Oldtimer-Messe Techno Classica 2003

Oldtimer-Messe Techno Classica 2003 Oldtimer-Messe Techno Classica 2003

Oldtimer-Messe Techno Classica 2003

— 14.04.2003

Chromblitzende Autoträume

109.000 Oldie-Fans pilgerten zu Europas größter Oldtimer-Messe. Im Angebot: Fahrzeugklassiker von Goggo bis Maybach.

Oldtimer-Szene im Aufwind

"Den haben wir auch mal gehabt, nur mit mehr Rost". Ein Paar mittleren Alters begutachtet einen VW Käfer Baujahr 1972, der auf dem Youngtimer-Markt auf dem Essener Messegelände angeboten wird. 5000 Euro verlangt der Besitzer für das Massenfortbewegungsmittel der 70er Jahre. Das Paar dreht ab. 5000 Euro für ein wenig Nostalgie ohne Kat und Airbag – lieber erstmal weitergucken.

Der Youngtimer-Markt ist der Schnäppchen-Markt für jene, die auf der Oldtimer-Messe Techno Classica das Oldie-Fieber gepackt hat. Hier werden über 100 Einsteiger-Klassiker angeboten. Von Alfa Spider bis VW Käfer. Von privaten Anbietern. Zu Preisen bis 10.000 Euro. Der Begeisterung für alte Fahrzeuge zu verfallen, fällt nicht allzu schwer bei der Palette von Goggo bis Maybach. 109.000 Besucher hat die Techno Classica, die vom 10. bis 13. April in den Essener Messehalen stattfand, dieses Jahr angezogen, 9000 mehr als 2002. 800 Aussteller und rund 140 Automobilclubs präsentierten automobile Leckerbissen vom Kleinstwagen bis zur Luxusklasse.

Die Oldtimer-Szene ist in Deutschland im Aufwind. Rund 230.000 zugelassene Fahrzeuge sind hierzulande älter als dreißig Jahre. Um die Liebhaber kümmern sich fast 400 professionelle Anbieter von Oldtimer-Teilen. Die meisten sind in Essen mit einem Stand vertreten.

Teure Autos im Trend

"Teure Autos laufen dieses Jahr sehr gut", sagt Messeorganisator Stefan P. Eck. Von einer Absatzkrise wie der aktuelle Neuwagenmarkt sei der Handel mit wertvollen Oldtimern nicht betroffen. "Bei unseren Ausstellern habe ich nur zufriedene Gesichter gesehen", schmunzelt Messechef Eck. So wie wahrscheinlich bei jenem Verkäufer, der auf der Messe einen Bentley Tourer mit acht Liter Hubraum aus dem Jahr 1929 für 1,1 Millionen Euro an den Mann brachte. Der Käufer? Darüber herrscht selbstverständlich Diskretion. Angebotspreise für Jaguar, Ferrari und Co gibt's nur für ernsthafte Interessenten.

298.500 Euro verlangt etwa der Verkäufer des Hamburger Oldtimerhändlers E. Thiesen KG in Halle 11 für einen bildhübschen weißen Mercedes-Benz 300 SL Roadster mit roter Lederausstattung und weißem Lenkrad. Aus dem Jahr 1957 ist das Prachtstück mit dem 215 PS starken Dreiliter-Reihensechszylinder. Zwischen 1957 und 1963 wurden nur 1858 Exemplare hergestellt.

Auf dem Stand von Thiesen herrscht Gedränge wie bei einer Neuwagenpräsentation auf der Frankfurter IAA. Viele machen nur ein Erinnerungsfoto, andere verhandeln auf antikem Gestühl und Prosecco mit dem Firmenchef über den Verkaufspreis. "Zu uns kommen auch Geschäftsleute, die viel Geld an der Börse verloren haben, und jetzt lieber ihr Geld für einen Kompressor-Mercedes anlegen", berichtet Helmut Larkamp von der Thiesen KG.

"Wer einmal ein Wochenende mit so einem Klassiker verbracht hat, wird diese Anlageform schnell ins Herz schließen", so Larkamp. Außerdem lässt sich ein Klassiker inklusive Restaurationskosten auch noch als Dienstwagen steuerlich absetzen. Im Kommen sind in der automobilen Anlageszene derzeit Kombis. So zum Beispiel Sondermodelle von Rolls-Royce und Aston Martin, die ihre Lordschaft zum Transport seiner Hunde extra anfertigen ließ. Extrem selten, extrem teuer.

Deutsch-Amerikanische Freundschaft

In den "Schrauber-Hallen", wo Händler Ersatzteile für die Oldies anbieten, wird eifrig gestöbert. An den 140 Ständen der Oldtimer-Clubs kommen an den Messetagen PS-Geschichten und Reparaturtipps auf den Tisch. Oft wird einfach nur gestaunt und gefrotzelt. So zum Beispiel über den geflügelten Citroën DS mit Raketenantrieb aus der Fantomas-Filmreihe. Oder über den lindgrünen Goggo mit weißer Federboa vom schwul-lesbischen Oldtimer-Club Querlenker.

Am Stand des US-Car Clubs aus Soest mit Straßenkreuzer und Stars and Stripes ist vom getrübten deutsch-amerikanischen Verhältnis nichts zu spüren. Wie Musik klingt der sonore Ton des amerikanischen Big-Blocks in der Corvette, den der Besitzer für den Kaufinteressenten zum Leben erweckt hat.

Für den kleinen Geldbeutel gibt es auf der Messe automobile Klassiker wie den Mercedes-Benz 300 SL im Miniaturformat. Da scheint das Geld immerhin besser aufgehoben zu sein, als für den Käfer vom Youngtimer-Markt. "Mit einem Käfer hat man kaum Chance auf gute Renditen, der wurde viel zu häufig gebaut", warnt Helmut Larkamp von der Thiesen KG. Ansichtssache.

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