Obamas fahrender Amtssitz
— 09.12.2008Das sicherste Auto der Welt
Barack Obamas neuer Dienstwagen ist acht Tonnen schwer und bis zu 1000 PS stark. Die Basis: Chevrolet Suburban. Der US-Truck bildet das Gerüst für die Staatslimousine Obamas.
Im Notfall sorgt Lachgas für 1000 statt 600 PS
Die schwere Karosserie sitzt auf dem Fahrgestell des 2500er Chevrolet Suburban, eines Trucks. Auffällig ist vor allem die ungebogene Frontscheibe des Panzerwagens. Experten vermuten, dass das Glas rund 14 Zentimeter dick ist – mehr als doppelt so viel wie bei den Karossen europäischer Staatschefs. "Das ist schon fett", sagt Markus A. Cloer, Chef der Firma Landmann Training in Bonn. Der Sicherheitsexperte muss es wissen. Seit Jahren schult er Fahrer ausländischer Staatschefs und vermittelt ihnen gepanzerte Limousinen. Cloer glaubt, dass Obamas Limousine rund acht Tonnen wiegt und maximal 100 km/h schnell ist. "Der fährt sicher wie ein Bleiklumpen", vermutet er. Auffällig findet der Sicherheitsprofi auch die kleinen Fenster. "Sie bieten Terroristen kaum Angriffsfläche." Entgegen anderslautender Berichte glaubt Cloer, dass die rollende Trutzburg nicht sicherer ist als das Gefährt des noch amtierenden Staatschefs George W. Bush.
Mehrere Lagen Stahl, Keramik und Spezialschaumstoffe
Obama habe ein anderes Gefährdungspotenzial: "Auf ihn haben es Rassisten und andere Verrückte abgesehen – und die kommen kaum an schwere Waffen." Die Karosserie besteht aus mehreren Lagen Stahl, Keramik und Spezialschaumstoffen. Dieses Sandwich soll selbst einen Stinger-Raketenkopf abhalten. Von außen wirken die dicken und deshalb kaum durchsichtigen Fenster wie die Scheiben eines schlecht geputzten Aquariums – Barack Obama ist kaum zu sehen. Für Volksnähe sollen eine grelle Innenraumbeleuchtung und eine 1200 Watt starke Außensprechanlage sorgen. Im Notfall steigert eine Lachgas-Einspeisung die Leistung des V8-Blocks von 600 auf 1000 PS. Das alles kostet Sprit: Maximal 115 Kilometer schafft das Obamamobil mit einer Tankfüllung. Selbst auf Auslandsreisen greifen US-Präsidenten auf ihren Stammfuhrpark zurück. C-17-Transportflugzeuge bringen die Safetycars an jeden Ort der Welt. Europäische Staatslimousinen wirken im Vergleich zu Baracks Staatsdroschke fast schlank. Merkel, Sarkozy und Co fahren meist seriennahe Oberklassemodelle der Beschussklassen B6 und B7. Die Scheiben sind etwa fünf Zentimeter dick, gegen Giftgasanschläge hilft eine eigene Sauerstoffversorgung. Sogenannte Jammer sind in fast allen Ländern Standard. Die in Begleitfahrzeugen montierten Störsender überlagern Frequenzen und sollen Funkzünder an Bomben lahmlegen. Wie viel Schutz vor allem Panzerlimousinen aus deutscher Produktion bieten, belegt der Mordanschlag auf den georgischen Politiker Eduard Schewardnadse. Der Politiker überstand 1995 einen schweren Bombenanschlag auf seinen Mercedes mit leichten Verletzungen. Andere hatten weniger Glück. 2005 tötete eine Bombe den früheren libanesischen Premier Rafik Hariri.
Technik erklärt: Jährlich gibt es zehn bis 15 Beschussprüfungen
Oft werden gepanzerte Fahrzeuge in die Beschussklassen B1 bis B10 eingeteilt. In der Praxis sind aber nur B4 (leichte Panzerung) sowie die Regierungsmitgliedern und Wirtschaftslenkern vorbehaltenen schwere Panzerungen B6 und B7 relevant. Rudolf Frieß, Leiter des Beschussamtes in Ulm, hält diese Einteilung für problematisch. "Es gibt hierfür keine Norm oder Richtlinie", sagt er. Oft würden Klassifizierungen einzelner Komponenten oder Materialien ohne weitere Prüfung auf das gesamte Fahrzeug übertragen. Das Beschussamt verwendet deshalb die Klassifizierung VR. Gebräuchlich sind VR 4 und VR 6/7. Leichtpanzerungen der Stufe vier wiegen 200 bis 300 Kilogramm und sollen gegen Kurzwaffen, Entführungsversuche und Überfälle schützen.Die 1200 bis 1500 Kilo wiegenden Schwerpanzerungen VR 6/7 gegen Langwaffen und panzerbrechende Hartkernmunition. Beschussprüfungen führt unter anderem das Beschussamt in Ulm durch. Maschinell werden Hunderte Patronen unterschiedlicher Munition aus verschiendenen Winkeln und Abständen auf Versuchsautos abgefeuert. Hierbei zielen die Prüfer vor allem auf Fugen, Tür- und Tanköffnungen, Belüftungsdurchlässe, Überlappungen sowie Scheiben. Der Innenraum muss hermetisch abgeschlossen bleiben. Jährlich gibt es in Deutschland zehn bis 15 Beschussprüfungen.





































