Opel Adam: Kaufberatung

— 31.02.2013

Adams Kostüme

Nach dem Mokka bei den kleinen SUVs nimmt Opel mit dem Adam die Kleinstwagen ins Visier. Mit seinen vielen Ausstattungsoptionen soll er stilvolle Stadtflitzer wie den Audi A1, Fiat 500 oder Mini kräftig ärgern.

Vor fast dreißig Jahren rückte Opel auf der IAA die Kleinwagenstudie Junior ins Rampenlicht. Mit reduziertem Design samt abgerundeten Kanten und fließenden Formen wies sie interessante Parallelen zum heutigen VW Up auf. Der spätere BMW-Designer Chris Bangle stellte sich innen zudem austauschbare Cockpitmodule vor, um das Auto zu individualisieren. Elemente der Studie sollten später in der zweiten Corsa-Generation Verwendung finden. Doch unterhalb davon gab es bis auf den mit Suzuki entwickelten vanartigen Agila lange nichts. Heute kauft man Kleine aber nicht nur, weil kein Geld für Große da ist. Schicke, individuelle Stadtflitzer wie Audi A1, Mini oder Fiat 500 sind gefragt – als Teil eines modischen Lebensstils. Auch Opel will sich ein Stück vom Kuchen sichern. Allerdings will man sich dabei des fleißig praktizierten Retrostils enthalten. Der kraftvoll gezeichnete Adam ist 30 Zentimeter kürzer als der Corsa, minimal breiter, aber fast genauso hoch, was den muskulösen Auftritt unterstreicht. Knuffige Scheinwerfer samt freundlichem Lächeln im geschwungenen Lufteinlass erhöhen den Knuddelfaktor. Als Vorbote der zig Individualisierungsmöglichkeiten fällt sofort die optionale zweite Außenfarbe für das Dach auf.

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Neuer Adam gegen Mini & Co.

Durch die großen Türen lässt es sich komfortabel einsteigen. Ebenso gelingt es selbst großen Fahrern, eine optimale Sitzposition zu finden. Die Höheneinstellung der Vordersitze ist serienmäßig dabei. Die Sitze sind straff und bieten trefflichen Seitenhalt im Lehnenbereich, die Wangen der Sitzfläche dürften stärker konturiert sein. Findet hinter einem großen Fahrer noch ein Passagier Platz? Keine Chance. Höchstens ein Kind. Hinter dem Beifahrer logieren jedoch selbst Große noch zweckorientiert, auf Kurzstrecke auch bei guter Laune. Lange bleibt der Dachhimmel auf hohem Niveau, fällt dann aber zur Heckscheibe hin flach ab. Sitzt man gebeugt, und vorn steuert den Adam kein Riese, geht's. Auch hier: Für Kinder oder die Kurzzeitbesatzung auf dem Weg zur Disko ist das sicher problemlos. Es ist eben kein Van. Positiv: große Fensterflächen, die den Fondpassagieren viel Ausblick gewähren.

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Widmen wir uns dem Kommandostand, dessen unterschäumter Instrumententräger speziell in den zweifarbigen Ausführungen so flott wie chic aussieht. Die Anmutung ist hochwertig und zeugt von guter Verarbeitung. Die Sicht nach vorn beeinträchtigen die zwar breiten, aber geschickt geschwungenen A-Säulen kaum. Und die B-Säule liegt selbst bei weit nach hinten geschobenem Sitz so, dass in Kombination mit den hinteren Seitenscheiben der klassische Schulterblick gelingt. Trotz modischer Heckgestaltung samt kräftiger C-Säule: Den Durchblick behält man auch im Rückwärtsgang dank der großen Heckscheibe. Das ist selbst für kleine Autos heute leider nicht mehr selbstverständlich. Nutzer knappen Parkraums bestellen die hinteren Parkpieper oder besser gleich den automatischen Parkassistenten. Der kostet mit 580 Euro inklusive Totwinkelwarner in den Außenspiegeln zwar 260 Euro mehr, erkennt aber auf Knopfdruck Parklücken und lenkt den Adam auf Wunsch automatisch hinein.

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Kombinationsvielfalt: Zwölf Karosserie- und drei Dachfarben stehen zur Auswahl.

So, und nun zur eingangs erwähnten Vielfalt. Allein mehr als 30.000 mögliche Kombinationen für außen lassen schnell befürchten, den Überblick zu verlieren. Doch so schlimm ist es gar nicht. Ganz traditionell gibt es hier eine Basis, mehrere Linien und Einzelextras, um die man sich zuerst kümmern sollte. Danach bietet Opel eine riesige Farben- und Dekorflut an, aus der man sein Auto kreieren kann – edel, flippig oder sportlich. Sollte man dann doch mal daneben gegriffen haben: Dinge wie Felgenclips, Kühlergrillspange oder Armaturentafel samt Türeinsätzen kann man später tauschen lassen. Prima für Zweithandkäufer, die sich nicht mit dem Geschmack des Voreigners identifizieren können. Schon in der Basis rollt Adam mit mehr als nur einem Feigenblatt auf die Straße. So sind elektrische Fensterheber und Außenspiegel, Drehzahlmesser, ESP, Radio (wenngleich ohne CD-Spieler), Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung, Berganfahr-Assistent, Servolenkung mit Stadt-Modus stets dabei. Allerdings schließt das Paradies hier schon wieder die Pforten: Außer einer Handvoll Extras lässt sich kaum noch etwas ordern. Die sinnvolle Klimaanlage kostet 1140 Euro, und die Basis lässt sich nur mit dem pragmatischen 70-PS-Motor koppeln.

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Also, wenn Ihre Wünsche das Genannte übersteigen, raten wir gleich zu Jam, was neben der Klimaanlage auch Aluräder, Tempomat, Lederlenkrad, CD-Radio mit Bluetooth-Freisprecheinrichtung und Chromteile einschließt. Braucht man mehr? Eigentlich nicht. Wenn doch, kommt entweder der elegante Glam mit Panorama-Sonnendach oder der sportliche Slam mit Sportfahrwerk und zweiter Dachfarbe ohne Aufpreis infrage. So weit, so normal. Doch nun können Sie unter 12 Karosserie- und 3 Dachfarben, 31 Rad-Reifen-Kombinationen, 15 Sitz- und 3 Dachhimmeldesigns oder den bereits erwähnten Paketen, Innenraumdekoren, Spangen, Clipsen und vier grundsätzlichen Innenraumfarben wählen. Auch ein LED-Dachhimmel und hintergrundbeleuchtete Armaturentafeln finden sich im Portfolio. Selbst das ist nur ein kleiner Auszug aus der Liste, die es erlaubt, das Auto individuell von einfarbig reduziert bis kunterbunt zu konfigurieren. Erwähnenswert zudem: die technischen Extras, die Opel teils exklusiv in dieser Klasse anbietet. Etwa das beheizbare Lenkrad (350 Euro), der Totwinkelwarner im Paket mit dem automatischen Einparkassistenten oder der ausziehbare Fahrradträger FlexFix (590 Euro).

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Das Multimedia-System IntelliLink kann Smartphone-Inhalte auf den 7,5-Zoll-Touchscreen übertragen.

Stichwort vernetztes Auto: Das Multimedia-System "IntelliLink" gibt – neben Radiofunktion samt Bluetooth-Audiostreaming und -Freisprechen – auch ausgewählte Smartphone-Inhalte auf dem sieben Zoll großen Touchscreen wieder. Fünf Telefone lassen sich koppeln, egal ob mit iOS- oder Android-Betriebssystem. Die spezielle Navi-App "BringGo" macht das Display zum Navigationssystem. Bei stehendem Auto lassen sich auch Bilder oder Videos wiedergeben. Weitere Extras wie Regensensor (145 Euro), Start-Stopp-System (355 Euro) oder Lederausstattung (1000 Euro) muten dann fast schon wieder normal an. Da wir noch lange die Ausstattungen durchdeklinieren könnten, machen wir einen Schnitt und starten die aus dem Corsa bekannten Saugmotoren. Die Einstiegsmaschine leistet 70 PS und hält ein maximales Drehmoment von 115 Newtonmetern bei 4000 Touren vor. Ein Antrieb, der im Corsa nicht sonderlich spritzig wirkt und sich im nahezu gleich schweren Adam ähnlich abmüht. Im fünften Gang von 80 auf 120 km/h vergeht zwar keine halbe Ewigkeit, aber mit 26,8 Sekunden fast eine halbe Minute. Zur Ehrenrettung sei angemerkt: Mit Start-Stopp-System realisiert er mit fünf Litern den niedrigsten Normverbrauch aller Adam.

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Kaum durstiger, aber etwas flotter geht es mit dem 1.4er und dessen 87 PS. Zwar will auch er als Sauger gedreht werden, doch in Kombination mit dem untenrum kurz gestuften Fünfganggetriebe und angenehm kurzen Schaltwegen taugt Adam als Stadtflitzer. Das gilt in abgeschwächter Form auch für Überlandpartien und die Autobahn, zumindest bis zur Richtgeschwindigkeit; darüber tut er sich schwer. Bis 176 km/h ist ein Tempozuwachs zwar anhand des Tachos erkenn-, aber nicht wirklich erlebbar. In der Elastizität schlägt er den kleinen Motor allerdings um neun Sekunden. Bei höheren Tempi meldet sich die Maschine vernehmlich, aber nicht ungebührlich laut zu Wort. Bei gleichen Elastizitäts- und Verbrauchswerten ist die 100-PS-Variante 9 km/h flotter und eine Sekunde eher auf Tempo 100. Lohnt sich das? Eigentlich nicht. Warten Sie lieber auf den neuen Turbo-Benziner samt Sechsgangschaltung, den Opel spätestens 2014 bringen will. Auch Dieselmotoren finden sich derzeit noch keine im Portfolio; Opel will zunächst abwarten, ob hier Bedarf besteht und gegebenenfalls entsprechend reagieren.

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Auch mit Sportfahrwerk bleibt Adams Abrollverhalten komfortabel. Selbst mutwillig angesteuerte Schlaglochpassagen quittiert er lange mit Gleichmut. Im normalen Modus ist die Lenkung in der Mittellage etwas zu leichtgängig, indifferent und vermittelt den Eindruck, als wüsste die Elektronik gerade nicht genau, ob sie unterstützen soll oder nicht. Im City-Modus der Servolenkung gewährt sie dann fast volle Unterstützung, damit selbst zarteste Staturen mit dem sprichwörtlich kleinen Finger in enge Parklücken zirkeln können. Bliebe jetzt nur noch zu überlegen, zu welchen Dekoraccessoires oder Rädern Sie greifen wollen, um Ihren ganz individuellen Adam zu erschaffen. Weitere Infos und viele Bilder zum Opel Adam finden Sie oben in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen Daten und Tabellen gibt es im Online-Artikelarchiv als PDF-Download.

Ein Artikel aus AUTO TEST

Kaufberatung: Opel Adam

Der vollständige Artikel ist ab sofort in unserem Online-Heftarchiv erhältlich. Hier können Sie das Original-Heft-Layout als PDF-Dokument downloaden.
Opel Adam

Veröffentlicht:

01.02.2013

Preis:

2,00 €

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