Opel Astra gegen VW Golf

Opel Astra gegen VW Golf

— 05.04.2004

Runde zwei: Die Basis-Modelle

Im ersten Duell standen sich die 1,6-Liter-Benziner gegenber. Seitdem heit es: 1:0 fr den Golf. Jetzt geht es um die Einstiegsmotoren.

Jedermann trifft Normalverbraucher

Den Angriff auf seinen Thron konnte er bislang abwehren. Mit dem 1,6-Liter-FSI-Motor blieb der Golf vor dem Astra 1.6 Twinport. Doch damit verbuchte der Bestseller nur einen Etappensieg beim Kampf um die Krone der Kompaktklasse. Weitere Golf-Astra-Duelle werden folgen. Deshalb bleibt die Gretchenfrage aktuell: Golf oder Astra? Diesmal geht's um die Volumenmodelle: Wolfsburger Jedermann trifft Rsselsheimer Normalverbraucher. 40 Prozent der mehr als 218.000 Golf-Kufer in Deutschland entschieden sich 2003 fr die Grundausfhrung mit einem 1,4-Liter-Motor.

Wie eng wird das Rennen an der Basis? Enger jedenfalls als zwischen den bereits geprften 1,6-Liter-Versionen. Vor allem preislich. Seit VW die Klimaanlage serienmig anbietet, kann der Basis-Golf mit vier Tren pltzlich sogar um 95 Euro billiger als der Einstiegs-Astra sein vorausgesetzt, der Astra-Kufer ordert ebenfalls eine Klimaanlage (1110 Euro). Dieser Preisvorteil ist vorerst befristet. Denn das VW-Angebot gilt nur bis zum 30. September 2004. Danach soll die Golf-"Climatic" wieder Aufpreis kosten.

Der kleinste Astra-Benziner startet mit 90 PS. Eine 75-PS-Version soll nicht kommen. Das verschafft ihm gegenber dem 75-PS-Basis-Golf natrlich Vorteile. Beispiel Beschleunigung: Aus dem Stand auf Autobahnrichtgeschwindigkeit spurtet der Opel fast drei Sekunden schneller als der Golf. Und auch beim Hchsttempo macht sich das Leistungsplus von 15 PS bemerkbar. Laut Tacho wird der Opel in der Spitze fast 20 km/h schneller.

Test-Verbrauch spricht fr den Astra

Von einer Golf-Leistungsschwche kann trotzdem keine Rede sein. Im Gegenteil: Der VW ist vllig ausreichend motorisiert. Seine Gasannahme ist spontan, das Laufgerusch angenehm. Bei niedrigen Drehzahlen wirkt er sogar agiler als der krftigere Opel. Beim Einkuppeln an der Ampel liegt gleich gengend Drehmoment an, um zgig zu beschleunigen.

Anders der Astra. Wer nicht genug Gas gibt, sprt eine leichte Anfahrschwche. Erst ab 2500/min entwickelt der Vierzylinder akzeptablen Vortrieb. Die Elastizittsmessungen belegen diese Einschtzung klar. Der Opel kommt beim Zwischenspurt messbar schwerflliger auf Touren. Grund: Der Golf ist krzer bersetzt, und er erreicht das nahezu identische Drehmoment-Maximum 200 Umdrehungen frher als der Astra. Und die Leistungsspitze liegt sogar 600 Touren frher an. So fordert eine flotte Fahrweise im Opel fleiiges Schalten und hhere Drehzahlen.

Die lngere bersetzung im Astra bringt aber auch Vorteile. Das Drehzahlniveau auf der Autobahn ist niedriger. Bei 4000/min im fnften Gang fhrt der Opel laut Tacho 135 km/h, der VW 130. Und auch auf den Verbrauch wirkt sich diese Charakteristik positiv aus. Der Opel kann seinen Konkurrenten sogar unterbieten: 7,6 zu 7,9 Liter Testverbrauch sprechen fr den Astra. Nur unter Volllast genehmigt er sich knapp einen Liter mehr Super.

Golf-Schaltung Vorbild in Sachen Przision

Insgesamt differieren beide Modelle beim Fahreindruck minimal. Neben den Motoreigenschaften werden nur kleine Unterschiede bei Lenkung, Schaltung, Bremse und Fahrwerk fhlbar. Der Opel lenkt eine Spur eckiger als der sehr exakt dirigierbare VW. Auch seine Schaltung ist ein Vorbild in Sachen Przision.

Der Astra kann nicht ganz mithalten. Sein Schaltknauf liegt etwas tiefer und wirkt beim Gangwechsel weniger sauber gefhrt. Umgekehrtes Bild bei der Bremse. Dem Golf fehlt ein klar definierter Pedal-Druckpunkt, sodass die Bremswirkung schlechter dosierbar ist. Beide Autos bestechen mit hohem Fahrkomfort. Hierbei haben Basismodelle wichtige Vorteile. Kleine Motoren und wenig Ausstattung bedeuten geringes Gewicht. Mit 1255 (VW) und 1225 Kilo (Opel) sind die Viertrer relativ leicht. Dadurch wirken sie nicht nur erfreulich wendig, sondern ihre Federung reagiert auf Erschtterungen feinnerviger als die der greren, schweren Motorvarianten.

Der diesmal ohne das elektronische Fahrwerk IDS plus (interaktives dynamisches Fahrsystem) ausgerstete Test-Astra konnte jedenfalls voll berzeugen. Sehr komfortabel abgestimmt, berfhrt der Opel mit Basisfahrwerk Querfugen und Wellen noch besser als der Golf, der auf schlechten Pisten zu leichten Hubbewegungen neigt.

Im Innenraum setzt der Golf Mastbe

Ein Vorsprung durch seine aufwndiger konstruierte Vierlenkerhinterachse ist beim Golf nur bei extremen Fahrversuchen auf abgesperrter Strecke feststellbar. Im Alltagsbetrieb ist der Astra ebenbrtig. Beide Modelle verfgen serienmig ber den Schleuderschutz ESP.

Im Innenraum setzt der Golf die Mastbe. Die Sitzposition ist tief und behaglich. Selbst groe Personen greifen zur Ratsche und pumpen die Sitzflche einige Zentimeter nach oben. Besonders sein Raumgefhl ist beeindruckend. Der neue Golf wirkt innen breit, tief und hoch. Nur die bersichtlichkeit knnte besser sein. Das Ende der Motorhaube ist nicht zu sehen. Beim Schulterblick nach rechts strt die breite C-Sule.

Die hat auch der Astra. Trotz lngerer Auenabmessungen (4,25 statt 4,20 Meter) wirkt der Opel enger, aber dank der hheren Sitzposition auch berschaubarer. Gegenber dem Golf fehlen ihm jedoch ausreichend Ablagemglichkeiten. Einzig das groe, zweigeteilte Handschuhfach glnzt mit reichlich Platz. Die Nuancen, die die Basismodelle von Golf und Astra unterscheiden, sind gering. So gering, dass es keinen Sieger oder Verlierer gibt. Gewinner sind beide. Und ihre Kufer. Denn bei der Grundversorgung wird absolute Vollwertkost geboten.

Kosten und Ausstattungen

Kopf-an-Kopf-Rennen beim Preis: Astra 1.4 Enjoy und Golf 1.4 Trendline liegen nur 480 Euro auseinander beide mit vier Tren, der Golf zustzlich mit Klimaanlage. Zu den Garantien: Opel echte Garantie, VW nur Gewhrleistung. Das kann bei strikter Auslegung ein Nachteil sein.

Technische Daten und Testwerte

Konzeptionell sind Astra und Golf hnlich. Ein wichtiger Unterschied gilt der Ventilsteuerung. Die Nockenwellen des Golf werden von einem Zahnriemen gesteuert, Opel setzt auf eine Kette. Vorteil Opel, weil die Kette nicht so wartungsintensiv ist wie der Zahnriemen.

Fazit und Wertung

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jrg Maltzan Golf oder Astra? Wie bei Goethes Faust bleibt die Gretchenfrage unbeantwortet. Zumindest bei den Basismodellen. Denn nichts wahrlich Entscheidendes trennt die beiden Einstiegsmodelle: Ausgleich, Patt, Gleichstand. Trotzdem ist Opel moralischer Sieger. Denn technisch hat der Astra mchtig aufgeholt, ist jetzt auf Augenhhe mit dem Erzrivalen. Nur: Ein Unentschieden hilft bei der Kaufentscheidung nicht weiter. Deshalb reduziert sich die Wahl auf Geschmacksfragen. Wer es modisch-dynamisch mag, wird sein Glck im Astra finden. Konservative Kufer, denen Platz wichtiger ist als aufflliges Styling, sind mit dem Golf gut beraten. Ein Kauftipp sind beide. Denn keine andere Variante bietet mehr Astra oder Golf frs Geld als die jeweilige Basismotorisierung. Hier stimmt die Gegenleistung wirklich. Alles darber hinaus ist in jeder Hinsicht Luxus.

Astra oder Golf Ihre Meinung ist gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten fr Opel Astra 1.4 Enjoy und VW Golf 1.4 Trendline. Den Zwischenstand sehen Sie direkt nach Abgabe Ihrer Bewertung.

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen gnstig kaufen und Geld sparen.


Kfz-Versicherung