Co. und erwartet allenfalls ungeduldig den neuen Nissan GT-R. Aber was ist schon normal, wenn wir es mit zwei Autos aus eidgenössischen Tuninghänden zu tun haben. Die Eckdaten der veredelten Coupés sind schon mal nicht von schlechten Eltern. Cartech bestückt die Kabelstränge des M3 mit neuer Elektronik und tauscht die Serien- gegen eine Sportauspuffanlage aus dem Hause Eisenmann. Das ergibt zusammen 440 statt 420 PS. Für die dafür fälligen 3875 Euro (inklusive Auspuffanlage) bekommt man zudem eine Vmax-Aufhebung.

Der Kompressor des Novidem macht auf Knopfdruck Druck

Bissiges Biest auf Knopfdruck: Der Kompressor des GTS 430 lässt sich zu- und abschalten.

Novidem verfolgt einen anderen Ansatz, um die leidige Frage nach mehr Leistung zu beantworten: Der Tuner schwört schon seit einigen Jahren mit Erfolg auf Kompressortechnik. Der Lader wird einfach angeflanscht – und mit Hilfe zweier Zusatzsteuergeräte angelernt. Pfiffige Dreingabe: Über eine Magnetkupplung besteht die Möglichkeit, den R48-Lader per Taste in der Mittelkonsole an- und abzuschalten. Der GTS 430 basiert dabei auf dem aktuellen 313-PS-Aggregat des Nissan 350Z. Novidem scheute keinen Aufwand, um das Potenzial des neuen Motors mit zwei statt einer Drosselklappe konsequent auszunutzen. Bei gemächlicher Fahrt lässt es sich bequem auch ohne Kompressoraufladung dahinrollen. Das spart Kraftstoff und kühlt zugleich das System. Die Daten lesen sich beeindruckend: 430 PS bei 6290 Umdrehungen und 500 Newtonmeter bei 5810/min. Da sind sogar wesentlich teurere Sportwagen zumindest auf dem Papier chancenlos. Der Leistungszuwachs von 117 PS hat jedoch auch seinen Preis: 14.230 Euro verlangen die Schweizer für den Umbau – ohne Auspuffanlage.

In Sachen Optik fallen beide Kontrahenten dezent aus

Bis auf die ungewöhnlichen Aluräder sehr dezent: der M3 von Cartech.

Rein optisch treten die beiden Zweitürer dagegen fast schon zurückhaltend auf. BMW-Niere und Heckspoiler sind beim Cartech M3 in Carbon gehalten. Etwas gewöhnungsbedürftig sind die 19 Zoll großen Domanig-Räder. Das zweiteilige Vollflächenrad ist etwas eigen, versprüht aber genug sportliches Flair. Die trendigen 19-Zöller von Advan Racing in Titangrau stehen dem Nippon-Boy gut zu Gesicht. Doch deren exorbitanter Preis (6300 Euro) schockt. Die Optik bleibt – abgesehen vom herrlich schreienden Sportauspuff – seriennah. Letzterer ist mit elektronisch gesteuerten Drosselklappen ausgerüstet und macht erst ab 4000 Touren richtig Musik. Noch zwei Stunden, dann schaltet die Ampel in der Boxengasse auf Grün. Genug Zeit also für die obligatorischen Messfahrten. Im Sprint knackt der Novidem-Nissan mit 4,8 Sekunden auf Tempo 100 die prestigeträchtige 5-Sekunden-Schallmauer. Und es geht unwiderstehlich weiter: 14,6 Sekunden bis 200 km/h und 12,95 Sekunden für die Viertelmeile sind mehr als beachtlich. Da haben wesentlich teurere Sportwagen wie zum Beispiel Porsche 911, Audi R8 und Corvette C6 das Nachsehen.

Der M3 von Cartech sieht vom Novidem-Nissan ebenfalls nur die Rückleuchten. Trotz klebriger Michelin-Semislicks reißt er die 100er-Marke erst nach 5,2 Sekunden. 12,3 Sekunden später springt die Tachonadel auf 200. Damit ist der Schweizer M3 trotz 20 PS Mehrleistung sogar einen Tick langsamer als unser Dauertest-M3 (0-100: 5,2 s; 0-200: 17,2 s), wiegt aber auch knapp 100 Kilo mehr. Auch bei den Elastizitätsmessungen von 60 auf 100 und von 80 auf 120 km/h bleibt der 350Z klar vorn. Bevor nun aber Jubelstürme im Nissan-Lager losbrechen, sei noch Folgendes gesagt: Der GTS 430 wiegt 168 Kilo weniger als der M3 und ist schon ab Werk mit einer etwas kürzeren Übersetzung der Sechsgang-Schaltbox ausgerüstet. Und in Sachen Vmax? Theoretisch sind 300 km/h möglich. Novidem-Chef Manrico Masetta belässt jedoch wegen der Semislick-Bereifung die serienmäßige Vmax-Sperre bei 250 km/h. Der BMW rennt dagegen 297 Spitze. Kurz vor Oschersleben geht es noch auf die Verbrauchsrunde. denn in Zeiten von Finanz- und Ölkrise schauen auch Sportwagenfahrer immer öfter auf die Tankuhr. Die ausgewogene Testtour durch die Stadt, über Land und Autobahn brachte dabei zwei Überraschungen ans Tageslicht. Zum einen genehmigte sich der Cartech M3 nur 12,8 Liter Super Plus und damit 0,6 Liter weniger als der serienmäßige AUTO BILD SPORTSCARS-Dauertest-M3. Etwas weniger genügsam gibt sich der Nissan. Mit 13,9 Litern schluckt er 1,6 Liter mehr als ein Serien-350 Z.

Im Novidem GTS 430 geht es wie auf Schienen um den Rundkurs

Geht nur mit wilden Lenkmanövern: der Novidem GTS 430 im Drift.

Auf der Rennstrecke sind derlei Unannehmlichkeiten schnell vergessen. Hier zählt die pure Performance. Und in dieser Disziplin glänzt der schwarze Nissan wieder. Boxenausfahrt, ein simpler Knopfdruck verwandelt den GTS 430 in einen bissigen Sportwagen. Der 350 Z wird wie vom Nachbrenner gezündet nach vorn katapultiert. Schon die erste Runde mit kalten Pirelli-PZeroCorsa-Semislicks macht Eindruck. Die Seitenneigung ist gering, der Wagen klebt neutral auf der Straße, lenkt entschlossen ein und neigt weit weniger zu einem giftig ausbrechenden Heck als die Serienversion. Mit den Runden kommen die Pirelli-Gummis auf ihre Betriebstemperatur. Das sorgt für ein spürbares Plus an Grip, das bei schneller Kurvenfahrt Vertrauen schafft. Trotz des Kompressor-Hammers traut man sich – ohne an Kurvenausgängen zu zucken –, voll auf dem Gas zu bleiben. Nur wer mit wilden Lenkmanövern ein Übersteuern provoziert, zieht den GTS 430 auch im Querzustand hervorragend um die Ecken. Wenn alles passt, dann bleibt die Uhr bei 1:45,72 Minuten stehen. Eine beachtliche Zeit, wenn man sich die Hitliste (rechts) anschaut und das 350 Z-Serienpendant nur eine Zeit von 1:51,45 Minuten schafft.

Einen großen Anteil an diesem Erfolg hat das zusammen mit KW auf der Nürburgring-Nordschleife entwickelte Fahrwerk. Auch die Sportbremsanlage lässt Freude aufkommen. Hier wird gezeigt, wie viel es ausmacht, nur die Scheiben und die Beläge zu ändern. Und schließlich gehört zum Schnellfahren natürlich noch eine gute Sitzposition. Statt Thron-Gefühle wie beim Serienauto vermitteln die montierten Recaros perfekten Seitenhalt. Der Überrollbügel ist keine Show, er sorgt für eine erhöhte Steifigkeit der Karosserie.

Mit leutem Gebrüll fegt der Cartech M3 über die Strecke

Da kommt Freude auf: Der getunte M3 stellt den Serienbruder akustisch in den Schatten.

Im Cockpit verzichtet Cartech auf überflüssigen Schnickschnack. Der Sound aus der Vierrohr-Edelstahlauspuffanlage ist heiser und brutal – fast wie ein DTM-Renner sirrt der weiße Wagen im Leerlauf. Jeder kurze Gasstoß wird mit röhrendem Gebrüll belohnt. Schon auf den ersten Kilometern in voller Fahrt wird klar, dass dieser getunte M3 das Serienauto locker in den Schatten stellt. Gierig hängt der Motor am Gas: Bereits ab 3000 Touren geht es zur Sache. Die 20 Mehr-PS sind zwar kaum der Rede wert, aber spürbar. Das KW-Gewindefahrwerk ist hart, sorgt aber jederzeit für guten Bodenkontakt. Selbst bei ausgeschaltetem ESP bringt diesen M3 kaum etwas aus der Spur – was zum Teil auch auf die Michelin-Semislicks zurückzuführen ist. Mit 1:46,40 Minuten ist der BMW fast eine Sekunde langsamer als der Nissan. Damit ist die Überraschung perfekt: Der Novidem GTS 430 siegt über den Cartech M3!
Technische Daten Cartech BMW M3 Novidem GTS 430
Motor V8 V6, Kompressor
Einbaulage vorn längs vorn längs
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/4 4 pro Zylinder/4
Hubraum 3999 cm³ 3498 cm³
Bohrung x Hub 92,0 x 75,2 mm 95,5 x 81,4 mm
Verdichtung 12,0:1 10,6:1
kW (PS) bei 1/min 324 (440)/8300 316 (430)/6290
Literleistung 110 PS/Liter 123 PS/Liter
Nm bei 1/min 430/3900 500/5810
Antriebsart Hinterrad Hinterrad
Getriebe 6-Gang 6-Gang
Bremsen vorn 360 mm/innenbel./gelocht 324 mm/innenbel./geschl.
Bremsen hinten 350 mm/innenbel./gelocht 322 mm/innenbel./geschl.
Radgröße vorn / hinten 9,5 x 19 / 11 x 19 9 x 19 / 10 x 19
Reifen vorn / hinten 265/30 R 19 / 305/30 R 19 235/35 R 19 / 295/30 R 19
Reifentyp Michelin Pilot Sport Cup Pirelli PZero Corsa
Länge/Breite/Höhe 4615/1804/1378 mm 4315/1815/1280 mm
Radstand 2761 mm 2650 mm
Leistungsgewicht 3,9 kg/PS 3,6 kg/PS
Zuladung 371 kg 279 kg
Preise (in Euro) Cartech BMW M3 Novidem GTS 430
Serienfahrzeug 67.150 Euro 38.190 Euro
Tuning
Leistungssteigerung 1800 14.230
Sportfahrwerk 2175 2300
Radsatz komplett 5800 6300
Sportauspuff 2075 3460
Anbauteile / Interieur 1385 / – – / 6210
Bremsanlage Serie 2250
Preis Testwagen 80.385 Euro 72.940 Euro
Messwerte Cartech BMW M3 Novidem GTS 430
Beschleunigung
0– 50 km/h 2,1 s 2,0 s
0–100 km/h 5,2 s 4,8 s
0–130 km/h 8,0 s 7,3 s
0–160 km/h 11,2 s 10,2 s
0–200 km/h 17,5 s 14,6 s
Viertelmeile
0–402,34 m 13,36 s 12,95 s
Vmax
GPS-Messung 297 km/h 247 km/h
Elastizität
60–100 km/h im 4. Gang 5,6 s 4,5 s
80–120 km/h im 5. Gang 6,7 s 5,7 s
80–120 km/h im 6. Gang 8,5 s 9,7 s
Bremsweg (Verzögerung)
100–0 km/h kalt 37,2 m (–10,4 m/s²) 34,1 m (–11,1 m/s²)
100–0 km/h warm 34,9 m (–11,1 m/s²) 33,7 m (–11,5 m/s²)
200–0 km/h warm 141,1 m (–10,9 m/s²) 153,4 m (–10,1 m/s²)
Testverbrauch
Ø auf 100 km 12,8 l Super Plus 13,9 l Super Plus
Reichweite 490 km 580 km
Leergewicht 1709 kg 1541 kg

Autor: Guido Naumann

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.