Nürburgring

Nürburgring: Russen-Investor sorgt für Kritik

— 31.10.2014

Die Angst vor dem Oligarchen

Die deutsche Traditionsrennstrecke Nürburgring in der Hand eines russischen Geldgebers: In der Politik gibt es für diese neuen Verhältnisse viel Kritik.

(dpa) Der Einstieg eines russischen Investors am insolventen Nürburgring weckt bei der rheinland-pfälzischen Landesregierung Hoffnungen auf ruhigere Zeiten für die Rennstrecke. «Ich hoffe, dass dahinter keine Heuschrecken-Mentalität steckt», sagte Verkehrsminister Roger Lewentz (SPD) der Nachrichtenagentur dpa am Freitag in St. Goarshausen. «Alles spricht im Moment dagegen.» Der Geldgeber habe Millionen in die Hand genommen und daher wohl ein echtes Interesse an der Rennstrecke. Bei der CDU löste der neue Geldgeber Viktor Charitonin dagegen große Bedenken aus. «Es war Volkseigentum, jetzt haben wir einen russischen Oligarchen dort», sagte Oppositionschefin Julia Klöckner (CDU). «Jetzt hat man just dem die Tür geöffnet, dem man ja eigentlich bei dem Erstverkauf (...) gesagt hatte, den wollen wir nicht.»

Not muss groß sein

Die Nürburgring-Sanierer hatten mit der rot-grünen Landesregierung im März den mittelständischen Autozulieferer Capricorn als Ring-Käufer präsentiert, der als Geldgeber inzwischen ausgestiegen ist. Dessen Anteil an der Ring-Besitzgesellschaft von zwei Dritteln übernahm nun eine Holding, zu der der Pharmaunternehmer Charitonin gehört. «Die Not muss groß sein», erklärte CDU-Fraktionsvize Alexander Licht. Die Landesregierung habe damit ein Versprechen für die Menschen in der Region gebrochen.
Lewentz hatte im Mai 2013 bei der Investorensuche gesagt, es sei nicht erwünscht, dass etwa ein Oligarch aus Russland oder dem Nahen Osten sich eine private Rennstrecke kaufe. Als Oligarch gilt ein reicher Unternehmer, der Macht und Einfluss hat.

Öffentlicher Zugang bleibt

Trotz aller Kritik atmen die Fans auf: Der Rennbetrieb am Ring bleibt erhalten

Im Februar 2013 hatte Nürburgring-Sachwalter Jens Lieser betont: «Es ist kein Oligarch oder reicher Scheich darunter, der eine Privatrennstrecke will, sondern alle haben eine Beziehung zum öffentlichen Rennsport.» Der Koalitionspartner der SPD befürchtet mit dem neuen Investor keine Nachteile für die Öffentlichkeit. Grünen-Landtagsfraktionschef Daniel Köbler teilte mit, der gesetzlich festgelegte öffentliche Zugang etwa für Breitensport «gilt, unabhängig davon, wer den Nürburgring besitzt, wer ihn betreibt oder wer dort investiert. Wir Grüne werden auch weiterhin auf eine solide und nachhaltige Entwicklung am Nürburgring größten Wert legen.» Grünen-Landesvorsitzender Thomas Petry sagte: «Nach heutigem Stand werden alle Verträge erfüllt und die Arbeitsplätze erhalten bleiben.»

Stilllegung ist vom Tisch

Der Investor stieg ein, kurz bevor an diesem Freitag eine zweite Kaufpreisrate von fünf Millionen Euro für den Ring fällig geworden wäre. Diese und eine Rate für Dezember sind laut Sanierer schon bezahlt. Mit dem Einstieg ist eine Stilllegung der Rennstrecke vom Tisch. Ein Drittel an der Besitzgesellschaft hält weiterhin die Motorsportfirma Getspeed, die am Nürburgring ihren Sitz hat. Die FDP Rheinland-Pfalz, die seit 2011 nicht mehr im Landtag vertreten ist, forderte einen Neustart für das Verkaufsverfahren und die Gründung einer Stiftung für die Rennstrecke.
Fotos: Picture-Alliance

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