Opel Ampera im Test

Opel Ampera Opel Ampera

Opel Ampera im Test

— 29.04.2010

Blitzgescheit, dieser Elektro-Opel

Opel baut das erste Allzweck-Elektroauto und verspricht eine Reichweite von 500 Kilometern. Kann das stimmen? AUTO BILD hat den hochgelobten Ampera exklusiv getestet – so wie er 2011 auf den Markt kommt.

Ich schleiche mich vom Hof. husche lautlos an der Pforte vorbei, hinaus in die freie Wildbahn. Hier, abseits des eingezäunten Opel-Prüfgeländes, sind Ampera so selten wie Hühnerzähne. Die Zahl der voll entwickelten, fahrtüchtigen Exemplare beschränkt sich auf eins, nämlich dieses. Und ich bin der erste Fremde, der es zügeln darf. Während ich über die Landstraße geistere, erklärt mir Andreas Lassota, Opels Ampera-Dompteur, worauf es ankommt: "Dies ist kein Hybrid, wie wir ihn kennen, denn er bewegt sich ausschließlich elektrisch." Schön. Und obendrein recht flott – die 150 Elektro-Pferde, gespeist von einer 16 kWh fassenden Lithium-Ionen-Batterie, machen aus dem 1,8-Tonnen- Trumm zwar keine leichtfüßige Gazelle, aber wir kommen komfortabel voran.

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Die schlechte Nachricht: "Wir haben die Batterie diesmal nur wenig aufgeladen." Mit anderen Worten: Gleich geht der Saft aus. Ansonsten würden die acht der 16 kWh, die der Ampera nutzt, für bis zu 60 Kilometer reichen. Der Rest bleibt stille Reserve, was den gut 11.000 Euro teuren Stromtank schonen soll. Nun aber cruisen wir – noch – mit Tempo 130 über die Schnellstraße. Und weit und breit keine Steckdose. Unangenehm. Lassota indessen lehnt sich entspannt zurück. Was mir (wider besseres Wissen) entging: Seit geraumer Zeit schon produziert der Ampera seinen Strom selbst. Unmerklich schaltete er sein eigenes Kraftwerk ein – einen 1,4-Liter-Benziner, handelsüblich im Opel-Programm, liefert zusammen mit einem Generator die dringend benötigte elektrische Energie. Und das ganz ohne Lärm. Nur beim rasanten Anfahren, oder bei Vollgas (besser: Vollstoff) dringt ein dezentes Brummen ins Innere des Ampera. Melodisch erinnert das an ein stufenloses Getriebe, denn der 82-PS-Verbrenner operiert je nach Kraftbedarf auf vier unterschiedlich hohen Drehzahlniveaus.

Die Fahrleistungen des Ampera gehen absolut in Ordnung

Der Ampera stürmt in neun Sekunden auf Tempo 100, schafft 161 km/h Spitze.

Weil ausschließlich der Elektromotor den Vortrieb besorgt, benötigt der Ampera kein Getriebe. Er begnügt sich mit einer einzigen Übersetzung. Auf diese Weise sollen sich dann bis zu 500 Kilometer bewältigen lassen, bis auch die Benzinreserve zur Neige geht. Wobei die Batterie, einmal entleert, unterwegs vom Bordkraftwerk nicht profitiert: Der Saft für sie kommt immer aus einer haushaltsüblichen 230 Volt-Steckdose. Range-Extender nennt sich diese Kombination, Range wie Reichweite, extend wie erweitern. Und die Sache wirkt erstaunlich ausgereift. Nur beim plötzlichen Tritt aufs Gaspedal (Lassota: "Geschwindigkeitswählpotenziometer") lässt sich der vorn neben dem quer eingebauten Benziner platzierte Elektromotor noch etwas Zeit. "Reine Abstimmungssache", versichert der Experte. Beschleunigt wird mit 150 PS in neun Sekunden auf Tempo 100, wobei die Batterie auch im "Extended"-Modus Energie zuschießt, die sie sich beim Verzögern per Rückumwandlung wieder besorgt. Bis zu 161 km/h lässt der Elektromotor zu.

Das ideale Szenario für den Ampera:  Wochentags auf dem Weg zur Arbeit oder zum Einkaufen fährt Vati oder Mutti rein elektrisch, nachts oder zwischendurch an die Steckdose (die volle Ladung dauert drei Stunden), und am Wochenende und in den Ferien geht es mit Sack und Pack per Range-Extender in die Ferne. 70 bis 80 Prozent seiner Fahrleistung wird ein durchschnittlicher Ampera-Besitzer unter Strom absolvieren (laut einer Opel-Untersuchung). Das alles in einem kompakten Fünftürer (technisch ein Mix aus Astra und Insignia) mit vier Sitzplätzen, ausreichend Fond- und 300 Liter Kofferraum und individuellem Design, das sich gründlich von anderen Opel-Modellen unterscheidet. Und wer kann sich dieses Vergnügen leisten? Alle, bei denen es auch für einen Insignia langen würde, verspricht Opel. Naja, nicht ganz. Der Ampera soll voraussichtlich um die 37.000 Euro kosten.

Technische Daten Opel Ampera: Elektromotor, vorn quer • Leistung 111 kW (150 PS) • max. Drehmoment 370 Nm • 1,4-Liter-Benzinmotor als Stromgenerator • Vorderradantrieb • 16 kWh-Lithium-Ionen-Batterie • 0–100 km/h 9,0 s • Spitze 161 km/h • Reichweite ca. 60 km im Elektrobetrieb, mit Range Extender ca. 500 km • Preis: geschätzt 37.000 Euro
Wolfgang König

Wolfgang König

Fazit

Wenn schon elektrisch, dann so. Der mitgeführte Stromerzeuger ermöglicht eine kleinere Batterie mit akzeptabler Ladezeit und macht den Ampera uneingeschränkt alltagstauglich. Ob sich das rechnet, hängt freilich vom Einsatz ab.

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