Ölverbrauch

— 08.03.2002

Wie viel Öl darf Ihr Auto verbrauchen?

Pech, wer einen Ölsäufer erwischt hat. Auf Garantie geht oft gar nichts, wegen der künstlich erhöhten Grenzwerte.



Ölverbrauch ja, Ölverlust nein

Die ersten Automobilisten hatten es schwer - ihre Gefährte brauchten beinah ebenso viel öl wie Benzin. Doch mit zunehmender Gebrauchstüchtigkeit sank der ölverbrauch, um sich gegen Ende der Siebziger des vorigen Jahrhunderts auf einem annehmbaren Niveau zu stabilisieren. Dort steht er noch heute, eine wesentliche Verbesserung hat sich seitdem in der Praxis nicht ergeben.

Doch bevor wir uns darüber beschweren, sollten wir zunächst den Begriff ölverbrauch erklären: Verbraucht wird der Teil des Öls, der innerhalb des Motors durch Kolbenringe, Ventilführungen und Kurbelgehäuseentlüftung in den Brennraum gelangt und dort verbrannt wird. Dabei entstehen Abgase, die der Katalysator weitgehend unschädlich macht. In keinem Fall ist Ölverbrauch das Gleiche wie Ölverlust. Damit ist gemeint, wenn Öl aus dem Motor ins Freie tropft - was der Umwelt und dort besonders dem Grundwasser stark schadet.

Wenigstens in diesem Punkt herrscht Einigkeit bei den Autoherstellern: Ölverlust darf nicht sein. Beim Ölverbrauch hingegen gehen die Meinungen auseinander: In jüngeren Betriebsanleitungen fanden wir Angaben über den zulässigen Ölverbrauch, die zwischen 0,6 und 1,0 Liter pro 1000 Kilometer liegen. Der niedrige Wert steht bei Opel geschrieben und gilt für die neuen DTI-Motoren, von einem Liter ist bei einer Vielzahl von Fahrzeugen die Rede. In der Praxis ist der Ölverbrauch wesentlich niedriger, und das ist auch ganz gut so. Denn bei etwa 0,25 l/1000 km liegt die Grenze, ab der sich verbranntes Öl als Blaurauch aus dem Auspuff bemerkbar macht.

Ein Liter auf 1000 Kilometer?

Warum aber gestatten Autohersteller ihren Fahrzeugen dann wesentlich höhere ölverbräuche? Die Antwort ist relativ einfach: Um Reklamationen vorzubeugen! Denn während der Einlaufzeit eines Motors kann der Ölkonsum vorübergehend ansteigen. Das legt sich bald wieder. Wann, ist abhängig von Motor und Fahrstil. Wer die Einfahrphase mit Vollgas absolviert, hat den Motor zwar schneller frei gefahren, muss aber womöglich auf Dauer mit einem höheren Ölverbrauch leben. Wer aber nur in der Stadt herumschleicht, hat seinen Motor auch nach 20000 Kilometern noch nicht eingefahren. Im Normalfall jedoch sollten sich die Kolbenringe - sie sind der Schlüssel zum Ölverbrauch - nach 3000 bis 7000 Kilometern eingeschliffen haben.

Dann hat sich auch der Ölverbrauch eingependelt. Auf welchen absoluten Wert, ist abhängig von Motorgröße und -bauart. Turbos - auch Diesel - benötigen stets ein Tröpfchen mehr als nicht aufgeladene Motoren. Einfach weil das Öl durch die Abdichtung der Laderwelle kriecht. Ausnahme von dieser Regel: Der Smart mit seinem 600-Kubik-Turbozwerg absolvierte seinen 50.000-km-Dauertest ohne einen Tropfen Nachfüll-Öl. Aber ein Smart hat auch nur drei Zylinder - und damit weniger Kolben nebst Kolbenringen, an denen sich Öl vorbeimogeln kann. Ein Vierzylinder dürfte schon deshalb 33 Prozent mehr öl verbrauchen, von einem V12 ganz zu schweigen.

Aber die Praxis sieht anders aus: Die Ringbestückung der Kolben hat einen größeren Einfluss als die Zylinderzahl. Und sie unterliegt einem Zielkonflikt: Denn stramme Kolbenringe verringern zwar den ölverbrauch, erhöhen aber die Reibung an der Zylinderwand. Und Reibungsverluste kosten Kraftstoff. Ringe mit geringerer Spannung dagegen gleiten leicht durch den Zylinder, lassen aber mehr Öl durch. Welcher Kompromiss letztlich zum Einsatz kommt, ist Geheimnis der Konstrukteure. Aber ein zulässiger Ölverbrauch von einem Liter ist heute nicht mehr praxisgerecht. Hier sollten die Autohersteller realistische Werte nennen, denn ein Motor mit einem solchen Ölkonsum ist in Wahrheit längst hinüber.

Ölstand richtig prüfen

Ölstand kontrollieren? Ist doch nicht so schwer: Peilstab rausreißen, ablesen - fertig. Oder doch nicht? Tatsache ist: Oft entstehen Ablesefehler. Weil das Fahrzeug schief steht, nach dem Ablesen nicht lang genug gewartet wurde oder der Peilstab mit der Spitze nach oben gehalten wird. Opel wird deshalb demnächst Aufkleber neben dem Peilstab anbringen: "Vor dem Ablesen fünf Minuten warten!" Damit alles Öl zurück in die Wanne laufen kann, ehe gemessen wird. Sonst wird ein zu geringer Ölpegel festgestellt und nachgefüllt, obwohl tatsächlich gar nichts fehlt.

Wenn wirklich Öl fehlt, lautet die wichtigste Grundregel: Langsam auffüllen, immer schluckweise. Denn jeder hat beim Auffüllen den Drang, exakt bis an die Maximum-Markierung zu kommen - und schießt dann übers Ziel hinaus. Deshalb nach jedem Schluck warten und den neuen Ölstand prüfen. Denn wenn ein moderner Motor eines nicht verträgt, dann zu viel Öl. Das saugt er durch die Kurbelgehäuse-Entlüftung an und verbrennt es, was zu Asche-Ablagerungen im Motor führen kann und oft auch den Katalysator schädigt. Mindestens aber leiden die Dichtungen.

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