Online-Navigation in 3D

Mit Google Earth zum Ziel Mit Google Earth zum Ziel

Online-Navigation in 3D

— 02.06.2006

Mit Google zum Ziel

VW und die Internet-Suchmaschine Google entwickeln ein neues Navigationssystem mit 3D-Zielführung, Satellitenfotos und Stauinfos in Echtzeit.

Durch eine dreidimensionale Welt zum Ziel

Auf dem Bildschirm des Navigationsgeräts ziehen Berge vorbei. Man blickt kurz in ein Tal, sieht Bäume, Flüsse und einen See, folgt einer violetten Linie, die Ihre Route in die Stadt markiert und ein paar Blocks weiter hinter einer Häuserecke verschwindet. Ganz realistisch, es sieht aus wie ein Blick aus dem Autofenster. Nur viel kleiner eben. Unsinn? Nein, das ist die Zukunft.

Im Electronics Research Laboratory von Volkswagen im kalifornischen Palo Alto arbeiten 40 VW-Entwickler mit Kollegen der Internet-Suchmaschine Google an einer sogenannten Online-Navigation. In der High-Tech-Schmiede im Silicon Valley läuft bereits ein Prototyp in einem neuen VW Passat. Der hat einen besonders leistungsfähigen Navigationsrechner mit Mobilfunkanbindung an Bord. Aber keine digitalen Straßenkarten. Die liegen auf einem Server von Google Earth (siehe Seite drei).

Vor Reisebeginn lädt sich der Fahrer die für die Navigation benötigten Daten vom Server ins Auto. Auf Fahrten quer durchs Land werden sie ständig via Mobilfunk aktualisiert, zum Beispiel mit Informationen aus dem Internet über Städte oder Staus. Der Clou aber: Der Fahrer reist durch eine dreidimensionale, fotorealistische Welt zum Ziel. Mit Hügeln, Tälern, Autobahnbrücken, Wiesen, Feldern, Wäldern und Flüssen. Aufgenommen von Spionage-Satelliten, allgegenwärtigen Wächtern im All.

Straße für Straße wird gefilmt

Lkw-Fahrer können so dank der 3D-Bilder Steigungen umfahren, Touristen sich die landschaftlich schönste Reiseroute aussuchen. Man kann auch spezielle Ziele finden, zum Beispiel die günstigste Tankstelle entlang der Route. Dank Online-Suche.

Auch die Verkehrslage entlang der Strecke wird in Echtzeit angezeigt. Für San Francisco stellt das California Department of Transportation die aktuellen Staumeldungen ins Web. Der VW-/Google-Lotse zeigt sie in den dreidimensionalen Bildern an: Grün für freie Fahrt, Gelb für Stop-and-Go-Verkehr, Rot für Stau. Das ist bei uns noch Zukunftsmusik. Die meisten Verkehrsdaten werden nur für die Autobahn erhoben, für TMC (Traffic Message Channel) oder Radiosender ausgewertet. Weil die Meldungen nicht sofort freigegeben, sondern von Polizei und Lagezentren gefiltert werden, melden TMC oder Verkehrsfunk Staus oft erst, wenn sie bereits Geschichte sind.

Zudem ist Google Earth in Deutschland noch nicht so weit ausgebaut wie in den USA. Doch das wird sich bald ändern. Firmen wie Teleatlas filmen bereits in einem riesigen Projekt alle Straßen für die Kartierung ab. Wegen des ungeklärten Datenschutzes dürfen die Filme noch nicht direkt für die Navigation im Auto genutzt werden.

Was steckt hinter Google Earth?

Google, die größte aller Internet-Suchmaschinen, kaufte vor einigen Jahren einen Anbieter für Satellitenfotos, baute dessen Dienst aus. Das Ziel: ein virtueller Globus. Er ist fast fertig und unter www.google.maps.de abrufbar. Gratis Routenplaner und Umgebungssuche inklusive.

Jetzt kauft Google Luftaufnahmen, die weltweit aus tieffliegenden Flugzeugen geschossen werden, baut daraus 3D-Stadtansichten. 56 US-Städte sind schon fertig.

Die Software zum Nutzen von Google Earth gibt's kostenlos bei Google. Der User zahlt nur die Verbindung zum Google-Server. Von dort holt er sich jedoch nicht die Bilder auf seinen PC, sondern schaut sie sich nur wie durch ein Fenster an (Streaming). Die Satellitenfotos sind einen Monat bis drei Jahre alt.

Autor: Stefan Szych

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