Opel Astra 2.0 DTI 16V gegen VW Golf 1.9 TDI

Diesel-Vergleich: VW Golf gegen Opel Astra Diesel-Vergleich: VW Golf gegen Opel Astra

Opel Astra 2.0 DTI 16V gegen VW Golf 1.9 TDI

— 27.02.2002

Hier glühen Sie auf

Volksfeststimmung in der Kompaktklasse: Opel und VW sorgen mit zwei 100 PS starken Dieselmodellen für Budenzauber.

Gleich stark, aber sonst völlig anders

Wenn die Bratwurst brutzelt, die Kinder auf der Achterbahn juchzen - dann ist wieder Jahrmarkt. Der große Spaß, der das ganze Volk unter einen Hut bringt. So wie die modernen Diesel von VW und Opel. Golf und Astra heizen mit 100 PS an, sparsam und flott zugleich. Auf dem AUTO BILD-Test-Karussell drehen sich zwei Fünftürer: Opel Astra 2.0 DTI 16V in der Version Selection Comfort und VW Golf 1.9 TDI mit Comfortline-Ausstattung.

Gleiche Leistung und gleiches Konzept, damit hat es sich aber schon mit den Gemeinsamkeiten in der schönen, neuen Diesel-Welt. Sowohl technisch als auch im Fahreindruck unterscheiden sich die beiden Vierzylinder fast wie das Riesenrad vom Auto-Scooter. Der seit September 2000 erhältliche Zweiliter von Opel besitzt einen Zylinderkopf aus Leichtmetall und vier Ventile pro Zylinder. Ziel: eine bessere Füllung der Brennräume und damit mehr Leistung. Der Astra setzt weiter auf die bekannte Verteilereinspritzpumpe (VP 44), die den Kraftstoff ohne Umwege in die Brennkammern drückt (Direkteinspritzung). Turbolader und Ladeluftkühler sorgen für 100 PS Leistung und 230 Newtonmeter (Nm) maximales Drehmoment - vom Papier her nicht schlecht.

Wie die Opel-Maschine erfüllt auch der VW-Diesel die Abgasnorm Euro 3. Mit nur zwei Ventilen pro Zylinder ist sein Zylinderkopf weniger aufwendig als bei Opel. Turbolader, Ladeluftkühler und Direkteinspritzung dagegen gehören zum Motor wie Zuckerwatte und Liebesäpfel zum Jahrmarkt.

VW bietet die modernere Diesel-Technik

Noch eine Stufe moderner als bei Opel funktioniert die Pumpe-Düse-Einspritzung bei VW. Jeder Zylinder besitzt dabei seine eigene Einspritzpumpe, kombiniert mit einer Düse. Der technische Aufwand zahlt sich aus. So erreicht der Golf bereits bei 1800 Touren sein maximales Drehmoment von 240 Newtonmetern. Zehn mehr als beim Astra. Klingt unbedeutend, macht sich beim Fahren aber angenehm bemerkbar. Der VW-Direkteinspritzer wirkt in allen Drehzahlbereichen spritziger und elastischer. Er reagiert spontan aufs Gas, explodiert förmlich beim Spurt aus niedrigen und mittleren Drehzahlen. So bietet er stets Reserven zum Überholen oder lässt sich schaltfaul durch den Stadtverkehr bewegen.

Der Astra-Motor leidet spürbar unter Antrittsschwäche. Erst ab 2000 Touren kommt so richtig Leben in die Bude. Einmal in Schwung, marschiert aber auch der 16V flott voran. Die fehlende Antrittskraft darf aber nicht allein dem Motor angelastet werden. Dessen Elan bremst auch die sehr lange Getriebeübersetzung, die - wie bei Opel gewohnt - den Verbrauch senken soll. So kommt der Astra im Schnitt mit 5,6 Liter Diesel aus - ein guter Wert. Doch der Golf kann es mit 5,3 Liter Testverbrauch noch besser. Auch dies ein Vorteil der Pumpe-Düse-Technik.

Einen Nachteil aber kann sie nicht verheimlichen. Aufgrund der harten Verbrennung und höherer Einspritzdrücke fehlt es dem VW-Motor an Laufkultur. Der TDI rasselt morgens und im Stadtverkehr wie ein Zug von Achterbahnwagen. Zwar ist der 2.0 DTI von Opel auch kein Ausbund an Laufruhe, aber er schneidet bei der Nagelprobe besser ab, besitzt subjektiv zudem die wirkungsvollere Geräuschdämmung.

Opel lockt mit längeren Wartungsintervallen

Wenn es rundgeht, dann macht der VW die bessere Figur. Unbeirrbar wie die Autos auf dem Kinder-Karussell zieht er seine Kreise, bleibt nicht zuletzt dank serienmäßiger elektronischer Stabilitätskontrolle (ESP) und einer direkteren Lenkung im Grenzbereich leichter zu beherrschen. Der weniger straff gedämpfte Astra erschreckt den Fahrer hingegen mit dem Eindruck, dass sein Heck ausbrechen will. Was aber nur in extremen Situationen geschieht.

Wenn es eng wird, steht der Golf aus Tempo 100 nach nur 38,1 Metern, während der Astra (40,5 Meter) vielleicht entscheidende Meter mehr braucht. Auch bei Platzangebot, Sitzkomfort, Verarbeitungsqualität hat der Golf die Nase vorn. Der Astra kontert mit mehr Kofferraum (370 statt 330 Liter Volumen), besserer Sicht nach hinten und vor allem längeren Wartungsintervallen (30.000 statt 15.000 Kilometer). Da sagen Diesel-Fahrer, die grundsätzlich mit teuren Inspektionen leben müssen: "Danke, Opel!" Denn die 100-PS-Diesel zu fahren, ist kein preiswertes Vergnügen.

Opel verlangt 36.190, VW 37.454 Mark. Dafür bietet der Astra, der als "Selection Comfort" anrollte, eine umfassende Komfort-Ausstattung, unter anderem mit Alu-Rädern, Klimaanlage, Radio und CD-Player. So viel Luxus kann der Golf Comfortline nicht auffahren, dafür ist der Sicherheitsanker ESP serienmäßig an Bord. Der Preis ist hoch, doch an der Losbude wären beide echte Hauptgewinne.

Fazit und Zeugnis

Fazit Die 100 PS starken Diesel-Varianten des Opel Astra und des VW Golf machen Spaß beim Sparen. Zwei Autos ohne gravierende Mängel, dafür mit enormen Qualitäten. Dafür gibt es jeweils eine 2-. Beides Gewinner? Nicht ganz. Bei Platz, Verarbeitung, Lenkung und Bremsen schneidet der Golf einen Tick besser ab. Und rangiert mit einem runderen Gesamteindruck vor dem Astra.

Preise und Kosten

Beide Diesel zählen nicht unbeding zu den Sonderangeboten unter den Kompakten. Allerdings hat Qualität auch in dieser Klasse ihren Preis.

Technische Daten und Testwerte

An der Losbude wären beide ein Gewinn. Der Golf kann allerdings in den meisten Disziplinen einen kleinen Vorsprung verbuchen.

Punktewertung

Der AUTO BILD-Version liegt die für uns in dieser Klasse notwendige Mindestausstattung zugrunde. Die Differenz zwischen diesem Preis und dem Grundpreis ergibt die Wertung.



















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