BMW 650i Cabrio

Offen fahren: Pro und Kontra

— 04.03.2011

Wer darf offen fahren?

Mit den ersten Sonnenstrahlen im März kommen die ersten Cabrios des Jahres zurück auf die Straßen. Doch ist offen fahren wirklich ein Genuss – oder bloß ein peinlicher Spaß für eitle Fatzkes?

"Wer lässig sein will, ist plötzlich nur noch lächerlich",
findet Hauke Schrieber.

Vorweg sei erwähnt: Ich bin geboren, aufgewachsen und lebe in Deutschlands Cabrio-Hauptstadt. Ich weiß also, wovon ich spreche. Hier in Hamburg beginnt die Saison fürs Offenfahren, sobald die Temperaturen konstant über null Grad liegen und aus Regen ein Nieseln wird. Sonnenbrille, Schirmmütze, Schal – fertig ist der Vollidiot.

Frische Luft gibt's im Wald

Redakteur Hauke Schrieber.

Aber unabhängig vom Wetter (also abgesehen davon, dass es immer zu heiß, zu kalt, zu windig oder zu nass ist): Offen in einem Cabrio fahren dürfen höchstens Frauen (bis 40 Jahre) und Kinder (dürfen im Auto fast alles). Männer in einem Auto ohne Dach sind verboten! Männer über 50 in einem offenen Cabriolet haben einen Dachschaden! Im Fahrtwind wird jedes Lächeln zu einem fratzenhaften Grinsen. Was lässig sein will, ist nur noch lächerlich. Da! Zwischen Baustellenstaub und Baggerlärm ein Atemzug frische Luft, ein kurzes Vogelzwitschern! Bitte, schließe das Dach, fahr in den Wald und mache einen Spaziergang. Weder Gänsehaut noch Schweißperlen auf dem Unterarm haben Stil – nicht einmal in einem offenen Maserati. Stil hat, wer sich zurücknimmt. Wer sein Klavierkonzert in Zimmerlautstärke hören kann und nicht das Autoradio bis zum Anschlag aufdrehen muss, um gegen das Hupkonzert anzudröhnen. Keinen Stil hat, wer seinen hochroten Kopf auf seinem verschwitzten Nacken nach allem dreht, was ihn vielleicht übersehen könnte. Offen fahren ist Ballermann 6 auf der Bundesstraße 5.

Redakteur Joachim Staat.

"Wenn kalte Luft die Falten glatt zieht, steige ich lächelnd aus",
sagt Joachim Staat.

O2 – schon mal gehört? Nein, nicht das aus der Handy-Werbung, sondern das richtige O2. Sauerstoff, den kennen viele gar nicht mehr, weil sie vor lauter Büro-Hockerei zu wenig an die frische Luft kommen und davon ganz biestig werden. O2 ist das Zeug, das wir Menschen genauso dringend zum Leben brauchen wie unsere Motoren. Vom Sauerstoff können wir, biologisch wie antriebsseitig, nie genug bekommen. Wie gut mir Sauerstoff tut, spüre ich jedes Mal, wenn ich Cabrio fahre. Dazu brauche ich keine lange Strecke, weder tolles Wetter noch viele PS: Es reicht, wenn ich morgens für ein paar Kilometer das Dach öffne, wenn der kalte Fahrtwind mir die Augenfalten glatt zieht oder auf der Kopfhaut prickelt – da steige ich doch gleich mit einem Lächeln aus. Und sei es, weil meine Frisur aussieht, als hätte mich ein Flugzeug geföhnt. Sch ... egal, war ich halt Kerl. Und Spielkind, Übermut hält jung.

Offen fahren macht gelassen

Kann ich den Frühling besser begrüßen? Den Spaß im Cabrio genieße ich für mich allein; was die anderen sagen, juckt mich nicht. Cabrio-Fatzke? Lack-Affe? Prallt an mir ab, bin ich nicht. Bescheuerte Trittbrettfahrer hast du bei allem, was die Werbung als trendy hochjazzt – ob Youngtimer, Fußball oder Power-Yoga. Wegen der falschen Typen, die aus ihrem Cabrio blöde die richtigen Frauen angraben, verzichte ich nicht aufs Offenfahren. Sollen sie doch, deswegen werde ich nicht verbiestert unters Blechdach kriechen. Wer’s anders sieht, sollte mal Cabrio fahren. Das macht gelassen.

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