Opel Ampera/Toyota Prius Plug-in: Test

Toyota Prius Plug-in Opel Ampera

Opel Ampera/Toyota Prius Plug-in: Vergleichstest

— 11.05.2010

Zwei Hybrid-Konzepte, ein Ziel

Elektrisch durch die Stadt, benzinbefeuert über Land – das geht erstmals mit dem neuen Toyota Prius Plug-in oder im künftigen Opel Ampera. Aber welches Hybrid-Konzept ist besser?

Sie wollen elektrisch fahren, aber in einem vollwertigen, universell einsetzbaren Auto? Vergessen Sie’s. Für den Akku, den das Modell mitschleppen müsste, benötigt es einen Anhänger, Nutzlast: rund zwei Tonnen. Außerdem müssten Sie dafür eine Hypothek aufnehmen. Nur so würde der Saft für rund 600 Kilometer reichen. Und dann können Sie Ihr Gespann erst mal einen Tag lang an die Steckdose hängen. Daran wird sich – Lithium-Ionen-Batterie hin oder her – in absehbarer Zeit nichts ändern. Also besser kleinere Brötchen backen. Genau das versucht nun Toyota mit der neuen Prius-Variante namens Plug-in.

Überblick: Alle News und Tests zum Toyota Prius

Kurzstreckenspezialist: Im reinen Elektro-Betrieb schafft der Prius rund 15 Kilometer.

Plug heißt Stecker und bedeutet: Dieser Hybrid kann Kurzstrecken rein elektrisch absolvieren. Wenn die Batterie leer ist, geht es entweder an die Steckdose (230 Volt), oder der gewohnte Hybridantrieb mit Benzinmotor und Elektrounterstützung übernimmt den Vortrieb. Wir haben es ausprobiert: Bis zu 20 Kilometer soll der Prius rein elektrisch schaffen, aber bei uns ist in der Batterie schon nach 15 Kilometern Ebbe (ablesbar auf einem Monitor) – wahrscheinlich haben wir zu viel Stoff gegeben. Dabei kann man stärker Gas geben als im Normal-Prius, bevor der Benziner eingreift. Im E-Betrieb ist die Höchstgeschwindigkeit auf 100 km/h begrenzt. Immerhin bleiben wir nicht stromlos liegen. Sanft gleitet der Prius in den Hybridmodus, nun stehen bis zu 136 PS bereit. Das reicht für 180 km/h. Die neue Lithium-Ionen-Batterie hat 5,2 kWh Ladekapazität (normaler Prius: 1,3), zwei Drittel davon werden nur aus der Steckdose geladen, nicht unterwegs. Per Kabel dauert das 1,5 Stunden.

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Radikaler geht Opel das Problem der geringen Reichweite an: Der neue Ampera fährt rein elektrisch. Auch hier wird zunächst per 230-Volt-Stecker Strom gebunkert, aber die Lithium-Ionen-Batterie ist erheblich teurer und größer (16 kWh), ebenso die Reichweite (bis 60 Kilometer, realistisch eher 50). Derweil steht beim Beschleunigen immer die volle Leistung des Elektromotors (150 PS) zur Verfügung, und es darf bis zu Tempo 160 gefahren werden. Eine komplette Akkufüllung dauert drei Stunden. Versiegt der Batteriestrom, aktiviert der Ampera sein eigenes Kraftwerk: Ein 82 PS starkes 1,4-Liter-Benzinaggregat treibt nun einen Generator an, der den PS-stärkeren E-Motor mit Nahrung versorgt. Die Leistungsdifferenz wird mit Reservestrom aus dem Akku abgedeckt, den der Ampera beim Verzögern wieder regeneriert.

Unser Fahreindruck: Der Wechsel von der Batterie zum eingebauten Stromerzeuger geschieht nahezu unmerklich, nur beim kräftigen Beschleunigen macht sich der kleine Vierzylinder dezent bemerkbar. Schön kultiviert das Ganze und ausreichend kraftvoll, obwohl sich das hohe Batteriegewicht (180 kg) beim Fahren nicht verheimlichen lässt. Im kombinierten Aktionsradius kommt der Opel rund 500 Kilometer weit. Die Vorteile liegen auf der Hand: Der Ampera kann einen großen Teil der im Alltag üblichen Fahrstrecke abwickeln, ohne auch nur einen Tropfen Benzin zu verbrennen. Und das ist schließlich Sinn der Sache. Ihm reicht ein kleinerer Benzinmotor, der mit konstanten Drehzahlen im verbrauchsgünstigen Bereich operiert. Und weil ihn immer nur der E-Motor antreibt, kommt der Fahrer stets in den Genuss des satten Drehmoments – er fährt gelassener.

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Nachteile? Die größere Batterie geht ins Geld, beansprucht viel Platz und treibt das Gewicht hoch. Der Ampera wiegt 300 Kilogramm mehr als der Prius. Auch preislich dürfte der Opel mit dem Toyota nicht konkurrieren können. Genaues steht noch nicht fest, aber wir erwarten eine deutliche Differenz: Ein Prius Plug-in wird Anfang 2012 voraussichtlich für rund 30.000 Euro in den Handel kommen, beim Ampera (Ende 2011) rechnen wir mit gut 37.000 Euro.

Technische Daten Opel Ampera: Elektromotor, vorn quer • Leistung 111 kW (150 PS) • max. Drehmoment 370 Nm • 1,4-Liter-Benzinmotor zur Stromerzeugung (60 kW/82 PS) • Vorderradantrieb • 16-kWh-Lithium-Ionen-Batterie • Kofferraum 300 l • Leergewicht ca. 1800 kg • 0–100 km/ in 9,0 s • Spitze 161 km/h • Verbrauch (EU-Mix) ca. 1,6 l Super/100 km • CO2 ca. 38 g/km • Reichweite ca. 60 km/h im E-Betrieb, mit Range-Extender ca. 500 km • Preis: circa 37.000 Euro

Technische Daten Toyota Prius Plug-in: Vierzylinder, vorn quer • Hubraum 1798 cm³ • Leistung 73 kW (98 PS) bei 5200/min • max. Drehmoment 142 Nm bei 4000/min • Elektromotor • 60 kW/80 PS • max. Drehmoment 207 Nm • Systemleistung 100 kW/136 PS • Vorderradantrieb • stufenloses CVT-Getriebe • L/B/H 4460/1745/1490 mm • Leergewicht 1500 kg • 0–100 km/h in 11,4 s • Spitze 180 km/h • Verbrauch (EU-Mix) 2,6 l Super/100 km • CO2 59 g/km • Preis: ca. 30.000 Euro
Wolfgang König

Wolfgang König

Fazit

Ein Lichtblick: Elektroautos, die nicht ständig stundenlang an die Steckdose müssen. Wirklich Sinn machen sie aber nur, wenn auch vorwiegend rein elektrisch gefahren wird, sprich im Kurzstreckenverkehr. Und da bietet der Ampera mit der größeren Reichweite und seinen ordentlichen Fahrleistungen eindeutig Vorteile. Er ist die mutigere und konsequentere Lösung des Problems. Ansonsten gilt: Ohne die Mithilfe des guten alten Verbrennungsmotors geht es halt nicht. Er macht aus dem E-Mobil ein vollwertiges Auto.

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