Oberschneider VW Golf 1.8T

Oberscheider VW Golf 1.8T Oberscheider VW Golf 1.8T

Oberscheider VW Golf 1.8T

— 16.04.2003

Golf ist geil

Lebensabend für den Golf IV – auf der IAA im September präsentiert VW den Nachfolger. Oberscheider stattet den rüstigen Alten zum Schluss komplett aus.

Perfektion aus Österreich

Stellen Sie sich vor, Sie kaufen einen Pkw. Stellen Sie sich vor, Sie lassen das Fahrzeug veredeln. Stellen Sie sich vor, dass das Tuning doppelt so viel kostet wie das Auto selbst – allein breitere Kotflügel und Lederausstattung schlagen mit 20.000 Euro zu Buche. Stellen Sie sich weiter vor: Wir reden von einem Golf! Ungewöhnlich, gewiss. 67.413 Euro verlangt Tuner Oberscheider für seinen Über-Golf. VW kassiert für den R32 nicht einmal halb so viel. Also unverschämt? Nein. Oberscheiders Kreation ist keine Ware von der Stange.

Das gute Stück gerät so teuer, weil Oberscheider Billiglösungen verabscheut. Peinliche Breitbau-Orgien im Stil der 80er Jahre kommen für den Perfektionisten aus Österreich nicht in Frage. Damals hielten Unmengen von Klebstoff Massen von Kunststoff mehr schlecht als recht in Form. Oberscheiders Golf verschandeln keine popeligen Plastikverbreiterungen: Alles ist von Hand in Blech gearbeitet. Allein die aufwändigen Karosseriearbeiten beanspruchen etwa 250 Arbeitsstunden. Ein Aufwand, der sich lohnt.

Kraftstrotzend – nicht aufgeblasen – steht er da, ein seriöser Arnold Schwarzenegger in Armani-Klamotten. Veredelt wird auch, was gemeinhin wenig Beachtung findet: die Motorhaube (2500 Euro). Deren drei markante Lufteinlässe sind thermisch nicht notwendig, sehen aber stark aus. Im Innenraum setzt sich die Prunksucht fort. Sitze, Armaturenbrett und Türverkleidungen bezieht der Tuner mit Leder, den Dachhimmel kleidet er mit Alcantara aus.

Tiefer Griff in die Tuning-Trickkiste

All diese Maßnahmen machen den Golf nicht nur schön und schön breit, sondern auch ganz schön schwer. Um die Gewichtszunahme zu kompensieren, greift Oberscheider tief in die Tuning-Trickkiste. Zum Einsatz kommen ein größerer Turbolader, Fächerkrümmer, Sportauspuff, ein anderer Ladeluftkühler und ein optimiertes Ansaugsystem. Mission erfüllt: Mit der Leistung, die der Prüfstand nach des Tuners Eingriff verkündet, ließe sich auch ein 7,5-Tonner adäquat fortbewegen. Die 1420 Kilogramm des Golf werden zum Spielball der Gewalten – aus 150 PS macht Oberscheider 290. Anders ausgedrückt: ein Zuwachs von knapp 100 Prozent. Das maximale Drehmoment wächst von 210 auf 380 Newtonmeter.

Für diese Werte ist vor allem der gewaltige Lader verantwortlich. Größer heißt in diesem Fall allerdings auch träger. Dadurch nimmt der starke Golf schizophrene Wesenszüge an. Untenrum wirkt er phlegmatisch bis scheintot. Wer niedertourig durch die Gegend rollt und plötzlich Leistung abrufen will, erschrickt: Zugeschnürt schnurrt die Maschine vor sich hin. 290 PS? Wo denn? Erst bei 3500 Umdrehungen bekommt der Motor Feuer, ab 4000 geht’s richtig los.

Die 290 Pferde springen dem Piloten erbarmungslos in den Nacken, rasend schnell dreht der Vierzylinder hoch. Erst der Begrenzer gebietet seinem unbändigen Vorwärtsdrang Einhalt. Dazu passt der Klang des getunten Golf. Er versetzt Kenner des 1.8-Turbo-Motors in ungläubiges Staunen. Die Maschine gibt ein tiefes, markerschütterndes Grollen von sich, schon im Stand brummelt sie – die Ohren verwöhnend – vor sich hin.

Der Oberscheider liegt wie ein Brett

Nur die unsägliche Schaltung trübt die Lust an der Raserei. Oberscheiders Schaltwegverkürzung in allen Ehren: Wenn das Ganze auf eine so hakelige, störrische Angelegenheit hinausläuft, nehmen wir längere Wege gerne in Kauf. Wer sich unbeirrt durch die Gänge kämpft, kommt fix voran. 6,5 Sekunden benötigt der Oberscheider- Golf bis 100 km/h – trotz nur einer angetriebenen Achse. Die Elastizitätswerte ziehen keine Wurst vom Teller. Wir wissen ja bereits, woran das liegt – und täglich grüßt der Turbolader. Natürlich schluckt der Breitbau Leistung. Bei Tempo 245 ist trotz des lang übersetzten fünften Gangs Sense.

Die schmale Variante soll laut Oberscheider 265 km/h rennen. Auf die Bremswerte hat die Breite keinen Einfluss: Völlig fadingfrei steht der Golf auch beim zehnten Versuch nach 38,2 Metern. Selbst wer sich bei 200 km/h zur Vollbremsung entschließt, kann sich dank der riesigen Sportbremsanlage mit gelochten Bremsscheiben über konstante Verzögerungswerte freuen.

Gute Laune garantiert der Golf generell. Mit dem feinen Gewindefahrwerk liegt er wie das sprichwörtliche Brett – satt, sicher, unerschütterlich. Die Besatzung lümmelt entspannt in den luxuriösen Recaro-Sportsesseln, die mit perfektem Komfort und optimalem Seitenhalt verwöhnen. Dazu passt der basslastige Klang der fetten Kenwood-Anlage – "wir sind die Coolsten, wenn wir cruisen".

Fazit und Technische Daten

Fazit Mit diesem beeindruckenden Golf fällt der Abschied von der vierten Generation ungeahnt schwer. Hoffentlich macht sich Oberscheider schnell an den Nachfolger ran – wir sind schon sehr gespannt.

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