Gebrauchtwagentest: Opel Astra Cabrio

Opel Astra Cabrio: Gebrauchtwagen-Test

— 13.06.2015

Was bleibt nach 19 Jahren übrig?

Ein Opel Astra Cabriolet zum Minimaltarif – Schnäppchen oder Schrott? Das klärt ein AUTO BILD-Test: Wir nehmen den Billigheimer richtig hart ran!

Bedächtig korrigiert Testassistent Berend Sanders den Reifendruck. Dabei tastet er sich in Zehntel-Bar-Schritten an den korrekten Wert heran. Kollegin Claudia Bode blinzelt auf die Waage, überträgt dann die Einzelradlasten ins Prüfprotokoll. Redakteur Manfred Klangwald fädelt inzwischen die Kabel der V-Box (ein satellitengestütztes Datenmesssystem) durch einen Spalt am Seitenfenster. Schwer was los hier! Ein ganzer Trupp in roten AUTO BILD-Jacken wuselt um den schwarzen Wagen herum. Fertig. Auf zur 0–100-Prüfung ...

Der Testkandidat hat schon 19 Jahre auf dem Buckel

Auf den ersten Blick noch gut in Schuss: Dem Astra Cabrio sieht man seine 19 Jahre nicht unbedingt an.

Reichlich Aufwand für ein "Internet-Wrack" – wie es ein Kollege lästernd beschrieben hatte. Wrack? Frechheit! Das Opel Astra Bertone Cabriolet steht doch astrein da. Okay, es hat fast 260.000 Kilometer auf der Uhr, und inzwischen bleicht ihm die Sonne des 19. Sommers die Kapuze aus. Rostige Flecken am Schweller und ein leichter Hustenreiz des 1.8ers belegen zudem, dass der Astra so kurz vor seinem Schrott-Ruhestand mit reichlich kleinen Wehwehchen zu kämpfen hat. Dennoch: Wir nehmen den Opel so hart ran, wie wir es sonst eher mit flammneuen und topfitten Testwagen handhaben. Belastende Sprints, brachiales Bremsen und verrenkende Ausweichübungen sollen zeigen, wie viel Leben noch unterm Blech des alten Bertone steckt. Quasi Quälkram im Namen der Forschung, stellvertretend für alle alten Kisten.
Alle News und Tests zum Opel Astra

Bereits für schlappe 350 Euro gibt es Cabrio-Vergnügen

Internetfund: Den Astra haben wir ganz sorgfältig ausgesucht – billig und mit TÜV sollte er sein.

Den Astra haben wir nicht zufällig ausgewählt. Suchvorgaben: Passend zur startenden Saison sollte es ein Cabriolet sein, gern ein gängiges Modell, fahrbereit, zulassungsfähig (heißt: mit "Rest-TÜV"). Ach ja: und so billig wie möglich. Treffer im Internet: ein Astra 1.8, 125 PS stark, nur 350 Euro teuer, sogar mit elektrischem Verdeck veredelt und mit unerwartet viel Luxusausstattung unterm Stoffdach. Leder-Sportsitze, Sitzheizung, Klapp-Rückbank und Soundanlage vertuschen die 350-Euro-Armut beflissen. Am Anfang seiner Laufbahn hatte das damals 45.000 Franken teure Cabriolet seinem Erstbesitzer in der Schweiz die Sonnentage versüßt, acht Jahre später irgendwo in Hannover einem Dritthandeigner gedient, am Ende in Büdelsdorf in Schleswig-Holstein seine letzte Besitzerin mit Oben-ohne- Späßchen verwöhnt.
Unser Opel Astra Cabrio im Crash-Test

Ganz taufrisch ist der 1,8-Liter-Motor nicht mehr

Etwas müde: Dem 1.8er stecken fast 260.000 Kilometer in den Brennräumen – das merkt man auch.

Immerhin: Das Scheckheft wurde bis Dezember 2010 geführt, erst vor knapp 20.000 Kilometern hat sich einer der vielen Vorbesitzer um die Bremsanlage bemüht, neue Scheiben und Beläge spendiert. Nun steht der Wagen hier auf einem alten Flughafengelände auf der AUTO BILD-Teststrecke, rumort etwas stotternd aus dem Auspuff, drückt sein acht Jahre altes Winterreifenprofil (mehr gab's halt nicht für so wenig Geld ...) in den Asphalt und wartet auf den Sprintstart. Was das wohl gibt? Ausgeschlurfte Puschen ohne Grip, ausgenudeltes Fahrwerk ohne Führung, altersschwacher Motor ohne Kraft – wir erwarten ein Debakel für den Opel-Opa. Von wegen! Zwar hinkt er seinen "alten" Werten (ein identisches Modell hatten wir 1996 getestet, diese Messwerte legen wir hier zugrunde) in allen Disziplinen hinterher – jedoch nicht um Welten.

Trotz Ächzen und Stöhnen bleibt der Totalkollaps aus

Härtetest: Es knarzt und knackt im Gebälk, aber so furchtbar schlecht schlägt sich der Astra nicht.

Klar hat der Motor an Leistung eingebüßt, die Kupplung stinkt nach dem dritten Brutalo-Start, der Kühlerlüfter stellt (wohl im Protest) seinen Dienst ein. Es ächzt und knarzt aus den Tiefen der Karosseriestruktur, die Domlager knacken bei jedem Richtungswechsel. Natürlich verhindern die üblen Reifen bessere Bremswegwerte. Doch der Totalkollaps bleibt aus, sowohl für sein Alter und erst recht für seinen "Wert" schlägt sich der alte Rüsselsheimer achtbar. Auch beim Ausweichen zeigt er noch die typische gutmütige Tendenz, mit dem unmodernen Verbrauch müssen wir leben. Kurz: Der olle Bertone steht verdammt zäh da. Vom AUTO BILD-Testablauf lässt er sich jedenfalls nicht kleinkriegen. Hapert es irgendwo anders? Auch nicht wirklich.

Das Dach dürfte schon einmal ausgetauscht worden sein

Funktioniert und hält dicht: Den Waschanlagen-Test absolviert das Astra-Verdeck mit Bravour.

Den "Regentest" in der Waschanlage besteht er. Ein paar Wassertropfen presst die Hochdruckvorwäsche durch die Scheibenrahmen, ansonsten bleibt die Mütze trocken. Ohnehin erweckt das Dach den Eindruck, dass hier bereits eine zweite Haube montiert wurde – zu gut blieb das Textilgewebe erhalten. Die Sitze sind jedoch am Ende. Auch wenn das Leder selbst in Topform geblieben ist, die Polsterung darunter hat wohl schon unter dem fünften oder sechsten Besitzer schlappgemacht. Auf längeren Strecken schlaucht der müde Unterbau den Fahrer. Stichwort Unterbau: Ab auf die Hebebühne, Bodenblech angucken! Das hat sich leidlich gehalten, wurde bereits an zwei Stellen geschweißt, am Rand der Reserveradwanne knirscht es verdächtig. Die nächste HU wird wohl schwierig. Macht nichts, der Astra wird eh bald aus dem Verkehr gezogen – durch einen Crashtest ...

Test: Deutschlands günstigstes Cabrio

Der vollständige Artikel ist ab sofort im unserem Online-Artikelarchiv erhältlich. Hier können Sie das Original-Heft-Layout als PDF-Dokument downloaden. Der Artikel handelt von folgendem Modell: Opel Astra 1.8 Cabriolet (Test).

Veröffentlicht:

30.04.2015

Preis:

1,00 €

Jan Horn

Jan Horn

Fazit

Klar, die Fahrwerte eines modernen Modells erreicht der angeschlagene Opel nicht. Dennoch bin ich überrascht, wie tapfer sich ein Auto für so wenig Geld schlägt. Cabrio-Spaß für eine Saison? Würde sogar funktionieren – zumindest mit unserem Testobjekt.

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